Die Bundesliga im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Der Bock wird Bulgarien-Trainer

Der Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hat endlich wieder eine richtige Aufgabe – und das bedeutet hoffentlich auch, dass er die Öffentlichkeit nun erst einmal mit seinem Ehe-Debakel mit einer beinahe noch minderjährigen Serbin verschont.

Der Bock wird Bulgarien-Trainer

Meisterbetrieb: Die Front der Kleinen bröckelt

Allen, die gedacht hatten, es sei nur eine Zeiterscheinung, dass die Kleinen die Liga rund machen, sei an dieser Stelle eines gesagt: Ihr habt völlig Recht. Die ersten zuletzt so beeindruckenden Außenseiter hat es in der Englischen Woche schon mal ganz übel erwischt. Etwa die Roten Teufel, die von der Dortmunder Biene Maja dermaßen heftig gestochen wurden, dass ein Allergieschock droht: 0:5 hieß es aus Sicht der Lauterer am Ende – folgt da womöglich ein böser Absturz? Oder die Freiburger – bis zum Mittwoch ein Favoritenärgernis par Excellence. Dann ging’s gegen die bis dato völlig desolaten Schalker und es setzt eine fiese 1:2-Heimpleite. Könnte gut sein, dass aus den Breisgau-Brasilianern ganz schnell wieder biedere Holzfüße werden. Trainer Robin Dutt hatte ja im Vorfeld der Partie gegen Magaths Null-Vierer schon gesagt, sein Team sei geerdet. Nun haben alle wirklich richtig harten Boden unter den Stollen. Ein paar Kleine haben sich bislang nicht beirren lassen und sich gegen einen Dämpfer mit Erfolg gewehrt. Etwa die Mainzer, denen nach fünf Siegen in den ersten fünf Spielen schon die ersten Gratulationsschreiben ins Haus geflattert sein sollen. Die Spieler spielen nach jedem Torerfolg beim Jubeln mit der Eckfahne Gitarre, Manager Heidel wähnt sich gar in einem Kinofilm. Doch da sei ihm eines gesagt: Manchmal gewinnt am Ende nicht der unterschätzte Underdog, sondern eben doch der alternde Revolverheld. Am Samstag in München haben die Bayern die Hand am Colt.

Gesellenstück: Teure Erlösung

Die Leidenszeit ist zu Ende – nach 333 Minuten. Und irgendwie kommt einem sogleich die Zahl 666 in den Sinn, so als hätte der Teufel seine Hände im Spiel gehabt. Denn nach diesen 333 torlosen Bundesligaminuten des FC Bayern ist nicht nur der Bann gebrochen, sondern auch das Band von Franck Ribéry gerissen. In derselben Sekunde, als Thomas Müller das Leder zum 1:1-Ausgleich über die Linie des Hoffenheimer Tores drückte, ging der französische Dribbler in die Knie – als ob eine höhere Macht ein Opfer von den Bayern eingefordert hätte als Gegenleistung für das Ende der schwarzen Serie. Ribéry wurde unter Tränen in die Kabine geleitet, seine Kameraden spielten auf wie in Trance und schafften in letzter Sekunde den 2:1-Siegtreffer – ausgerechnet durch Daniel van Buyten, den besten Freund des Verletzten. Wenn da mal nicht höhere Mächte am Werk waren. Alles, was in dieser entscheidenden Phase des Spiels zwischen Hoffenheim und den Münchnern passierte, hatte nichts mit Dusel, mit Bayern-Gen oder sonstigen Klischees zu tun, die man mit dem Rekordmeister verbindet. Das alles war eher ein bisschen unheimlich.

Erstes Lehrjahr: Der Bock wird Bulgarien-Trainer

Der Rekordnationalspieler hat endlich wieder eine richtige Aufgabe – und das bedeutet hoffentlich auch, dass er die Öffentlichkeit nun erst einmal mit seinem Ehe-Debakel mit einer beinahe noch minderjährigen Serbin verschont. Doch Lothar Matthäus sollte sich wirklich nicht länger darüber grämen, dass ihm das freche Ding in aller Öffentlichkeit Hörner aufgesetzt hat, denn als Nationaltrainer Bulgariens wird er andere Frauen kennenlernen. Mit denen dürfte er zwar mangels gemeinsamer Sprache vermutlich ebenso wenig in der Lage sein, zu kommunizieren. Dennoch wissen bestimmt auch die ambitionierten Damen zwischen Sofia und Plovdiv, dass der Leitwolf ein ganz gutes Karrieresprungbrett sein kann. Nun könnte man meinen, dass dieser neue Job mal ausnahmsweise den Loddar richtig nach vorne bringt. Doch die Bulgaren gehören in Europa nicht mal mehr zur zweiten Garde, der einzige Topstar Dimitar Berbatov ist aus der Auswahl zurückgetreten, zuletzt setzte es gegen keineswegs überragende Engländer eine 0:4-Heimpackung. Und da soll ausgerechnet Matthäus zum Messias werden? Macht man damit nicht womöglich den Bock zum Gärtner? Schließlich wirkte der fränkische Raumausstatter als Trainer bislang immer wie ein Groundhopper, der ein fremdes Land bereist, sich einen Aufnäher an den Rucksack pinnt und dann wieder auf die Walz geht. Österreich, Serbien, Ungarn, Brasilien und Israel waren die bisherigen Stationen. Nicht zu vergessen sein Intermezzo als Coach einer Gruppe von Dilettanten, die sich unter dem Namen Borussia Bafana auf RTL II Woche für Woche blamierte. Aber für Blamagen gibt es ja keinen besseren Experten als Matthäus.

Zwei linke Hände: Mediale Fehltritte

Kein noch so kleiner Fehltritt bleibt ihnen verborgen, selbst wenn sie die zweihundertfache Vergrößerung und die top-exklusive Spezialkamera für ihre fragwürdige Aufklärungsarbeit bemühen müssen. Dieser Ehrgeiz der Fernsehfußballjournalisten wäre ja grundsätzlich lobenswert, wenn sie selbst dann wenigstens einigermaßen fehlerfrei über die Runden kommen würden. Wer nachträgliche Sperren für angebliche Tätlichkeiten fordert, aber selbst nicht mal in der Lage ist, sich die Namen von Gesprächspartnern oder einfachste Statistiken zu merken, sollte seine investigative Berufung noch einmal hinterfragen. Ein Sky-Reporter erinnerte sich zum Beispiel nicht mehr an den richtigen Namen des A-Nationalspielers Kevin Großkreutz, machte ihn zum Breitkreutz und verbesserte sich im Laufe des Gesprächs noch nicht einmal. Ein anderer Mann vom Bezahlfernsehen hatte dieser Tage dem Mainzer Risse lang und breit erklärt, er habe das 3000. Tor der Liga-Geschichte erzählt. Ätschbätsch, in Wahrheit war es Luiz Gustavo aus Hoffenheim, aber nochmal vielen Dank für die ausführlichen Statements des armen Jung-Profis zu nichts. Den Vogel aber schoss die ARD am Dienstag mit ihren Zweitligaergebnissen ab: Absurde Paarungen wurden da eingeblendet, eine Reihe von Mannschaften kam in der Übersicht doppelt vor, andere gar nicht. Die Resultate jener Partien, die gar nicht stattgefunden hatten, waren vermutlich der Fantasie einer südosteuropäischen Wettmafia entsprungen. Moderator Delling merkte – nichts. Aber zum Glück sind die Medien ja nur dafür zuständig, die Ergebnisse öffentlich zu machen und nicht etwa, eine eigene Tabelle zu erfinden. Das Kicken erledigen nämlich im Normalfall weiterhin die Fußballer und in der Regel erfährt man dann auch eher das, was auf dem Platz wirklich passiert ist, als irgendwelche ausgewürfelten Wunschergebnisse der Hoyzer-Fraktion.