Konjunktur Der Aufschwung verliert Dynamik

Die Wirtschaft befürchtet eine weitere Eskalation der Schuldenkrise. Die Gesamtkonjunktur beginnt ein wenig zu schwächeln. Zwar ist die Beschäftigung in Deutschland weiterhin stabil, doch auch die Auftriebskräfte am Arbeitsmarkt verlieren an Schwung.

Die Auftriebskräfte der deutschen Wirtschaft haben im Frühling nachgelassen. Bereinigt um die Zahl der Arbeitstage verringerte sich die Erzeugung des produzierenden Gewerbes im Zeitraum April/Mai gegenüber Vorjahr um 0,3 Prozent, nachdem sie zu Jahresbeginn noch um ein Prozent zugelegt hatte. Ausgangspunkt der konjunkturellen Abschwächung ist die Rezession in Südeuropa. Dort hemmen hohe Arbeitslosigkeit, fallende Staatsausgaben und unsichere Perspektiven die Nachfrage. Das hat negative Auswirkungen auf den Handel in der Eurozone.

Auch deutsche Firmen werden bei ihren Investitionen vorsichtiger. Dagegen blieb der private Konsum angesichts sinkender Arbeitslosigkeit und höherer Lohnabschlüsse eine Stütze. Alles in allem blicken heimische Unternehmen nicht mehr so zuversichtlich in die Zukunft. Der ifo-Geschäftsklima-Index gab zuletzt spürbar nach.

Konsumklima gibt nach

Der private Verbrauch hat im Frühling den Abschwung der wirtschaftlichen Entwicklung abgebremst. Allerdings belasteten die vielen schlechten Nachrichten aus dem Euro-Raum den Konjunkturoptimismus der Verbraucher. Das GfK-Konsumklima gab zwischen März und Juni trotz abnehmender Inflation leicht nach.

Die Investitionen der gewerblichen Wirtschaft profitieren von einem günstigen Finanzierungsumfeld. Folgerichtig verzeichneten die Investitionsgüterproduzenten im bisherigen Jahresverlauf ein Umsatzplus im Inland. Damit dürfte es aber bald vorbei sein: Die Bestellungen deutscher Firmen lagen Ende Mai um 6,7 Prozent unter dem Stand von 2011. Ebenfalls ein Warnsignal ist die nachlassende gewerbliche Kreditnachfrage.

Der Export zeigt die erwarteten Bremsspuren. Im Zeitraum April/Mai legte die Warenausfuhr im Vorjahresvergleich nur noch um weniger als zwei Prozent zu. Dabei glich der Zuwachs im Handel mit den Ländern außerhalb Europas die Einbußen aus, die mit den Partnern aus der Eurozone entstanden.

Arbeitsmarkt verliert an Schwung

Der Anstieg der Verbraucherpreise verharrte anderthalb Jahre über der Zwei-Prozent-Marke. Im Juni notierte die Teuerungsrate nun bei +1,7 Prozent. Allmählich schlägt die Entspannung bei den Importpreisen für Rohstoffe und Mineralölprodukte auf die Endverbraucherebene durch.

Die Beschäftigung nimmt in Deutschland weiter zu. Die Auftriebskräfte am Arbeitsmarkt verlieren jedoch an Schwung. Insgesamt verzeichnete die Bundesagentur für Arbeit (BA) im vergangenen Mai 41,6 Millionen Erwerbstätige, das sind 561.000 mehr als vor zwölf Monaten. Gleichzeitig hat der Zustrom gemeldeter Stellen im Frühling nachgelassen. Auch das ifo-Beschäftigungsbarometer zeigt abnehmende Tendenz wenngleich weiter auf hohem Level. we/los