Shop­floor-Management Den Spagat zwischen Büro und Baustelle meistern

Der Stuttgarter Handwerksbetrieb "handwerk mit stil" testet seit Anfang des Jahres eine neue Arbeitsmethode. Die soll Kommunikation und Information stärken. Wurde das Ziel erreicht?

Julia Häcker

In einem Projektteam erarbeiteten Thomas Rodens und seine Kollegen gemeinsam, wie die Arbeitsmethode des Shopfloor-Managements in den betrieblichen Alltag integriert werden kann. - © HWK

Der Stuttgarter Handwerksbetrieb erprobte die Methode Shop­floor-Management, welche Besprechungen effizient organisieren und damit die Zusammenarbeit zwischen Mitarbeitern und Führungskräften hierarchieübergreifend verbessern soll. Gemeinsam mit Kammer-Personalberaterin Nicola Pauls und Prof. Dr. Maximilian Wolf, einem Experten für Shopfloor-Management im Handwerk, hat Geschäftsführer sowie Maler- und Lackierermeister Thomas Rodens die neue Arbeitsweise im Unternehmen etabliert, um die Kommunikations- und Informationskanäle unter den Mitarbeitern zu stärken.

“Die Mitarbeiter müssen im Boot sein“

“Wichtig war mir vor allem, dass mein Team von Anfang an am Entwickeln der neuen Arbeitsmethode mitwirkt“, berichtet Thomas Rodens über die Anfangszeiten des Projekts. Der Handwerker stellte deshalb ein Projektteam, bestehend aus sieben der rund 20 Mitarbeiter des Unternehmens, zusammen. Bei gemeinsamen Treffen des Projektteams, der Personalberaterin sowie dem Wissenschaftler und Unternehmensberater Professor Wolf wurde dann zunächst besprochen, wozu das Shopfloor-Management dient und wie die Arbeitsmethode in anderen Unternehmen umgesetzt wird. “Mit diesem Wissen haben wir dann einen Blick auf den eigenen Betrieb geworfen und geschaut, an welchen Stellen wir die neue Arbeitsweise anwenden können“, erklärt Rodens.

Schnell wurde klar, dass vor allem auf den Baustellen der Informations- und Kommunikationsprozess optimiert werden kann. “Damit das Büro weiß, welche Materialien nachbestellt werden müssen und die Kollegen im Vertretungsfall schnell sehen, woran an der Baustelle zuletzt gearbeitet wurde, bietet sich ein Shopfloorboard als Besprechungstafel an“, erklärt Mitarbeiterin Gerlienor Getes. In einer zweiwöchigen Probephase hatten die Mitglieder des Projektteams dann die Möglichkeit, das erstellte Shopfloorboard im Betriebsalltag zu testen, um mögliche Verbesserungspotenziale aufzudecken.

Erfolgreich in die Praxis integriert

Nach dieser Testphase wurde die neue Methode im Gesamtteam vorgestellt, damit alle Mitarbeiter die Arbeitsweise in den Betriebsalltag integrieren können. “Das Shopfloor-Management wird von meinen Mitarbeitern gewissenhaft umgesetzt. Anfangs musste zwar noch an die Dokumentation des Shopfloorboards mit Fotos erinnert werden, doch das funktioniert mittlerweile immer besser“, erzählt Rodens.

Auch dem Kommunikationsfluss zwischen den Mitarbeitern im Büro und auf der Baustelle diene das Shopfloor-Management. “Der Betriebsalltag funktioniert dank unseres regelmäßigen Austauschs strukturierter und effizienter. Ich kann andere Firmen nur motivieren, diese Arbeitsmethode auszuprobieren“, rät Rodens.

Drei Fragen an Prof. Dr. Maximilian Wolf

DHZ: Was genau verbirgt sich hinter dem Begriff Shopfloor-Management?
Maximilian Wolf: Der Begriff Shopfloor stammt aus dem Englischen und bezeichnet den Ort der Wertschöpfung in einem Betrieb. In Handwerksunternehmen ist dieser z.B. die Werkstatt, die Baustelle oder der Friseur­salon.

DHZ: Wie funktioniert Shopfloor-Management?
Wolf: Shopfloor Management umfasst bestimmte Methoden und Regeln, um auftretende Probleme direkt am Ort der Wertschöpfung mit den Beteiligten zu lösen. Eine wichtige Methode ist z.B. das Shopfloorboard (Besprechungstafel), das zur Strukturierung und Visualisierung der regelmäßig stattfinden Besprechungen genutzt wird. Zentrale Bestandteile des Shopfloorboards sind beispielsweise die Arbeits- und Materialeinplanung, die für alle klar und strukturiert dargestellt werden. Die Kommunikationswege sind damit klarer definiert und wichtige Entscheidungen werden direkt bei den Besprechungen vor Ort getroffen.

DHZ: Bietet sich die Arbeitsmethode für alle Betriebe bzw. Gewerke an?
Wolf: Shopfloor-Management bietet sich definitiv für alle Betriebe und Gewerke an. Nötig wird diese Methode jedoch ab einer gewissen Betriebsgröße, da erst dann effiziente Besprechungen erforderlich sind. Momentan wird die Methode unter anderem im Maler- und Lackiererhandwerk, bei Friseuren sowie in Zimmereibetrieben erprobt.