Rund 200 Atomkraftgegner haben anlässlich der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE vor der Grugahalle in Essen demonstriert. Lautstark forderten sie am Mittwoch den sofortigen Atomausstieg. Zudem verlangten sie von den Aktionären, RWE-Chef Jürgen Großmann zum Rücktritt zu bewegen oder aber ihn abzuwählen.
Demonstranten bewerfen RWE-Aktionäre mit Wollknäueln
Essen (dapd). Rund 200 Atomkraftgegner haben anlässlich der Hauptversammlung des Energiekonzerns RWE vor der Grugahalle in Essen demonstriert. Lautstark forderten sie am Mittwoch den sofortigen Atomausstieg. Zudem verlangten sie von den Aktionären, RWE-Chef Jürgen Großmann zum Rücktritt zu bewegen oder aber ihn abzuwählen.
Mehrere Organisationen und Parteien, darunter die Grünen, die Linke und Greenpeace, hatten gemeinsam zu der Kundgebung aufgerufen. Mit Transparenten, Flaggen und einem Trillerpfeifenkonzert verliehen die Demonstranten ihren Forderungen Nachdruck. Immer wieder skandierten sie das für sie entscheidende Wort: "Abschalten."
RWE steht im Mittelpunkt der Kritik der Atomgegner, weil der Konzern als einziger der vier großen Energieversorger in Deutschland gegen das Atommoratorium der Bundesregierung klagt. RWE will damit gegen die vorläufige Abschaltung des Reaktors Biblis A vorgehen.
Die Essener Polizei sprach von einer friedlichen Kundgebung. Zu Handgreiflichkeiten kam es zunächst nicht. Allerdings schafften es rund 40 Demonstranten, einige Meter vor dem Eingang zur Grugahalle eine dauerhafte Sitzblockade zu errichten. Damit wollten sie den Aktionären den Zugang zur Versammlung versperren, was zeitweise auch gelang. Die Polizei sorgte jedoch für einen schmalen Korridor, durch den die Aktionäre schließlich in die Halle gelangten.
Einige Atomkraftgegner warfen derweil Wollknäuel auf die wartenden RWE-Anleger. Sie sollten das Geflecht der RWE-Geschäftsbeziehungen symbolisieren. Auch griffen die Atomkraftgegner die Versammlungsteilnehmer verbal an. Es kam zu Pöbeleien und vereinzelt zu Beleidigungen. "Schämt euch", erzürnte sich eine Demonstrantin. Für ihr "verstrahltes Geld" gingen die Aktionäre über Leichen, schimpfte sie: "Ihr habt doch keine Würde!"
Die meisten der Aktionäre quittierten die Rufe mit einem Lächeln, andere wiederum zeigten sich erbost. Zumal ein Demonstrant einige Anleger auf dem Weg zur Halle mit Wasser beschüttet hatte.
Die meisten Demonstranten drückten ihren Protest jedoch friedlich aus. So sprach eine 54-jährige Essenerin die Aktionäre direkt, aber höflich an: "Senken Sie bitte Ihr und unser Restrisiko, strahlen lieber Sie, lassen Sie nicht die Meiler strahlen", gab sie den Anlegern mit auf den Weg.
Zwei 17-jährige Schüler aus Essen sagten, sie seien seit dem Erdbeben in Japan und dem atomaren Unfall in Fukushima noch mehr als zuvor sensibilisiert. Sie fordern deshalb den Atomausstieg, zeigten sich aber eher skeptisch, dass die Forderung der Demonstranten tatsächlich bei den Aktionären ankomme. Die seien in Anbetracht der Kundgebung wohl eher negativ gestimmt, sagten die beiden und rechneten eher mit einer Trotzreaktion der Anleger.
Dennoch wollten die Atomkraftgegner ein Zeichen setzen, Aufmerksamkeit erlangen, um die Energiekonzerne unter Druck zu setzen. "Wir wollen den Atomausstieg, RWE bremst die Energiewende", sagte der Essener Grünen-Geschäftsführer Joachim Drell.
dapd
