Die neu entfachte Diskussion über Kanzlerkandidaten kommt den Spitzen von SPD und Grünen ungelegen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach am Montag in Berlin von einer "Debatte zur Unzeit, die wir weder befürworten noch betreiben". Grünen-Chefin Claudia Roth betonte, ihre Partei beschäftigte sich mit relevanten inhaltlichen Themen und nicht mit "virtuellen Personalfragen".
"Debatte zur Unzeit"
Berlin (dapd). Die neu entfachte Diskussion über Kanzlerkandidaten kommt den Spitzen von SPD und Grünen ungelegen. SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sprach am Montag in Berlin von einer "Debatte zur Unzeit, die wir weder befürworten noch betreiben". Grünen-Chefin Claudia Roth betonte, ihre Partei beschäftigte sich mit relevanten inhaltlichen Themen und nicht mit "virtuellen Personalfragen".
Die Grünen hatten bei den jüngsten Landtagswahlen deutlich dazugewonnen und führen in Baden-Württemberg die künftige Landesregierung an. Auch in Umfragen im Bund werden sie hoch gehandelt. Demoskopen hatten ihnen zuletzt sogar eine Mehrheit für einen grünen Bundeskanzler bescheinigt. Das hatte die Debatte über einen möglichen Kandidaten der Partei angeheizt.
Die Umfragewerte seien zwar eine Anerkennung für die Arbeit ihrer Partei. Es seien aber "bisweilen schwankende Momentaufnahmen, von denen wir uns nicht den Kopf verdrehen lassen", sagte Roth.
Auch in der SPD hatte die Debatte über einen Herausforderer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an Schwung gewonnen. Neben Parteichef Sigmar Gabriel wurden auch Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz, die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Ex-Finanzminister Peer Steinbrück ins Gespräch gebracht.
Nahles sagte am Montag nach einer Telefonkonferenz des SPD-Präsidiums, ihre Partei habe viele geeignete Personen. Die Frage der Kanzlerkandidatur werde aber erst Ende kommenden Jahres oder Anfang 2013 entschieden.
Zum Höhenflug der Grünen in den Meinungsumfragen sagte Nahles: "Das sehen wir mit Gelassenheit". Die SPD werde sich mit ihren Kernthemen wie Arbeit und soziale Gerechtigkeit "nach vorne bringen".
Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig nannte die Diskussionen über einen Kanzlerkandidaten "völlig abwegig". "Ich habe wirklich andere Sorgen. Wir sollten uns statt um Personaldebatten um Inhalte kümmern", sagte sie MDR INFO und nannte als Beispiel das Bildungspaket zur Bekämpfung von Kinderarmut.
Für Verärgerung sorgte bei den Grünen unterdessen jüngste Vorwürfe von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Der Spaß höre langsam auf, wenn dieser ihre Partei als reaktionär bezeichne, sagte Grünen-Chefin Roth. "Das ist wirklich uralte Denke."
Roth empfahl Wowereit, sich bei NRW-Ministerpräsidentin Kraft zu erkundigen, wie gute Zusammenarbeit, Respekt und Kooperation auf Augenhöhe funktionierten. "Da kann man Umgangsformen lernen", sagte Roth. Und an diesem Punkt habe manch einer Nachholbedarf. Kraft regiert in NRW gemeinsam mit den Grünen, Wowereit in Berlin mit der Linkspartei.
Wowereit hatte den Grünen vorgeworfen, sie agierten bei bestimmten Themen "konservativ bis teilweise reaktionär". Der SPD-Politiker stellt sich am 18. September zur Wiederwahl. Seine Herausforderin im Rennen um das Rote Rathaus ist die Bundestagsfraktionschefin der Grünen, Renate Künast.
SPD-Generalsekretärin Nahles suchte die Wogen zu glätten. Wowereits Äußerungen müssten im Zusammenhang des "Vorwahlkampfs" gesehen werden. Da dürfe man nicht nur auf Berlins Regierenden Bürgermeister schauen. Auch Künast habe schon ausgeteilt.
dapd
