Jeder kennt sie, fast jeder hatte sie schon zwischen den Fingern, und so mancher schwört auf sie: Stifte von Faber-Castell - zum Zeichnen, Malen oder Schminken. 250 Jahre ist es her, dass sich der Schreiner Kaspar Faber 1761 in Stein bei Fürth als Bleistiftmacher selbstständig machte und damit den Grundstein für das heute in achter Generation geleitete Unternehmen legte.
Dauerausstellung zu 250 Jahren Faber-Castell
Stein (dapd-bay). Jeder kennt sie, fast jeder hatte sie schon zwischen den Fingern, und so mancher schwört auf sie: Stifte von Faber-Castell - zum Zeichnen, Malen oder Schminken. 250 Jahre ist es her, dass sich der Schreiner Kaspar Faber 1761 in Stein bei Fürth als Bleistiftmacher selbstständig machte und damit den Grundstein für das heute in achter Generation geleitete Unternehmen legte.
Zu diesem Jubiläum hat Firmenchef Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell am Freitag eine Dauerausstellung mit bisher nie gezeigten Einblicken in die Familien- und Firmengeschichte eröffnet und in das frisch restaurierte ehemalige Wohnschloss nach Stein eingeladen. "Für mich ist das Schloss so eine Art Teil der Marke geworden", sagt Faber-Castell. Deshalb sei es sein persönliches Erfolgserlebnis, das Gebäude nach mehr als zehnjähriger und rund vier Millionen Euro teurer Restauration in neuem, altem Glanz präsentieren zu können.
Seine Mutter habe das 1903 bis 1906 von seinen Großeltern, Gräfin Ottilie und Graf Alexander von Faber-Castell, erbaute Schloss stets als zu düster und altmodisch empfunden und hätte es am liebsten zerstört, sagt Faber-Castell. Und so kam es, dass das rund 3.500 Quadratmeter Wohnfläche umfassende Gebäude mit seinen unzähligen Hallen und Räumen seit 1939 weitgehend leer stand - unterbrochen von einer kurzen Nutzung als Mediencamp während der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse 1945/1946 sowie für die Hochzeit des heutigen Grafen.
Anfang der 80er Jahre habe das Landratsamt Fürth das Schloss inventarisiert und wiederentdeckt - und damit auch sein Interesse geweckt, dieses Symbol für die lange Familiengeschichte wieder herrichten zu lassen, berichtet Faber-Castell. Er habe die Heizung reparieren lassen und im Jahr 2000 mithilfe von Historikern mit den nun weitgehend abgeschlossenen Restaurierungsarbeiten begonnen. "Ich freue mich, den langen Dornröschenschlaf des Schlosses beendet zu haben", fügt er hinzu.
Zu den Schmuckstücken gehört sicher das "Javanische Zimmer", ausgestattet mit Mobiliar, das Gräfin Ottilie und ihr Ehemann 1900 auf der Weltausstellung in Paris gekauft hatten, und das jahrelang in den gräflichen Möbeldepots vor sich hin schlummerte.
Die persönlichen Highlights von Restaurator Andreas de Bortoli sind aber das in hellem Carrara-Marmor gehaltene, mit Mosaiken verzierte Treppenhaus, für dessen Wiederherstellung allein zwei Jahre Arbeit anfielen, und die Jugendstil-Badezimmer der Gräfin Ottilie und des Grafen Alexander im ersten Stock. Während das Herrenbad von grau-grünem Marmor aus Verona dominiert wird und mit seiner Röhren-Dusche eher kalt wirkt, ist das Damenbad in gelbem Marmor gehalten. Beide Bäder wieder im Glanz von 1906 erstrahlen zu lassen, sei viel Arbeit gewesen, sagt de Bortoli. "Die waren schon ziemlich heruntergekommen".
Besonderes Augenmerk sollten Besucher auch der Decke des 150 Quadratmeter großen Ballsaals im zweiten Stock widmen: Die bis zu 40 Zentimeter dicke Stukkdecke ist mit Blattsilber und Blattplatin verziert und von gleichmäßigen, weit geschwungenen Bögen durchzogen. "Hier lebt die Decke den Tanz, der hier stattfindet", beschreibt de Bortoli. "Das war eine absolute Meisterleistung der damaligen Stukkateure".
Wer sich mehr für das Innenleben der Firma interessiert, der ist in der Dauerausstellung gut aufgehoben: Während die Vorhalle im Erdgeschoss anhand von Fotos, Wandtafeln und Schaukästen einen Bogen von den Anfängen der Familie bis zur Neuzeit spannt und auch einen Blick auf den ältesten bekannten Bleistift gewährt, ein grobes Stück Lindenholz mit Graphiteinlage aus dem 17. Jahrhundert, widmet sich die Schau im ersten Stock ausschließlich der Produkt- und Firmengeschichte. Eine Vorhalle im zweiten Stock soll darüber hinaus regelmäßig für Ausstellungen zeitgenössischer Kunst genutzt werden.
Das "Neue Schloss" ist vom 29. Mai bis 31. Juli sonntags für Besucher geöffnet.
dapd