Mittelstand unter Druck Datev warnt vor dramatischer Lage des Mittelstands

Die Lage des Mittelstands bleibt ernst. Nach einer kurzen Stabilisierung im Vormonat sind die Umsätze kleiner und mittlerer Unternehmen deutlich gesunken. Das zeigt der Datev-Mittelstandsindex. Laut Datev halten sich zudem viele Firmen bei der E-Rechnung zurück.

Baustelle in Berlin: Laut Datev ist die Lage am Bau nicht gerade rosig. - © Jarama/stock.adobe.com

Der IT-Dienstleister Datev schlägt Alarm: Die Umsätze im deutschen Mittelstand sind nach kurzer Erholung erneut drastisch eingebrochen, während die Lohnkosten weiter steigen.

Nach kurzer Stabilisierung im Vormonat brachen die Umsätze mittelständischer Unternehmen im Juni um 5,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Das zeigen Daten des Datev-Mittelstandsindex, der auf realen Unternehmensdaten von über einer Million Betrieben basiert. Besonders dramatisch: Das Bauhauptgewerbe verzeichnet einen Umsatzrückgang von 7,0 Prozent, aber auch das Verarbeitende Gewerbe und der Handel büßen jeweils 5,9 Prozent ein.

"Der erneute Umsatzrückgang zeigt deutlich, wie offensichtlich die Dringlichkeit politischen Handelns ist. Ohne gezielte Entlastungen und Anreize ist der Mittelstand, das Fundament unserer Wirtschaft, zunehmend gefährdet", warnte Datev-Chef Robert Mayr auf der Jahrespressekonferenz des Unternehmens in Nürnberg.

Mindestlohn belastet

Während die Umsätze sinken, steigen die Lohnkosten um 5,0 Prozent weiter - eine Entwicklung, die kleinste, kleine und mittlere Unternehmen an die finanzielle Belastungsgrenze führen kann. Besonders brisant: Die für 2027 geplante Mindestlohnerhöhung auf 14,60 Euro wird laut Datev-Daten knapp ein Viertel der Löhne in Kleinstunternehmen betreffen.

"Wir sehen in den Daten, dass eine Mindestlohnerhöhung starke Auswirkungen in strukturschwachen Regionen - vor allem in Ostdeutschland und in ländlichen Kreisen - haben wird. Betroffen werden davon vor allem arbeitsintensive, niedrig entlohnte Branchen, wie das Gastgewerbe oder die Landwirtschaft, und dabei insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen, sein", so Mayr.

99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland gehören zum Mittelstand. Nur etwa 20.000 von gut drei Millionen Unternehmen liegen über der Grenze von 250 Mitarbeitenden - das sind die Großen. "Der Mittelstand ist das Rückgrat unserer Wirtschaft", sagte Mayr. Und um den sorgt sich Datev. "Wenn es dem Handwerk und den kleinen Betrieben schlecht geht, hat Deutschland ein echtes Problem."

E-Rechnung: Verpasste Chancen durch Zögern

Trotz der seit Jahresbeginn geltenden Pflicht zum Empfang von E-Rechnungen zögern viele Unternehmen noch bei der Umsetzung. Dabei verdoppelte sich die Zahl der E-Rechnungen über Datev-Systeme im ersten Halbjahr auf 22,5 Millionen - mehr als im gesamten Vorjahr.

"Ein Drittel der Kanzleien schätzt derzeit, dass die meisten ihrer Mandanten ihre Rechnungen erst kurz vor dem gesetzlichen Stichtag der E-Rechnungspflicht als E-Rechnungen versenden werden. Das ist sehr schade, denn wer wartet, verpasst eine gute Gelegenheit, Prozesse schon frühzeitig effizienter aufzustellen", kritisierte Markus Algner, seit Juli neuer "Chief Markets Officer" bei Datev.

Die E-Rechnung sei "nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch eine große Chance: Denn damit kommt endlich flächendeckend, was wir dringend brauchen: durchgängige digitale Prozesse", betonte Algner.

Datev profitiert von Digitalisierungstrend

Trotz der schwierigen Lage im Mittelstand kann Datev selbst positive Zahlen vorweisen. Der IT-Dienstleister erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 810,2 Millionen Euro und gewann über 100.000 neue Kunden hinzu. Insgesamt betreut das Unternehmen nun über 850.000 Kunden.

Besonders gefragt sind Cloud-Lösungen und KI-Tools: Über 40.000 Nutzer haben sich in der Datev-KI-Werkstatt angemeldet, der Anteil der Steuerberater, die regelmäßig KI nutzen, stieg von neun auf 25 Prozent. str