Zwölf Monate harte politische Arbeit: Der Rückblick auf das Handwerkerjahr 2012 zeigt, was die Betriebe im ablaufenden Jahr erreicht haben und was jetzt zu tun ist.
Burkhard Riering

Man hört nun wenig Klagen. Obwohl das Handwerksjahr 2012 offiziell mit einem kleinen Umsatzminus endet, sehen Betriebsinhaber für sich und ihr Geschäft keine negative Entwicklung. Die Geschäfte laufen gut, die Auftragsbücher sind voll, von Abschwung noch keine Spur.
Auf politischer Ebene hat das Handwerk im ablaufenden Jahr einige Erfolge erreicht, vieles aber ist auch von Brüssel und Berlin auf die lange Bank geschoben worden. Alles überragt gegenwärtig die Staatsschuldenkrise in der EU, bei der die Politik auf Zeit spielt.
Die rein deutschen Schwerpunktthemen des Handwerks schleppen sich ebenfalls dahin, etwa die Energiewende. Und unter dem Fachkräftemangel sowie nicht besetzten Lehrstellen leiden Handwerksunternehmer mehr denn je.
Konjunktur
Die Konjunktur im Handwerk strotzt weiterhin vor Kraft. Auch nach dem
Rekordjahr 2011 haben die rund eine Million Betriebe in Deutschland keinen großen Einbruch erlebt. Das zeigt der Konjunkturrückblick der Deutschen Handwerks Zeitung. "Das Handwerk steht gut da, trotz leichter Umsatzrückgänge gegenüber dem Rekordjahr 2011. Das erreichte Niveau kann sich sehen lassen", sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler der DHZ. Dank des weitgehend stabilen Binnenmarkts sei man auch für 2013 zuversichtlich. Kentzler: "Unsere Betriebe sind eindeutig auf Zukunftskurs."
Berufliche Bildung
Einen Erfolg hat das Handwerk 2012 beim Deutschen Qualifikationsrahmen erreicht. Hier wurde klargestellt: Der Meisterbrief ist künftig dem Bachelor gleichwertig. Die beiden Ausbildungen stehen nun auf dem gleichen Niveau (sechs) in der achtstufigen Qualifikationsskala. "Das ist der Ritterschlag für unsere Kultur der Ausbildung und Qualifizierung im Handwerk", so Kentzler.
Duale Ausbildung
Das System der dualen Ausbildung wird vom Ausland schon lange bewundert. Und das System wird immer populärer: "Angesichts der Perspektivlosigkeit ihrer jungen Generation erinnern sich jetzt viele EU-Staaten daran. Unsere Ausbildung ist Sehnsuchtsziel geworden", sagt Kentzler. Sowohl Spanien als auch Italien haben schon Absichtserklärungen unterzeichnet, dem deutschen dualen System folgen zu wollen. Auf der anderen Seite ist Deutschland offen für Nachwuchskräfte aus den Ländern.
Das neue Lehrjahr
Die Suche nach passenden Lehrlingen gestaltet sich immer schwieriger. Denn die Schülerzahlen nehmen dramatisch ab. Für das Handwerk hieß das 2012: Bis Ende September war die Zahl neu abgeschlossener Ausbildungsverträge um 2,9 Prozent auf 137.646 geschrumpft ein historisch niedriges Ergebnis.
Finanzierung
Das politische Tauziehen um "Basel III" geht weiter. Eigentlich sollten die strengeren Kapitalvorschriften für Banken zum Januar 2013 in Kraft treten. Doch die Einführung verschiebt sich um ein Jahr. Auch das Handwerk redet hier ein Wörtchen mit: "Basel III darf nicht zu einer Verschlechterung der Rahmenbedingungen für die Finanzierung unserer Betriebe führen. Der geforderten erhöhten Eigenkapitalunterlegungspflicht für die Banken wollen wir mit einem Skalierungsfaktor begegnen, der die Wirkung neutralisiert", erklärt Kentzler. "Und die geplante Liquiditätskennziffer darf nur zur besseren Transparenz genutzt werden, nicht aber als Grenzwert für die Geschäftstätigkeit der Banken. Ansonsten wäre die bewährte mittel- und langfristig orientierte Finanzierung des Mittelstandes in Deutschland bedroht."
Kultur in der Politik
2012 war auch das Jahr langer Debatten, viel Überzeugungsarbeit wurde geleistet. "Die mittelständische Wirtschafts- und Gesellschaftskultur in Deutschland beweist sich gerade in Krisenzeiten als erfolgreicher Standort- und Wachstumsfaktor. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks informiert die meist ahnungslosen Entscheider in Brüssel über diese Kultur – und erntet oft genug Staunen", sagt dazu der ZDH-Präsident. Kentzler: "Die Bundesregierung muss weiterhin Forderungen aus Brüssel die Stirn bieten und unsere erfolgreiche Kultur der Personenunternehmen, der Ausbildung und Qualifizierung, der Finanzierung und des sozialen Ausgleichs verteidigen."
Euro-Staatsschuldenkrise
Die so genannte "Euro-Krise" ist auch nach drei Jahren keineswegs passé. Der ZDH hat sich 2012 pro Europa ausgesprochen. Kentzler: "Der Euro ist eine wichtige Klammer für den gemeinsamen Binnenmarkt in Europa. Der ZDH appellierte – bisher erfolgreich – an die Politik, die Währungsunion als Stabilitätsunion zu verteidigen. Ansonsten müssen wir um den in Jahrzehnten erarbeiteten gesamteuropäischen gesellschaftlichen, politischen und auch mentalen Zusammenhalt fürchten!"
Energiepolitik
Es war das Jahr eins nach Fukushima und dem Neustart der Energiewende. Doch die "Wende" ließ auf sich warten. Branchen wie etwa das SHK beklagten den Investitionsstau. Der Streit um die steuerliche Absetzbarkeit ökologischer Sanierungen konnte ebenfalls nicht beigelegt werden. Die Solarbranche kämpfte 2012 gegen den Wirrwarr in der Politik. "Es macht uns betroffen, wie Perspektiven für eine nachhaltige Energiewende von Politikern mit kurzsichtiger Buchhaltermentalität blockiert werden. Wer will da zukünftig noch freiwilliges Engagement der Bürger erwarten?", fragt Kentzler.
Imagewerbung
Das neue Motto der Betriebe seit Jahresanfang lautet: "Wir sind Handwerker. Wir können das." Die Imagekampagne hat 2012 Jugendliche und beruflichen Nachwuchs in den Mitteklpunkt gestellt. Laut Studien hat das Handwerk durch seine Imagekampagne zwar mehr Sichtbarkeit und positive Schlagzeilen bekommen. Bei den Jugendlichen indes müsse noch mehr getan werden.