Mittelfranken -

Das verkannte Kleinod: St. Rochusfriedhof in Nürnberg

Von Handwerkern und Kleinbürgern - Pestheiliger gab ihm seinen Namen

Pünktlich zu Pfingsten wollen wir Sie auf einen Spaziergang mitnehmen, auf dem Sie den zweiten berühmten Nürnberger Friedhof kennenlernen.

In der „zeyt der sterbenden läufft“, also in den Jahrzehnten, da die Pest immer wiederkehrte und ganze Landstriche und Städte entvölkerte, verfügte Kaiser Maximilian am 31. Oktober 1518, dass von nun an die Toten der freien Reichsstadt nur mehr auf den Friedhöfen vor den Toren Nürnbergs begraben werden durften, um weitere Gefahren für die Stadtbewohner abzuwenden. Und so wurde - neben dem bereits bestehenden Gottesacker im Westen der Stadt, dem St. Johannisfriedhof - ein weiterer vor dem Spittlertor angelegt.

In seinem Zentrum stand eine Kapelle, „50 Schuch langh, 25 weyt und alles gewölbt“, wie es in den Annalen heißt - ein Meisterwerk des Nürnberger Baumeisters Paulus Behaim, geweiht dem Pestheiligen Rochus von Montpellier. Der Legende nach war dieser ein Sohn reicher Eltern, der Mönch wurde. Als Pilger nach Rom 1317 pflegte er viele Pestkranke und heilte sie auf wundersame Weise. Ihn selbst sollen sogar Engel gesund gepflegt haben, als er erkrankte. Seine Gebeine wurden bald nach seinem Tod zu Ehren der Altäre erhoben, obwohl er von der katholischen Kirche nie heiliggesprochen wurde.

Sein Friedhof in der Rothenburger Straße, unweit des verkehrsumtosten Plärrers, ist seinem großen Bruder St. Johannis im Westen der Stadt kulturgeschichtlich eigentlich gleichrangig und steht dennoch in dessen Schatten. So ist alleine die Kapelle eine wahre Schatzkammer sakraler Kunst und der Bau selbst das letzte gotische kirchliche Bauwerk, das in Nürnberg vor Einführung der Reformation errichtet wurde. Im Gegensatz zum Johannisfriedhof, in dem sehr viele prominente und weltbekannte Nürnberger ihre letzte Ruhestätte fanden, gilt der Rochusfriedhof vorwiegend als Begräbnisstätte der Handwerker und Kleinbürger. Bei einem Spaziergang zwischen den Grabsteinen verwischt aber auch dieser Eindruck sehr schnell, findet man doch auch hier auf viele Jahrhunderte alten Epitaphien die Namen zahlreicher bekannter Nürnberger wie etwas des Baumeisters der Kirche, Beham, des einheimischen Barockmusikers Johann Pachelbel oder des Schöpfers des Sebaldusschreins, des Bildhauers und Erzgießers Peter Vischer.

Gusseiserne Bildnisse und Inschriften erzählen von Handwerkern, Kaufleuten, Patriziern und Predigern, aber auch von Familientragödien, die sich im Schatten der Lorenzkirche abspielten, wie etwa der hohen Kindersterblichkeit oder dem Tod junger Frauen im Kindsbett. Lassen wir einige als beispielhaftfür schier unzählige andere sprechen. Als Quelle diente die Broschüre „St. Rochusfriedhof zu Nürnberg. Epitaphien“, herausgegeben vom Bürgerverein St. Johannis-Schniegling-Wetzendorf, 1989.

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