In der Ausbildung sollen Auszubildende lernen, Verantwortung zu verstehen und zu übernehmen – sei es im sicheren Umgang mit Werkzeug oder im Eingestehen eigener Fehler. Wie Ausbilder sie dabei unterstützen können, erklärt Ausbildungsberater Peter Braune in seiner Serie.

Könnte es nicht sein, dass junge Menschen etwas davon haben, wenn sie Verantwortung übernehmen? Für die Auszubildenden würde dies bedeuten, sich der Folgen ihres Handelns bewusst zu werden und im Rahmen des zulässigen, Verantwortung zu übernehmen. Dazu würden alle Aufgaben gehören, die dem Ausbildungszweck dienen und ihre körperlichen Kräfte nicht übersteigen. Sie dürfen jedoch nicht als Ersatz für andere Arbeitnehmer eingesetzt werden.
Sie könnten die Folgen ihrer Entscheidungen abschätzen und sich ein eigenes Urteil bilden. Bei ihren Tätigkeiten würden sie umsichtig und überlegt handeln.
Verantwortungsbewusstsein ist eine Haltung, die in allen Lebensbereichen und somit auch während der Ausbildung eine wichtige Rolle spielt. Es ist die Fähigkeit, die Eignung und die möglichen Folgen von Tätigkeiten abzuschätzen, um dann so zu handeln, dass die erwarteten Ziele mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit erreicht werden.
Lehrlinge auch für sich selbst verantwortlich
Lehrlinge können für etwas oder für eine Person verantwortlich sein. Die Folgen müssen vor dem Meister oder auch vor sich selbst verantwortet werden.
Viel Verantwortungsbewusstsein wird von den Lehrlingen erwartet, wenn es darum geht Werkzeug, Maschinen und sonstige Einrichtungen pfleglich zu behandeln und sie nur für die übertragenen Tätigkeiten zu verwenden.
Gegebenenfalls übernimmt ein Auszubildender aus dem dritten Lehrjahr die Patenschaft für einen Berufsanfänger. Das heißt, er verpflichtet sich, im Rahmen seiner Möglichkeiten dafür zu sorgen, dass der Neuling gut in den Betriebsablauf hineinwächst, indem er das jeweils Richtige und Notwendige tut, damit kein Schaden entsteht.
Verantwortung übergeben: So geht's
Verantwortung bedeutet auch, für das einzustehen, was man getan hat. Das bedeutet, dass bei allem, was man tut oder unterlässt, die Konsequenzen bedacht werden müssen. Das betrifft zum Beispiel das Einhalten von Regeln und Vorschriften, die im Ausbildungsbetrieb gelten.
Bei Gruppenarbeiten achten die Ausbildungsverantwortlichen darauf, dass die Teilnehmer die Verantwortung für ihren Anteil übernehmen und Fehlverhalten nicht vertuschen.
Bei der Zusammenarbeit im Betrieb haben die Lehrlinge eine organisatorische, zweckmäßige und persönliche Verantwortung:
- Bei der organisatorischen Verantwortung geht es um die reibungslose Eingliederung in die Betriebsorganisation.
- Bei der zweckmäßigen Verantwortung geht es um den Erwerb der Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten, die erforderlich sind, um das Ausbildungsziel zu erreichen.
- Bei der persönlichen Verantwortung geht es darum, die im Rahmen der Berufsausbildung übertragenen Tätigkeiten und Aufgaben sorgfältig auszuführen.
Um das Verantwortungsbewusstsein zu fördern, können Meister ihre Lehrlinge:
- eigene Entscheidungen treffen lassen
- besser in die Betriebsabläufe aufnehmen
- ermutigen, ihre Aufgaben ernst zu nehmen
- offen auf Fehler ansprechen
- die Möglichkeit zur Rückmeldung bieten
Meister können auch ein Gefühl der Wertschätzung vermitteln, Herausforderungen und Verantwortung übertragen oder Erwartungen anpassen.
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.