Das Unfallrisiko am Arbeitsplatz ist 2011 weiter gesunken. Aber besser fühlen sich die Deutschen im Job deswegen nicht: Die Zahl der psychischen Erkrankungen steigt weiter. Beim Arbeitsschutz spielen psychischen Belastungen bisher aber kaum eine Rolle.

Die Zahl der gemeldeten Unfälle am Arbeitsplatz ist nach Angaben der Deutsche Gesetzlichen Unfallversicherung im letzten Jahr wieder auf dem Niveau von 2009 gesunken. Mit Abstand die meisten meldepflichtigen Arbeitsunfälle gibt es in der Bauwirtschaft. Mehr als 63 meldepflichtige Arbeitsunfälle pro 1.000 Arbeitskräfte gibt es hier. Auch gefährlich ist es im Transport und der Verkehrswirtschaft, sowie im Sektor Holz und Metall mit rund 43 Unfällen bei 1.000 Beschäftigten.
"Nicht nur die Wirtschaft hat eine gute Konjunktur, sondern auch der Arbeitsschutz", sagte Joachim Breuer. Der DGUV-Hauptgeschäftsführer meint, die Investitionen der Unternehmen in die Prävention lohnten sich: "Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Unternehmen direkt von Investitionen in den Arbeitsschutz profitieren – zum Beispiel durch geringere Ausfallzeiten oder weniger unfallbedingte Betriebsstörungen." Die Unfallversicherung ist die einzige Sozialversicherung, die alleine von Arbeitgebern finanziert wird. Im letzten Jahr zahlte die gewerbliche Wirtschaft insgesamt 10,3 Milliarden Euro.
Wie gut ist ihr Arbeitsschutz?
Wer wissen will, wie sein Unternehmen im Vergleich beim Arbeitsschutz aussieht, kann sich hier selbst testen: Die Europäische Union stellt auf ihrem Portal für gesunde Arbeitsplätze Checklisten für die Selbstbeurteilung bereit. Daneben gibt es auch einige Tipps für die Einschätzung des psychischen Drucks am Arbeitsplatz.
Denn dieser wird in der Unfallstatistik nicht erhoben, steigt aber deutlich: In den vergangenen fünf Jahren sind die Krankheitstage wegen seelischer Störungen um 80 Prozent gestiegen. Depressionen und Angststörungen sind mittlerweile der Hauptgrund warum Menschen vorzeitig den Beruf verlassen. Aber nur bei jeder 90. Kontrolle durch die Gewerbeaufsicht der Länder wird auch auf psychische Belastungen am Arbeitsplatz geschaut. Dies geht aus einer Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor, wie die "Süddeutsche Zeitung" heute meldete.
Das Bundesarbeitsministerium rechtfertigt sich, die psychisch belastenden Faktoren seien sehr aufwendig zu kontrollieren. Die Reutlinger Bundestagsabgeordnete Beate Müller-Gemmeke (Grüne) forderte daraufhin eine Anti-Stress-Verordnung. Bis es soweit kommt, sind die Betriebe selbst beim Arbeitsschutz gefragt. dhz