Das Nord-Süd-Gefälle kann durchbrochen werden

Bayern und Baden-Württemberg bleiben die wirtschaftlich stärksten Bundesländer. Aber Krisen treffen sie härter als andere.

Die größte Flughafenbaustelle Europas sorgt in Berlin für wirtschaftlichen Aufschwung. Zwischen 2007 und 2010 stieg hier die Zahl der Erwerbstätigen so stark wie nirgendwo sonst in der Bundesrepublik. Foto: Günter Wicker/Berliner Flughäfen

Das Nord-Süd-Gefälle kann durchbrochen werden

Bayern und Baden-Württemberg bleiben die wirtschaftlich stärksten deutschen Bundesländer. Allerdings waren sie ganz unterschiedlich stark von der weltweiten Finanzkrise betroffen. Wie das aktuelle Bundesländerranking der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) zeigt, hat sich der Freistaat durch seinen Branchenmix krisenresistenter gezeigt als Baden-Württemberg, das wegen seiner Spezialisierung auf Fahrzeug- und Maschinenbau von den Exporteinbrüchen der Jahre 2008 und 2009 besonders hart getroffen wurde.

Betrachtet man ausschließlich die Entwicklung zwischen 2007 und 2010, wie im Dynamikranking der Untersuchung ersichtlich, belegt das Ländle nur den letzten Platz, während Bayern immerhin auf Rang elf kommt. Trotzdem bleibt das Niveau der beiden Südländer am höchsten, wie das Niveauranking deutlich macht.

Rund 100 Indikatoren gehen in den Bundesländerverlgeich ein, darunter das Bruttoinlandsprodukt und die Produktivität, die Arbeitslosenquote und die Jobversorgung, die Zahl der Hochqualifizierten, aber auch Faktoren wie die Kitabetreuungsquote, die bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine wesentliche Rolle spielt.

Niveau-Ranking

INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr bezeichnete den Sieger als „krachledern gesund“. Bayern zeige sich innovativ, punkte bei der Sicherheit mit den wenigsten gemeldeten Straftaten und habe die niedrigste Quote beim Arbeitsosengeld II. „Mit einer Arbeitslosenquote von 4,5 Prozent hat der Süden schon weitgehend das erreicht, was wir für alle wünschen: Vollbeschäftigung“, sagte Pellengahr.

Baden-Württemberg bleibt trotz der krisenbedingten Probleme wirtschaftlich stark. Das zeigt auch der Erfindungsreichtum im Land. Nirgendwo sonst werden in Relation zur Einwohnerzahl so viele Patente angemeldet. "Die Fahrzeugindustrie ist noch stärker als in Bayern Wohlstands- und Beschäftigungsmotor. Wer Baden-Württemberg auf dem Wachstumspfad halten will, muss mehr statt weniger Autos auf die Straße bringen", rät Pellengahr.

An der dritten Stelle des Rankings findet sich mit Hamburg das dynamischste alte Bundesland. Die Hansestadt punktet als Dienstleistungs- und Medienstandort bundesweit. "Hamburg hat den Strukturwandel bewältigt und straft all jene Lügen, die den Erfolg des Südens schicksalsergeben als Nord-Süd-Gefälle darstellen wollen", sagte der stellvertretende Chefredakteur vom Medienpartner Wirtschaftswoche, Henning Krumrey.

Dynamik-Ranking

Bei der Entwicklung in den Jahren 2007 bis 2010 schneiden die ostdeutschen Länder am besten ab. Die Aufwärtsentwicklung habe sich zu einem stabilen Trend entwickelt. Gleichwohl zeige die Betrachtung, dass es bei der Wirtschaftsleistung noch deutliche Rückstände gibt. Hier liegen alle fünf neuen Länder noch hinter den West-Bundesländern, was auch für die verfügbaren Einkommen gelte. Der Osten brauche mehr Gewerbe und Industrie, um die Chance auf gleiche Lebensverhältnisse zu wahren und weitere Verbesserungen am Arbeitsmarkt zu erreichen. Die Zeit dränge, weil die Höchstsätze der EU-Strukturförderungen in vielen Regionen Ostdeutschlands bald auslaufen. "Dann muss der Standort aus sich heraus für neue Investoren attraktiv sein", so Krumrey.

Sieger im Dynamik-Ranking ist die Region Brandenburg-Berlin, die vor allem vom Aufschwung der Bundeshauptstadt mit dem Projekt des Großflughafens profitiert, der seit September 2006 am Standort Schönefeld gebaut wird. Brandenburg punktet vor allem am Arbeitsmarkt. Nirgendwo besserte sich zwischen 2007 und 2010 die Jobversorgung der Bevölkerung so stark wie hier. In Berlin wuchs die Wirtschaftsleistung mit sechs Prozent so stark wie in keinem anderen Bundesland, ebenso die Exportquote oder die Zahl der Erwerbstätigen. "Berlin ist nun auch wirtschaftlich auf dem Weg zu einer Weltstadt", konstatieren die Autoren der Studie.

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