Zusatzleistungen sind beliebt, aber sind sie auch wirksam? Kolumnistin und Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg berichtet aus ihrer Praxis, wann Benefits wirklich etwas bringen und wann sie nur teure Kosmetik sind.

Ehrlich gesagt, ich kann die Frage nach den besten Mitarbeiter-Benefits kaum noch hören. Benefits – das sind jene Zusatzleistungen, die Arbeitgeber zusätzlich zum Gehalt anbieten. Häufig handelt es sich dabei um das Jobrad, eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio oder den viel zitierten Obstkorb. In der Welt der Personaler ist der Obstkorb übrigens oft verpönt. Eine Beobachtung, die ich spannend finde: Ich kenne Handwerker, die seit der Einführung des kostenlosen Obstkorbs tatsächlich häufiger zu Vitaminen greifen.
Die trügerische Lockwirkung von Extras
Benefits klingen oft wie der Allheilschlüssel zur Mitarbeiterbindung und -gewinnung. Natürlich alle, von A bis Z, für Jung und Alt. Immer mehr Unternehmen setzen auf solche Extras, um im Wettbewerb um engagierte Fachkräfte zu punkten. Doch Hand aufs Herz: Sind Benefits wirklich das Zünglein an der Waage oder nur ein Sahnehäubchen, das fehlende Grundlagen kaschieren soll?
Interessanterweise werden Benefits oft dann eingeführt oder aufgestockt, wenn es im Unternehmen knirscht. Die Stimmung in der Belegschaft ist schlecht, die Fluktuation steigt, neue Bewerbungen bleiben aus. Dann wird gerne in die vermeintliche Trickkiste gegriffen, ein steuergünstiger Benefit hervorgezaubert und großspurig kommuniziert.
Das Fundament: Was wirklich zählt
Hier sind drei Wahrheiten, die wir als Handwerksbetriebe im Blick behalten sollten:
1. Gute Führung ist unersetzlich
Keine noch so lange Liste von Zusatzleistungen kann eine motivierende, kompetente Führung ersetzen. Führungskräfte, die ihr Team stärken und mit gutem Beispiel vorangehen, schaffen die Basis für Vertrauen und Engagement. Wo eine solche Führung fehlt, nützen auch die besten Benefits wenig.
2. Faire Bezahlung als Basis
Ein Betrieb, der bei den Gehältern knausert, wird auch durch ein ausgeklügeltes Benefit-System keine Fachkräfte langfristig halten. Ein gutes Gehalt zeigt Wertschätzung und Anerkennung für die geleistete Arbeit – eine Grundlage, auf der alles Weitere aufbauen kann.

3. Eine starke Unternehmenskultur trägt
Ihre Beschäftigten wollen spüren, dass sie Teil von etwas Größerem sind und ihr Beitrag gesehen wird. Ein Betrieb, der seine Unternehmenskultur nicht pflegt und Mitarbeiter als austauschbare Ressourcen betrachtet, wird auch durch Rabatte oder andere Extras keine tiefe Bindung erzeugen. Die Kultur ist das Fundament; Benefits können ein sinnvoller Zusatz sein, der das Gesamtpaket abrundet.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Benefits haben ihren Platz. Sie können die Arbeit aufwerten und das Miteinander positiv beeinflussen. Doch sie dürfen nicht als "Klebemittel" für grundlegende Mängel dienen. Stellen Sie sich vor, Sie gehen täglich zur Arbeit, wo Herausforderungen oft unlösbar scheinen, Wertschätzung fehlt und das Betriebsklima eher erdrückend wirkt. Da helfen auch Tankgutscheine und Fitness-Rabatte wenig.
Maßgeschneidert statt Einheitsbrei
Ich beobachte oft, dass Betriebsinhaber berichten, sie böten gar keine Benefits an. Frage ich genauer nach, stellt sich meist heraus: Es gibt keinen starren Katalog, stattdessen wird individuell geschaut, was zu wem passt.
Das Gespräch mit jedem Teammitglied kann hier viel bewirken. Ist eine Gehaltsanpassung gerade nicht möglich, kann ein Benefit eine Lösung sein. Für den einen ist es der monatliche Tankgutschein, um die Fahrtkosten besser abzudecken, für die andere ein Gesundheitspaket und für den nächsten ein zusätzlicher Urlaubstag am eigenen Geburtstag. Fragen Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ganz individuell und lassen Sie sich Vorschläge machen.
Der ehrliche Blick nach innen
Besonders wichtig dabei ist: Gehen Sie auch mal mit sich selbst ins Gespräch. Fragen Sie sich:
- Welche Werte und welches Miteinander pflegen wir als Betrieb?
- Welches unserer Angebote ist in der Belegschaft beliebt und wie trägt es zur Zufriedenheit im Team bei?
- Welcher Bonus kann wirklich einen Mehrwert stiften?
Wenn die Basis stimmt, dann sind Benefits eine tolle Ergänzung. Andernfalls bleiben sie nur das Sahnehäubchen auf einem Kuchen, der vielleicht gar nicht schmeckt.