Die Autokrise könnte massive Folgen für den Mittelstand haben: Im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung rechnet Automobil-Experte Stefan Bratzel mit Zusammenbrüchen von Konzernen, Arbeitsplatzverlusten und Pleiten von Handwerksbetrieben.
"Das Kfz-Handwerk ist besonders betroffen"
"Zu Zusammenbrüchen könnte es vor allem bei den US-amerikanischen Herstellern General Motors, Ford und Chrysler kommen", sagt Stefan Bratzel, Automobil-Experte und Professor an der Fachhochschule für Wirtschaft in Bergisch Gladbach. Nur der massive Eingriff des Staates könne solche Zusammenbrüche verhindern. Bratzel sieht die Gründe für die Probleme bei Opel & Co nicht nur in der Finanzkrise begründet: "Manche Autohersteller haben über Jahre die falsche Modellpolitik gemacht. Viel zu lange haben sie auf große Spritsäufer gesetzt und zu wenig auf interne Kosten geschaut." Durch die Finanzkrise würden diese Probleme "erheblich verstärkt".
"Zehn Prozent Arbeitsplätze könnten wegfallen"
Für das Jahr 2009 rechnet Bratzel mit dem "schlechtesten Jahr seit der Wiedervereinigung". "Einen Absatz von knapp 60 Millionen Fahrzeugen wie in diesem Jahr werden wir 2009 nicht mehr erreichen. Zudem wird sich auch das Wachstum in den immer wichtiger werdenden Märkten China und Russland verlangsamen." Für den Arbeitsmarkt könnte das massive Folgen haben. Der Automobil-Experte rechnet damit, dass von den momentan 750.000 Arbeitsplätzen "in den nächsten ein zwei Jahren rund fünf bis zehn Prozent wegfallen" könnten.
Besonders betroffen ist das Kfz-Handwerk. Zwischen den Jahren 2000 und 2007 sei die Zahl der Betriebe bereits um 15 Prozent zurückgegangen. "Ich rechne mit weiteren Betriebsaufgaben und Insolvenzen", sagt Bratzel. Neben der geringeren Nachfrage leidet das Handwerk zusätzlich unter der Finanzkrise: "Viele kommen wegen ihrer häufig geringen Eigenkapitaldecke nur noch schwer an Kredite."
pc