Arbeitnehmer in Hamburg verdienen im Schnitt am meisten. Dennoch leisten die Beschäftigten in Thüringen die meisten Arbeitsstunden. Der Vergleich der Bundesländer zeigt, dass nicht derjenige in Deutschland am besten verdient, der die meisten Stunden arbeitet. Im Osten verdient man im Schnitt weniger und muss länger arbeiten.

Die Unterschiede zwischen Ost und West sind noch immer groß – vor allem, was Arbeitszeit und Einkommen betrifft. Eine bedeutende Ursache liegt darin, dass sich die Regelungen der Tarifverträge stark unterscheiden. So zeigt eine Auswertung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung aus dem vergangenen Jahr, dass nur noch acht Prozent der tariflich Beschäftigten im Westen Wochenarbeitszeiten von 40 Stunden hatten, im Osten waren es dagegen 40 Prozent. Grundsätzlich besteht in den neuen Bundesländern eine deutlich schwächere Tarifbindung.
Wie lange die Arbeitszeiten im Schnitt sind und wie hoch entsprechend die Löhne in den neuen und alten Bundesländern ausfallen, hat nun die Linke-Bundestagsfraktion auf Basis von Daten der Statistischen Ämter von Bund und Ländern aktuell ausgewertet. Über die Ergebnisse berichtet faz.net. Einfluss sowohl auf durchschnittliche Arbeitszeit und das Einkommen haben demnach – neben den tariflichen Regelungen – auch die Zahl der Feiertage und der Anteil von Vollzeit, Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung.
Im Osten 67 Arbeitsstunden mehr und fast 5.000 Euro weniger
Im Ergebnis zeigt sich klar, dass Arbeitnehmer im Osten (mit Berlin) länger arbeiten und weniger verdienen. So leisteten sie im vergangenen Jahr im Schnitt 1.346 Arbeitsstunden. Im Westen waren es dagegen nur 1.279 Stunden. Der Vergleich der Jahres-Bruttolöhne je Arbeitnehmer zeigt zudem, dass Arbeitnehmer im Osten mit 30.172 Euro im Schnitt deutlich weniger verdienten wie diejenigen im Westen mit 35.084 Euro.
Auch Zahlen einzelner Länder hat faz.net veröffentlicht und zeigt, dass 2017 durchschnittlich in
- Thüringen mit 1.371 Stunden,
- gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 1.362 Stunden
- und Mecklenburg-Vorpommern mit 1.353 Stunden je Arbeitnehmer am längsten gearbeitet wurde.
Dagegen arbeiten die Beschäftigten in
- in Nordrhein-Westfalen mit 1.261 Arbeitsstunden,
- gefolgt vom Saarland mit 1.259 Stunden
- und Rheinland-Pfalz mit 1.255 Stunden am wenigsten.
Der Bundesländervergleich der Löhne und Gehälter je Arbeitnehmer zeigt, dass
- Arbeitnehmer in Hamburg mit 40.771 Euro brutto am meisten verdienten,
- gefolgt von Hessen mit 37.832 Euro
- und Baden-Württemberg mit 36.786 Euro.
Am wenigsten verdienten Arbeitnehmer im Schnitt
- in Mecklenburg-Vorpommern mit 27.520 Euro,
- gefolgt von Sachsen-Anhalt mit 28.607 Euro
- und Brandenburg mit 28.715 Euro.
Die Zahlen zu Arbeitsstunden und Einkommen der anderen Bundesländer können hier nachgelesen werden . dhz