Das Herz Europas übernehmen

774 Unternehmer aus ganz Europa diskutierten ihre Anliegen

Von Patrick Choinowski

Das Herz Europas übernehmen

Das Handwerk ist in Brüssel schon lange präsent. Die Statuen rund um den Petit Place Sablon symbolisieren Gewerke wie den Fliesenleger oder Dachdecker. Nun sind die Handwerksunternehmer auch im Europäischen Parlament angekommen. Beim ersten „Europäischen Parlament der Unternehmen“ entsandten der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) 96 Delegierte. „Wir wollen deutlich machen, wo die Interessen des Mittelstandes liegen“, erklärten ZDH-Präsident Otto Kentzler und DIHK-Präsident Ludwig-Georg Braun. So trafen sich 774 Unternehmer aus allen EU-Mitgliedstaaten als „Abgeordnete“ im „Herz der europäischen Institutionen“, dem Europäischen Parlament, um über Probleme und Vorschläge der KMU in der Finanzkrise und beim grenzenlosen Handel zu diskutieren. Ebenso standen Beschlüsse zur Energie- und Umweltpolitik sowie zur Schaffung eines „unternehmerischen Europas“ auf der Agenda.

Georg Haber aus Regensburg war als Vertreter der Handwerkskammer Niederbayern · Oberpfalz dabei. Der Handwerker mit seinen 40 Mitarbeitern hat sich auf die Denkmalpflege spezialisiert. In diesem Nischenmarkt sucht sich Haber Aufträge in ganz Europa. „Wir arbeiten in Polen, Italien, Österreich oder auch in den Niederlanden“, erzählt der Unternehmer. Negative Erfahrungen machte Haber mit der großen Bürokratie. „Wir haben Problme mit dem Reverse-Charge-Verfahren (das Abzugsverfahren ist eine Sonderform im Umsatzsteuerrecht, d. Red.)“, sagt Haber. Immer noch muss er sich mit Rechnungen aus dem Jahr 2004 befassen, die er an eine österreichische Behörde gestellt hat. „Ich muss mich mit so etwas Altem herumschlagen, obwohl ich mit meinem Betrieb an die Zukunft denken sollte“, erklärt Haber.

Alle Abgeordneten oder Kommissare wurden nicht müde, zu betonen, wie wichtig es ist, direkt mit den Unternehmern zu diskutieren. Welche Wichtigkeit die Veranstaltung hatte, wurde durch die Anwesenheit von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, Vizepräsident Günter Verheugen oder EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering untermauert. Für Haber stand neben den Beschlüssen des Unternehmerparlaments jedoch ein anderer Aspekt im Mittelpunkt: „Europa ist nicht so weit weg“, hat er festgestellt. Er lernte die Europaabgeordneten Andreas Schwab und Thomas Mann als direkte Ansprechpartner kennen. „Die sind spontan und packen zu. Beim nächsten Problem bekommen sie eine E-Mail von mir.“ Das könnte schon bald sein. Denn beim Rundgang durch Brüssel hat Georg Haber zahlreiche Objekte gefunden, an denen er als Denkmalpfleger tätig werden kann.