Für Handwerker stellt sich die IT-Landschaft immer mehr als eine Mixtur aus stationären und mobilen Anwendungen und Systemen dar. Damit gewinnt eine Managed-Mobility-Strategie an Bedeutung. Erst sie macht es möglich, Effizienzpotentiale auszuschöpfen, etwa durch eine höhere Mitarbeiterproduktivität und besseren Kundenservice.
Lothar Lochmaier
Was sich für gestandene IT-Praktiker wie "Kaffeesatzleserei“" anhören mag, verdeutlicht Handwerksdienstleister Mega eG: Der Systemanbieter für Sanierung, Renovierung und Modernisierung mit über 5.100 Mitgliedern konnte durch mobile Lösungen und eine einheitliche Arbeitsweise im Außendienst die Transparenz und Effizienz im Vertrieb deutlich erhöhen.
Die Folge: Keine Papierberichte mehr, alle Termine sind seit kurzem auch im Outlook-Kalender transparent. Jederzeit könne der Außendienst bei der Malereinkaufsgenossenschaft Mega eG über das mobile Endgerät beispielsweise Änderungen im aktuellen Datenbestand vornehmen, welche das IT-System automatisch synchronisiere, bestätigt denn auch Außendienst-Spezialist Malte Scharenberg.
Apps nicht ausreichend
Der einfache Download einer kleinen App dürfte jedoch gerade bei sensiblen Daten im Unternehmen allein nicht ausreichen, verlässliche Kunden- und Serviceprozesse zu implementieren. Andererseits kann das Unternehmen von dieser Innovationswelle profitieren, sofern es neue Lösungen umsichtig in sein Alltagsgeschäft einbindet.
"Die Welt wird mobil, und wer jetzt nicht auf diesen Zug aufspringt, der bleibt alleine am Bahnsteig zurück", betont Martin Kellermann, Teamleiter Managed Mobility and Platforms bei der Unternehmensberatung Capgemini. Laut den Marktforschern von IDC hat die Euphorie unter dem Stichwort "bring your own device" - ein Synonym für die Nutzung privater Endgeräte für geschäftliche Zwecke -, ihren Höhepunkt mittlerweile erreicht.
Neben den nützlichen kleinen Apps fürs iPad oder Smartphone haben es auch betriebswirtschaftliche Anwendungen in sich, damit Unternehmen das Mobilitätschaos präventiv vermeiden. "CIOs und IT-Abteilungen müssen kostengünstige Wege finden, um den Einsatz von Endgeräten durch mobile Mitarbeiter zu managen", sagt Arne Jensen, Director Sales Enterprise Accounts Germany beim IT-Dienstleister Polycom.
Strategie entscheidend
Gleichzeitig sei jedoch die Sicherheit von sensiblen, geschäftskritischen Daten und Ressourcen weiterhin zu gewährleisten. Guter Rat ist also gefragt. Ein sorgsam geplantes Mobilitätskonzept (Managed Mobility), das alle Systeme zwischen E-Mail, betriebswirtschaftlichen Kernanwendungen und den unzähligen flügge gewordenen Kommunikationsplattformen ausbalanciert wie ein Trapezkünstler, hat gleich mehrere Baustellen zu adressieren.
Norbert Pongratz, Country Manager Deutschland, Österreich und Schweiz bei Kaseya, einem Anbieter von IT-Systemmanagement-Software, definiert die Herausforderung so: "Ein zentraler Punkt ist die Definition strategischer Mobilnutzungsrichtlinien, etwa in Bezug auf Sicherheitsvorgaben, die sichere Bereitstellung von Applikationen und rechtliche Definitionen zur Verwendung mobiler Geräte."
Auch die führenden Hersteller von betriebswirtschaftlicher Standardsoftware arbeiten intensiv an Lösungen. So arbeitet der Softwarekonzern SAP an seiner Mobilitätsstrategie. In Walldorf investiert man derzeit massiv in Technik und personelle Ressourcen, um mit einer vollständigen Integration die Anwender auch von seiner mobilen Vorreiterrolle in der Branche zu überzeugen.
"Die gesamte SAP-Plattform soll bald auf kleineren Endgeräten nutzbar sein, wobei unser Augenmerk darauf liegt, perspektivisch das höchste Maß an Integrationsqualität sicherzustellen", betont Alexander Arnold, Head of Excellence Center Mobile Business Solutions (D/A/CH) bei SAP Deutschland.
Erste Lösungsansätze sollen im Frühjahr spruchreif sein. Das Ziel: Mehr Effizienz, niedrigere Kosten und eine höhere Produktivität. Ein hoher Anspruch, der sich im Kleingedruckten von unzähligen Applikationen und Plattformen freilich durch die Hersteller nicht immer vollständig einlösen lässt. Umso mehr gefragt ist im betrieblichen Kontext gerade aus Sicht von kleineren Handwerksbetrieben eine realistische Kosten-Nutzen-Betrachtung.
Eine aktuelle Studie zum mobilen Arbeiten finden Sie hier .
