Handwerk und Wissenschaft Das Handwerk steckt voller Ideen

Durch die Zusammenarbeit des Handwerks mit Kunden und Forschern können neue Produkte und Dienstleistungen entstehen.

Karin Birk

Es gibt bundesweit knapp über 100 Beauftragte für Innovation und Technologie bei Handwerkskammern und Fachverbänden, die Handwerker mit Wissenschaftlern zusammenbringen. - © beeboys - stock.adobe.com

Für Karim Kudsi hat sich das jahrelange Tüfteln gelohnt. „Wir machen 100 Prozent unseres Umsatzes mit unserem neuen Verfahren“, erzählt der Gas- und Wasserinstallateur sowie Heizungs- und Lüftungsbaumeister aus Fürth. Drei Jahre lang haben er, seine Mitarbeiter der TGA Rohrinnensanierung AG und Wissenschaftler der Technischen Hochschule Wildau bei Berlin nach einem neuen Verfahren zur Sanierung alter Fußbodenheizungen gesucht, ohne dabei alle Böden aufreißen zu müssen. „Ich wollte nicht nur an den Symptomen herumdoktern, sondern die Ursache bekämpfen“, betont er.

Er hat es geschafft und dafür 2017 den Seifriz-Preis für Innovationen im Handwerk erhalten. Wenn seine Firma heute Rohre saniert, werden sie zuerst einmal gründlich gereinigt und dann von innen mit einem sauerstoffundurchlässigen Epoxidharz beschichtet. Die alten Kunststoffrohre, die über die Jahre brüchig und insbesondere für Sauerstoff durchlässig wurden, werden so gut abgedichtet und neue Korrosion und neuer Rohrschlamm verhindert.

Die Handwerkskammern führen Handwerker mit Forschern zusammen

Heizungs- und Lüftungsbauermeister, Karim Kudsi, aus Fürth. - © Kilian Bishop

Handwerker, die anders als Kudsi selbst keine Wissenschaftler und Experten kennen, die ihnen bei der Umsetzung einer neuen Idee weiterhelfen, können sich auch an die Beauftragten für Innovation und Technologie (BIT) der Kammern wenden. Einer von ihnen ist Norbert Durst von der Handwerkskammer Region Stuttgart. „In einem Erstgespräch klären wir, um welche Innovationen es geht und wie sie weiterentwickelt, gefördert und geschützt werden können“, erzählt er. Je nachdem stellt Durst Kontakte zu Forschungseinrichtungen wie Steinbeis oder Fraunhofer her. Er informiert auch über die verschiedenen Fördermöglichkeiten wie die in manchen Bundesländern üblichen Digitalisierungsprämien oder Innovationsgutscheine. Bei Letzteren wird die Zusammenarbeit mit anderen innovativen Unternehmen oder Forschungseinrichtungen finanziert. Darüber hinaus gibt es noch viele andere Förderprogramme wie das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand „ZIM“ für die Entwicklung neuer Produkte oder Produktionsverfahren. Über das Programm „WIPANO“ kann außerdem die Sicherung und Nutzung geistigen Eigentums finanziell gefördert werden.

Insgesamt gibt es bundesweit knapp über 100 Beauftragte für Innovation und Technologie bei Handwerkskammern und Fachverbänden. „Sie sind auch alle untereinander vernetzt und manche von ihnen haben spezielle Schwerpunkte“, sagt Christian Welzbacher, Leiter des Heinz-Piest-Instituts für Handwerkstechnik (HPI) in Hannover. Dort angesiedelt ist auch die Zentrale Leitstelle für Technologietransfer im Handwerk, die die Innovationsbeauftragten (BIT) im Handwerk koordiniert und ihre Arbeit auswertet. Dabei wird deutlich, dass viele Handwerker trotz oder vielleicht gerade wegen der vielen Arbeit mit immer neuen Ideen und Fragen auf die Innovationsbeauftragten zukommen. Mal geht es dabei um Digitalisierung, angefangen von der Produktion über die Logistik bis hin zu Geschäftsmodellen. Auch andere Themen spielen eine Rolle: Energietechnik, neue Werkstoffe und vieles mehr. So kommen etwa Anfragen von Schreinereien, die mehr Roboter in ihre Produktion integrieren wollen, oder von Gerüstbauern, die mit Drohnen Maße eines Baus berechnen wollen.

Mitarbeiter sollen ihre Ideen einbringen

Anders als Industrieunternehmen haben Handwerksunternehmen meist keine eigene Forschungsabteilung. „Stärker als anderswo entstehen Innovationen bei Produkten oder Verfahren durch interaktives Lernen beim engen Austausch mit Kunden und Lieferanten“, sagt Jörg Thomä vom volkswirtschaftlichen Institut des Handwerks an der Universität Göttingen. Dies gelte etwa für maßgeschneiderte Lösungen im Werkzeugmaschinenbau.

Auch Kudsi hört genau hin, was seine Mitarbeiter erzählen, die mit den Kunden vor Ort zusammenarbeiten. „Ich muss ihr Wissen anzapfen“, sagte er. Dies sei besonders wichtig, wenn es um die Weiterentwicklung der Werkzeuge gehe, mit denen die Heizungsrohre von innen beschichtet würden. Sein wichtigster Punkt für neue Impulse: „Ich brauche Feedback.“