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Bloggen übers Handwerk "Das Handwerk schafft sich ab!"

"Wir verkaufen uns eindeutig unter Wert!", sagt Malermeister Alexander Baumer. Mit seinem Blog hat er für viel Aufsehen in der Branche gesorgt. Warum er sich gegen niedrige Preise im Handwerk wehrt.

600 Teilungen auf Facebook und 800.000 Klicks auf seinen Blog beweisen, dass Alexander Baumer mit seinen Gedanken übers Handwerk ins Schwarze trifft. "Das Handwerk schafft sich ab!" lautet der Titel seines Blogbeitrags, der in der Branche für viele Diskussionen sorgt.

Aus dem Leben eines Malermeisters

Schon vor ein paar Jahren hat der Malermeister aus Regensburg angefangen einen Blog über seinen Arbeitsalltag zu schreiben: Mal über einen besonderen Auftrag, ein anderes Mal über die neue Sekretärin. Immer seine persönliche Meinung.

Seine Erfahrungen als selbstständiger Maler haben ihn zum Schreiben inspiriert. 2009 hat er einen Betrieb gegründet, der in den ersten Jahren schnell gewachsen ist. Zu schnell, wie er feststellen musst. Vor drei Jahren hat er sich daher beruflich komplett neu aufgestellt und auf hochwertige Arbeiten spezialisiert. "Ich wusste, wenn ich meine Strategie jetzt nicht ändere, muss ich aufhören", sagt er. Seitdem biete er seine Arbeit nicht mehr zu "Dumpingpreisen" an. Für ihn steht fest: "Wir Handwerker verkaufen unsere Arbeit unter Wert."

Immer billiger werden, trotz Bauboom

Gute Wirtschaftslage, Bauboom, hohe Nachfrage nach Handwerkern – eigentlich sollten sich Handwerker momentan nicht beklagen müssen. Aber Baumer kritisiert trotzdem das Verhalten von Kunden und Wettbewerbern in der Branche. Kunden würden oft nur auf den Preis schauen, viele Kollegen aber auch viel zu niedrige Angebote machen. "Bei den vielen Bauprojekten verdient sich jeder 'deppert' – Planer, Architekten, die Industrie. Nur wir Handwerker müssen immer billiger werden. Wir sind aber auch Spezialisten. Warum werden wir nicht genauso bezahlt?", beklagt Baumer.

Seinem Unmut machte er dann Anfang März Luft. In seinem Blog beschreibt er eine normale Situation aus seinem Arbeitsalltag. Er ist bei einem Kunden und soll ihm ein Angebot machen. Einmal die Wohnung streichen: Zwölf Zimmer, Küche, Empfangsbereich, Toiletten, ein großer Gang, alles nicht besonders sauber… Baumer kommt auf etwa 7.000 bis 8.000 Euro netto. Doch dann berichtet ihm der Kunde, er habe ein günstigeres Angebot erhalten. Ein Konkurrent verlangt nur 1.200 Euro. "Wo führt das denn noch hin? Wenn ich so kalkuliere, kann ich meine Facharbeiter nicht bezahlen", erklärt der Maler. Den Auftrag hat er nicht erhalten.

Feedback aus vielen Gewerken

Ähnliche Erfahrungen haben wohl auch viele seiner Kollegen gemacht. Ob Dachdecker, Fliesenleger oder Fensterbauer – aus allen Gewerken habe er Reaktionen auf seinen Blogeintrag erhalten. Die überwiegende Mehrheit habe ihn in seiner Position bestärkt. "Das war wirklich sehr beeindruckend, so viele Kommentare zu bekommen", freut sich Baumer. Berichte in den lokalen Medien folgten, die Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz lud ihn zu einem Gespräch ein und in ein paar Wochen ist er im Regionalfernsehen in einer Talkrunde zu Gast.

Der 33-Jährige verschweigt aber auch nicht, dass er die eine oder andere negative Mail erhalten hat: "Schaff mal was und rede nicht nur". Aber damit müsse man rechnen und einfach drüber stehen. Er merkt auch, dass der eine oder andere Kunde nun nicht mehr bei ihm anfragt. "Es kann gut sein, dass ich manch einen abgeschreckt habe", sagt er. Aber er lässt sich von seinem Konzept nicht abbringen. Für hochwertige Arbeit könne er auch entsprechende Preise verlangen. Momentan geht seine Strategie auf.

Einmal zu Markus Lanz

Der Malermeister will das ganze Echo auf keinen Fall verpuffen lassen, sondern sich weiter im Blog mit Themen aus dem Handwerk auseinandersetzen und einem breiteren Publikum zugänglich machen: "Mein Ziel ist es, einmal zu Markus Lanz eingeladen zu werden. In der Talkshow wird immer viel diskutiert, aber nicht übers Handwerk. Das muss sich ändern."

 Drei Tipps vom Profi

Worauf muss ich achten, wenn ich einen Blog schreiben möchte?

  • Man soll ruhig mal provokant sagen, was man denkt. Aber dabei niemanden persönlich angreifen.
  • Man muss sich auch auf negative Kommentare einstellen und sollte sich ein dickes Fell zulegen.
  • Einfach machen. Jeder Handwerker hat viel zu erzählen. 

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Kommentare

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Rolf Fischer

Der Kollege hat Recht!

Sehr geehrter Herr Baumer,
sehr geehrte Damen und Herren,
Ihre Feststellungen sind absolut richtig! Leider ist es heute üblich, nach der Methode
"Geiz ist geil" Aufträge zu vergeben, dabei ist das einzige Kriterium die Zahl unten rechts.
Das Glück der soliden Handwerksbetriebe, d.h. gute Arbeit für solide und auskömmliche Preise, ist, das billig zum Glück nicht gut ist bzw. sein kann. Sehr hilfreich kann sicher ein Gedankenaustausch mit erfahrenen vereidigten Sachverständigen sein. Es ist sehr erstaunlich, was man mit der Aufgabenstellung, ein Gutachten zu erstellen, alles zu sehen bekommt und begutachten muß. Aber in Zeiten von "myhammer" & Co müssen Kunden, die auf diesem Wege Aufträge vergeben, auch nicht bedauert werden!
Das Erfreuliche ist, das wirkliche Fachleute in allen Gewerken weniger werden und somit in einigen Jahren gute Handwerker sehr gesucht sein werden und eine auskömmliche Bezahlung erhalten werden.
Die Hoffnung stirbt zuletzt !!

Klaus

Recht hast Du!

Unsere Kanzlerin hat nach der Krise 2009 gesagt "ohne dem Handwerk wären wir nicht so gut aus der Krise gekommen!" Leider arbeitet die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit den Lobbyisten der Industrie gegen das Handwerk! Wir Handwerker müssen es schaffen, endlich alle, ich betone an dieser Stelle "alle" zusammen eine Macht gegen die Industrie aufzubauen und mehr Gerechtigkeit und vor allem weniger Bürokratismus speziell für kleine Handwerksbetriebe durchzusetzen. Die Handwerkskammern sind hier kaum eine Hilfe!

Norbert Brecht

Preisdumping

Es sind zum Teil sogar die eigenen Kollegen, die meinen Sie müssten die Arbeiten zu jedem Preis machen. Wenn ich aber höre, daß diese Subunternehmer beschäftigen, die für 5 Euro die Std. Arbeiten, so wundert mich gar nichts mehr. Und viele Architekten leben ja davon, daß Sie Ihren Kunden die billigsten Angebote raussuchen. Über Qualität wird doch gar nicht mehr gesprochen.

Bärbel Hotz

Für jeden Geldbeutel gibt es den entsprechenden Handwerker

"Für jeden Geldbeutel gibt es den entsprechenden Handwerker". So ist meine Ansage, wenn man mal wieder gegenüber seinem Mitanbieter zu teuer sein soll. Jedoch kann man für kleines Geld keine Qualität abliefern.
Nur kapieren dies nicht alle Handwerkskollegen.
Deshalb darf man sich nicht unterkriegen lassen, denn alle Anfragen kann man ja auch nicht abarbeiten.
Ich zum Beispiel suche mir die Rosinen raus.
Wenn eine Anfrage über Mail oder Architekten kommt, landet diese in Ablage P.
Ich bearbeite z.B. nur private und direkte Anfragen.
Denn diese zeigen mir, daß hier bewußt bei uns angefragt wurde, weil man unsere Arbeit zu schätzen weiß.
Man hat es geschafft, wenn es heißt: " dort brauchst Du nicht nachzufragen, die haben keine Zeit, weil das Auftragsbuch voll ist".
Dann kommt im Gegenzug die Aussage " die sind zu teuer".
Also, was stimmt denn jetzt nun? zu teuer trotz vollem Auftragsbuch? Da kann was nicht stimmen !
Ich zeige es den Kollegen, daß man gute Arbeit auch gut bezahlt bekommt.
Ansonsten macht man was falsch.

Bärbel Hotz
Zimmermeisterin und staatl. geprüfte Restauratorin im ZHW.