Projekte für spanische Auszubildende Das Handwerk hilft sich selbst

Während in Spanien die Jugendarbeitslosigkeit auf Rekordniveau liegt, können viele Betriebe in Deutschland ihre Lehrstellen nicht besetzen. Projekte im Handwerk schaffen Abhilfe.

Mirabell Schmidt

So funktioniert europäische Problemlösung im Handwerk: 32 arbeitslose Spanier treffen auf 22 Stuckateur-Betriebe aus Leonberg und Umgebung. Das Ziel: in zwei Tagen 30 potentielle Kandidaten finden, die ab Juli ein zweimonatiges Praktikum in den Betrieben machen. Und anschließend eine Ausbildung.

Das Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade in Leonberg rief das Projekt im Frühjahr ins Leben, da Betriebe in Baden-Württemberg kaum noch Auszubildende finden konnten. Die Arbeitslosigkeit hat in Spanien im März dagegen ein neues Rekordniveau erreicht. Rund 27 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung ist arbeitslos. Besonders betroffen davon sind die Jugendlichen.

Spanier sind gut qualifiziert

Im Assessment-Center in Leonberg mussten sich die potenziellen Auszubildenden nun unter Beweis stellen. "Das ist perfekt gelaufen", sagt Roland Falk vom baden-württembergischen Fachverband der Stuckateure.

Denjenigen spanischen Jugendlichen, die einen Sprachkurs und das Praktikum erfolgreich absolvieren, winkt ab September eine Ausbildung in Deutschland. "Alle waren extrem motiviert und haben sich im Vergleich zu vielen deutschen Bewerbern überdurchschnittlich gut angestellt", erzählt Falk. Im Herbst wird das Projekt daher in die nächste Runde gehen.

Verbundausbildung im ersten Jahr

Ein anderes Modell, um spanischen Jugendlichen eine Ausbildung in deutschen Handwerksbetrieben zu ermöglichen, hat die Handwerkskammer Wiesbaden ins Leben gerufen.40 Jugendliche aus Barcelona und San Sebastian sollen im August eine Ausbildung in Elektro-, Sanitär- und Dachdeckerbetrieben beginnen.

Im ersten Ausbildungsjahr werden die Spanier zunächst einen Ausbildungsvertrag mit der Handwerkskammer schließen, um sich in Berufsbildungszentren vor allem sprachlich fit zu machen. Erst im zweiten Ausbildungsjahr arbeiten sie dann vollständig in den Betrieben.

Kulturelle und soziale Integration

"Es ist natürlich die Frage, ob die Jugendlichen dann hier bleiben möchten", sagt Dirk Kornau von der Handwerkskammer Wiesbaden. Damit sich die Spanier hier wohlfühlen, legt sich die Kammer daher ins Zeug: Sie hilft bei der Wohnungssuche und bringt Betriebe und Auszubildende zusammen.

Auch die kulturelle und soziale Integration soll klappen: "Wir versuchen vorab herauszubekommen ob unter den Handwerkern zum Beispiel jemand eine spanische Ehefrau hat oder die Betriebe irgendeinen anderen Bezug zu Spanien haben."