Deutsche Unternehmen gelten als besonders innovativ. Gleichzeitig werden die deutschen Innovationen aber auch häufig kopiert. Besonders dreiste Fälschungen wurden nun wieder mit dem Negativpreis "Plagiarius" ausgezeichnet. Ein Video zeigt die Folgen der Produktpiraterie.

Das Geschäft mit Plagiaten boomt. Die OECD schätzt den weltweiten Handel mit gefälschten Produkten auf 250 Milliarden Dollar pro Jahr. Allein im Jahr 2011 haben die europäischen Zollbehörden an den EU-Außengrenzen mehr als 115 Millionen Produktfälschungen im Wert von 1,3 Milliarden Euro beschlagnahmt. Dazu kommt, dass nach einer Studie von Ernst&Young 80 Prozent der deutschen Unternehmen mehrmals im Jahr Opfer von Produktfälschern werden. Und das hat Folgen.
Innovationen bringen Poleposition
Unternehmen, die in die Entwicklung neuer Produkte investieren, nehmen hohe Kosten und ein großes Risiko auf sich. "Ständiges Innovieren sichert die Poleposition der etwa 1.300 deutschen Weltmarktführer", sagte Walter Döring, der ehemalige Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg und geschäftsführender Gesellschafter der Akademie Deutscher Weltmarktführer bei der Verleihung des "Plagiarius 2013" vergangenen Freitag in Frankfurt.

Doch er wies auch auf die Folgen der Produktpiraterie hin. So vernichte geistiger Diebstahl und daraus resultierende Plagiate Arbeitsplätze, bringe die Hersteller der Originale um ihren verdienten Lohn und führe die Ausnahmestellung der deutschen Weltmarktführer ins Wanken. Nach seinen Angaben führt Deutschland die Rangliste der 2.700 Weltmarktführer mit Abstand an und hat gleichzeitig den größten Schaden durch Plagiate.
Begünstigt wird die Zunahme der Produktfälschungen durch zwei Entwicklungen. Einerseits gelangen gefälschte Waren immer häufiger über den Postweg in die EU, da sie über das Internet bestellt werden. Problematisch sei es für die Verbraucher zudem die Plagiate im Onlinehandel überhaupt zu erkennen. Andererseits beobachten die Initiatoren der Preisverleihung, die Aktion Plagiarius, dass die Bereitschaft bei den Verbrauchern hoch sei, bewusst gefälschte Ware zu kaufen, da diese meistens viel günstiger sei.
Plagiate können gefährlich sein
Unternehmen müssten sich also die Frage stellen, warum Konsumenten oft und ohne Unrechtsbewusstsein zu Nachahmungen greifen, betonen die Initiatoren in einer Mitteilung zu den neu vergebenen Preisen. Außerdem sollten sie ihre Preispolitik und Kommunikationsstrategie überdenken und anpassen, damit der Anreiz zu Kauf solcher Ware nicht mehr gegeben sei. So sollten die Unternehmen auch auf die Gefahren hinweisen, die die Plagiate bei der Anwendung mit sich bringen können – ob minderwertige Materialien, giftige Inhaltsstoffe oder ausgesparte Sicherheitskontrollen.
Um auf solche dreisten und gefährlichen Produktfälschungen hinzuweisen, vergibt die Aktion Plagiarius ihren Negativpreis – den schwarzen Zwerg mit der goldenen Nase – jedes Jahr an mehrere Plagiatoren. In diesem Jahr waren auch deutsche Unternehmen bei den Fälschern dabei. Die Bildergalerie zeigt alle Gewinner.
Welche Folgen Produktpiraterie und Ideenklau im Einzelnen haben kann, zeigt ein Erklär-Video der Simpleshow GmbH. Es kann unter Youtube.de angeschaut werden .
Tipps zum Thema "Schutz vor Produktpiraterie" gibt Christine Lacroix die Geschäftsführerin der Plagiarius Consultancy GmbH im Beitrag "Ideenklau: Wie Betriebe Schutz bekommen." jtw