Angesichts der Finanzmarktkrise haben die Sparer Angst um ihr Geld. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Heinrich Haasis, versucht im DHZ-Interview diese Angst zu zerstreuen. Interview: Karin Birk

"Das Geld der Sparer ist bei uns sicher"
DHZ: Immer mehr Banken kommen in eine Liquiditätskrise. Können Sie dies für die Sparkassen ausschließen?
Haasis: Ja, denn Sparkassen haben ein Geschäftsmodell, das sie bislang gut vor der Krise geschützt hat. Sparkassen sammeln in der jeweiligen Region die Einlagen ein und investieren das Geld auch wieder vor Ort. Sie sind praktisch nicht an den internationalen Kapitalmärkten aktiv. So konnten sie bislang auch verhindern, dass die Krise auf die Realwirtschaft übergeschwappt ist.
DHZ: Was heißt das für die Kreditvergabe? Werden die Kredite teuerer oder gibt es eine Kreditklemme?
Haasis: Bislang hat die Krise keinerlei Auswirkungen auf die Kreditvergabe bei den Sparkassen. Im Gegenteil: Die Darlehenszusagen von Sparkassen konnten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahr sogar um 15 Prozent ausgebaut werden.
DHZ: Müssen wir durch die Finanzmarktkrise Einbußen bei Wachstum und Beschäftigung befürchten?
Haasis: Es ist davon auszugehen, dass auch die deutsche Konjunktur von einer durch die Finanzmarktkrise insgesamt abgeschwächten Weltwirtschaft mit betroffen sein wird. Wegen fehlender Exportimpulse und geringerer Investitionen wird deshalb das Wachstum im kommenden Jahr auch hierzulande geringer ausfallen. Der bisher so starke und robuste Beschäftigungsaufschwung wird in diesem Zeitraum allmählich auslaufen, sich aller Voraussicht nach aber nicht in einen Rückschlag umkehren.
DHZ: Wie groß ist der Anteil von verbrieften Krediten beim Geschäft der Sparkassen?
Haasis: Sparkassen sind im Verbriefungsgeschäft praktisch nicht engagiert gewesen.
DHZ: Und wie sieht es bei den Landesbanken aus? In welcher Höhe belaufen sich hier die Wertberichtigungen?
Haasis: Wie alle an den internationalen Kapitalmärkten tätigen Banken sind auch Landesbanken von der Finanzmarktkrise betroffen. Dies aber in sehr unterschiedlicher Form und Höhe. Im internationalen Vergleich sind die Belastungen der Landesbanken zwar schmerzlich, aber eher gering. Dabei handelt es sich auch nicht um Verluste. Für manche Papiere gibt es derzeit keinen Markt, auch wenn es hochwertige Papiere sind. Wenn die Märkte sich beruhigt haben, wird der Wert dieser Papiere auch wieder steigen.
DHZ: Wie sicher ist das Geld der Sparer?
Haasis: Das Geld der Sparer ist bei den Sparkassen absolut sicher. Alle Einlagen sind in unbegrenzter Höhe abgesichert. Alle Sparkassen und Landesbausparkassen stehen mit ihrem ganzen Vermögen füreinander ein. Die Sparkassen sind aber trotz der Krise ein Hort der Stabilität. Manch einer hat in den vergangenen Jahren das Sparkassengeschäft für langweilig gehalten und uns kritisiert, weshalb wir uns nicht so stark in der schönen neuen Verbriefungswelt bewegt haben. Jetzt zeigt sich: Diese Geschäftspolitik und die Struktur der Sparkassen stabilisieren den deutschen Bankenmarkt.
DHZ: Die Finanzmarktkrise ist eine Vertrauenskrise. Wie kann das Vertrauen wieder hergestellt werden?
Haasis: Die Kreditwirtschaft muss sich wieder mehr auf ihre eigentlich dienende Funktion für die Volkswirtschaft besinnen und ihre Geschäfte wieder stärker an der Realwirtschaft ausrichten. Gleichzeitig muss für komplexe Finanzgeschäfte mehr Transparenz hergestellt werden. Wichtig ist, dass die vereinbarten Regulierungen konsequent umgesetzt werden. Das betrifft auch die Umsetzung von Basel II in den USA. Wir halten den von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück vorgelegten Acht-Punkte-Plan für richtig.