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Imagekampagne von "Das Handwerk" "Das geilste Praktikum": Was Aktionen wie diese dem Handwerk bringen

Die Imagekampagne "Das Handwerk" hat dem Schüler Melih C. ein Praktikum bei einem der besten Autotuner der Welt vermittelt. Auf Instagram verfolgten tausende Interessierte, wie der 16-Jährige an Luxusschlitten schraubte und bei Testfahrten in den Beifahrersitz gedrückt wurde. Doch wie können Handwerksbetriebe von Aktionen wie diesen profitieren?

Die wohl beste Story aus den Herbstferien dürfte dieses Jahr Melih C. mitgebracht haben. Der 16-Jährige aus Gelsenkirchen verbrachte seine freien Tage in Abu Dhabi. Nicht zum Urlaub, sondern zum Praktikum – bei einem der besten Autotuner der Welt. Eine Woche lang durfte er dem Kfz-Mechaniker Jimmy Pelka über die Schulter schauen, erhielt Einblicke in die Tuning-Grundlagen und konnte sich beim Klimaanlagen-Check oder Bremsscheibenwechsel selbst an einigen Luxuskarossen versuchen.

Organisiert und ermöglicht wurde "Das geilste Praktikum der Welt" durch "Das Handwerk", der Imagekampagne des Deutschen Handwerkskammertags (DHKT). Deren übergeordnetes Ziel ist es, die Branche in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit zu rücken und ein zeitgemäßes, modernes Bild des Handwerks zu vermitteln – vor allem auch bei jungen Menschen.

Fazit: "Definitiv was mit Autos"

Im Fall von Melih C. scheint dies geglückt. Sein Fazit nach dem Praktikum in einer der weltweit modernsten Tuning-Werkstätten lautet: "Vorher war mir nicht klar, was ich später machen möchte. Das Praktikum hat sehr dabei geholfen, meinen Berufswunsch zu konkretisieren: Es soll definitiv etwas mit Autos werden."

Die Erlebnisse in Abu Dhabi dokumentierte er in Stories und Beiträgen auf dem Instagram-Kanal von "Das Handwerk". Wie viele Jugendliche die Kampagne damit erreichen konnte, wie die rund eine Millionen Handwerksbetriebe in Deutschland davon profitieren und was die Imagekampagne als nächste plant, berichtet Miriam Köhler, Kampagnenmanagerin beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH), im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ).

Imagekampagne: "Wir schaffen einen Aha-Effekt bei Jugendlichen"

DHZ: Die Aktion "Das geilste Praktikum der Welt" ging vor kurzem zu Ende. Was war das Ziel der Aktion?

Miriam Köhler: Mit der Aktion wollten wir Jugendliche – vor allem diejenigen, die sich in der Berufsorientierung befinden – auf das Handwerk und seine Ausbildungsmöglichkeiten aufmerksam machen. Und dabei aufzeigen, wie modern und auch international aufgestellt das Handwerk heutzutage ist. Um bei einer großen Anzahl junger Menschen Aufmerksamkeit und Begeisterung zu wecken, haben wir uns daher eine ausgefallene Praktikumsaktion einfallen lassen.

DHZ: Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Köhler: Der Ansatz hat funktioniert. Mehrere hundert Jugendliche haben sich für das Praktikum beworben. Der Gewinner durfte eine außergewöhnliche Praktikumswoche erleben und ist sich im Nachgang über seinen Berufswunsch klarer. Er möchte nach dem Abitur auf jeden Fall etwas mit Autos machen. Zudem haben viele tausend Jugendliche den Verlauf der Praktikumswoche auf den Social-Media-Kanälen des Handwerks verfolgt und ebenfalls einen Einblick erhalten. In der Spitze haben bis zu 4.750 Zuschauer die einzelnen Instagram-Stories zum Praktikum gesehen. Die Instagram-Posts zum Praktikum haben insgesamt 60.500 Kontakte erzielt.

DHZ: Welchen Nutzen haben Aktionen wie diese konkret für Handwerksbetriebe?

Köhler: Viele junge Menschen haben das Handwerk erst einmal gar nicht auf dem Schirm. Das ist aber die Grundvoraussetzung dafür, dass sie sich mit den unterschiedlichen Ausbildungsberufen auseinandersetzen und vielleicht selbst ein Praktikum in einem Betrieb ihrer Wahl absolvieren. Mit Aktionen wie dem "geilsten Praktikum der Welt" erzeugen wir Aufmerksamkeit für das Handwerk. Wir schaffen einen Aha-Effekt bei Jugendlichen und regen sie dazu an, sich bei ihrer Berufswahl auch mit dem Handwerk zu beschäftigen. Betriebe können an dieser Stelle dann ansetzen und junge Menschen dazu einladen, konkret ihren Beruf und ihren Betrieb einmal kennenzulernen. Ein Praktikum ist für beide Seiten eine hervorragende Chance: Junge Menschen bekommen einen konkreten, praktischen Einblick in den Beruf. Der Betrieb bekommt einen Eindruck, wie der Jugendliche sich macht und ob er ins Team passen könnte.

DHZ: Wie können Handwerksbetriebe die Leistungen der Imagekampagne außerdem nutzen?

Köhler: Die Kampagne des Handwerks ist in der Öffentlichkeit bekannt und macht positiv von sich Reden. Handwerksbetriebe können davon profitieren, indem sie zeigen, dass sie ebenfalls zum Handwerk und dieser Kampagne dazu gehören. Das geht ganz einfach. Zum Beispiel indem sie das Handwerkslogo in ihre Geschäftskorrespondenz mit einbinden oder auf ihre Internetseite stellen. Aber auch alle Motive und Filme der Imagekampagne stehen Handwerksbetrieben kostenfrei zur Nutzung zur Verfügung. Über das Werbemittelportal des Handwerks können sie heruntergeladen und mit dem eigenen Betriebslogo oder auch der eigenen Webadresse versehen werden. Zusätzlich gibt es Werbeartikel, die gegen ein geringes Entgelt zum Beispiel als Kundenpräsente erworben werden können.

DHZ: Welche Aktionen der Imagekampagne stehen als nächstes an?

Köhler: 2020 startet die dritte Staffel der Imagekampagne. Neben der Nachwuchswerbung rückt dann auch die Ansprache der breiten Öffentlichkeit wieder mehr in den Fokus, um das Ansehen des Handwerks weiter zu stärken. Denn auch wenn sich hier in den vergangenen Jahren viel getan hat, bekommen Handwerker nach wie vor nicht immer die Wertschätzung entgegengebracht, die ihnen gebührt. Im Zuge der dritten Staffel werden wir auch das schon angesprochene Werbemittelportal grundlegend überarbeiten. Es soll gerade für Handwerksbetriebe einfacher und intuitiver nutzbar werden. Denn es ist uns wichtig, dass alle Betriebe ohne viel Aufwand an der Kampagne partizipieren können.

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