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Optikmeisterei setzt auf Digitalisierung Eva Trummer: Social Media gehört zu unserer DNA

Wenn im Juli das "Digital Festival" in Nürnberg stattfindet, ist erstmals auch das Handwerk vertreten. Mit dabei ist auch Eva Trummer, Unternehmerin und Chefin der Optikmeisterei in Erlangen. Vor fünf Jahren hat sie sich selbstständig gemacht und ist in vielen Bereichen ganz eigene Wege gegangen.

Von 12. bis 22. Juli findet in Nürnberg wieder das “Digital Festival“ statt. Die jährlich stattfindende Veranstaltungsreihe lockt mit Veranstaltungen, Konferenzen, Aktionen, Workshops und Treffen rund um die zentralen Themen der Digitalisierung. Heuer ist zum ersten Mal auch das Handwerk mit dabei. Vertreten wird es dabei von Eva Trummer, Unternehmerin und Chefin der Optikmeisterei in Erlangen.

In einem gemeinsamen Workshop berichten sie und Anne-Kathrin Kirchhof von der Handwerkskammer für Mittelfranken über Digitalisierung und Handwerk. Denn entgegen der gängigen Meinung ist das Handwerk in vielen Bereichen bereits sehr digital. Man redet nur nicht dauernd darüber. Außer Eva Trummer. Sie redet nicht nur darüber, sie ist sozusagen mittendrin. Vor fünf Jahren hat sie sich selbstständig gemacht und ist in vielen Bereichen ganz eigene Wege gegangen. Zum Beispiel kann man bei ihr über einen 3D-Scan, der mit dem iPad durchgeführt wird, Maßanfertigungen erwerben oder verschiedene Gleitsichtvarianten an der virtuellen Brille testen. Warenwirtschaftssystem, Umsätze, Mitarbeiterplanung, Einkauf und das Marketing laufen komplett digital. Zwei eigene Blogs, ­YouTube und Instagram bieten ihr die geeigneten – kostenlosen – Kanäle, um Kunden zu werben und zu binden. Ihr Engagement für Facebook hat sie zurückgefahren. “Die Reichweite hat abgenommen“, sagt sie kritisch.

Schon vor der Eröffnung berichtete sie in ihrem Blog über die täglichen Herausforderungen bei der Firmengründung. Einrichtungsentscheidungen. Bankengänge. Womit man so zu tun hat. So hatte sie nicht nur schnell Kunden am Start, sondern auch gleich zwei neue Mitarbeiterinnen – eineinhalb Monate nach der Eröffnung. Mittlerweile sind neben ihr noch eine Auszubildende im zweiten Lehrjahr, die ab September Verstärkung bekommt, zwei Gesellinnen, eine Fachverkäuferin auf 450-Euro-Basis und eine Diplom-Ingenieurin für Feinwerktechnik/Augenoptik in der Optikmeisterei mit viel Herz bei der Sache. Übrigens: Inzwischen gehört die Frage nach der Social-­Media-Affinität beim Bewerbungsgespräch dazu. Denn Eva Trummer stemmt das Projekt nicht ­alleine.

Das gehört zu unserer DNA

Alle Mitarbeiterinnen posten auf Instagram oder schreiben Blogbeiträge. Diplom-Ingenieurin Stefanie Schier berichtet beispielsweise in Videos gerne über Fachthemen wie Tränenfilmanalyse oder die Anpassung von Kontaktlinsen. Modetipps hingegen liegen ihr nicht so. Das müssen andere machen. “Jede hat ihre eigene Persönlichkeit und spricht andere Zielgruppen an. Man muss einfach authentisch sein und darf sich nicht zwingen“, weiß Eva Trummer. Am Anfang hat sie die Beiträge für alle hochgeladen.

Mittlerweile passiert das selbstständig. “Nur so kann ich vermeiden, dass ich meinen Filter über alles lege. Dann ist es ja wieder meins und Kreativität und individueller Charme sind verloren“, sagt sie. Ein paar Leitplanken gibt es natürlich, um das Konzept nicht zu stark zu verwässern. Aber der Rahmen, in dem sich alle bewegen, ist sehr weit – und gemeinsam erarbeitet. “Da muss man das eigene Ego schon ein bisschen zurückstellen“, gibt sie zu. Das Denken “Ich bin der Chef und weiß alles“ liegt ihr aber ohnehin nicht. “Ich profitiere ganz viel vom Feedback in den Sozialen Medien. Oft stelle ich auch zur Diskussion: Wie würdet ihr das machen? Wie geht es euch damit? Vor allem auf Instagram bekommt man dann viel Input.“ Auch die Livestream-Funktion, mit der sie beispielsweise Kundenfragen beantwortet, findet sie dort spannend: “Wahnsinn, was die Menschen so interessiert.“ Zum Beispiel der Blick hinter die Kulissen. “Wir dachten, unser Alltag sei langweilig, aber die Leute fanden das total interessant.“

Für die Kundenbindung ist das Engagement Gold wert. 1.200 Follower hat die Optikmeisterei auf Instagram. Bis zu 400 Menschen schauen sich täglich an, was Eva Trummer oder ihre Mitarbeiterinnen posten. “Viele kommen auch und sagen, dass sie eine Brille auf Instagram gesehen haben und sie jetzt gerne anprobieren würden“, berichtet die Optikmeisterin. Die bunte Mischung aus Persönlichem, Dienstleistung, Fachspezifischem und Produktvorstellung kommt gut an.

“Am Anfang war es schon ein bisschen unangenehm, wenn Fremde hereinkamen und wussten, was man so die ganze Woche getrieben hat“, gibt Eva Trummer zu. Aber mittlerweile sieht sie das neutral oder sogar positiv: “Manchmal werden meine Mitarbeiterinnen durch die Posts sogar in der Stadt erkannt. Das macht sie auch stolz“, kann sie berichten. Die Chance, mitzuarbeiten und Ideen einzubringen und das Gefühl, die “Optikmeisterei“ gemeinsam erfolgreich zu machen, führt auch zu einer enormen Mitarbeiterbindung. “Wir sind ein junger Betrieb. Ich kann nicht endlos an der Gehaltsschraube drehen.“ Gute Augenoptiker aber werden in der Branche heftig umworben. “Es haben auch schon Headhunter versucht, meine Leute abzuwerben“, weiß die Chefin.

Umso mehr zählen daher die weichen Faktoren, das gute Verhältnis zueinander, die Kommunikation, das Gemeinsame. Ihr Tipp für andere, die in das große Abenteuer Social Media einsteigen wollen? “Gerade, wenn man nicht zu viele Ressourcen für klassische Werbung übrig hat, bieten diese Kanäle eine kostengünstige und niederschwellige Alternative. Jeder kann es ausprobieren. Man muss einfach authentisch sein und im schlimmsten Fall erwischt einen der Virus und es macht einem richtig Spaß.“

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