Die große Handwerkerstudie „Manufactum“ zeigt: Die deutschen Meister sind topfit in ihrer fachlichen Qualifikation. Gleichzeitig haben sie aber Nachholbedarf in Bereichen wie Marketing und Führung. Ihr Job bereitet ihnen nach eigener Auskunft viel Spaß
Das Geheimnis ihres Erfolges
Der Meister macht’s“ so heißt es selbstbewusst in einer Werbekampagne. Aber wie gut kann der Meister
eigentlich das, was er da macht? Das herauszufinden ist Ziel der groß angelegten Handwerksstudie „Manufactum“, für die jüngst mehr als 4.200 männliche und weibliche Handwerksmeister befragt wurden. Die Studie des Ausrüsters Würth wurde vom Künzelsauer Institut für Marketing an der Hochschule Heilbronn und der Münchner Servicebarometer AG durchgeführt.
Das Ergebnis unterm Strich lautet: Ja, die Meister sind in ihrem Fach wahrlich meisterlich. Aber es gibt neben der fachlichen Qualifizierung auch Dinge, die sie noch besser machen könnten. Zudem hat die Studie in einem zweiten Schritt Erfolgsfaktoren erarbeitet, die belegen sollen, warum manche Betriebe erfolgreicher sind als andere.
Werkbank lieber als Büro
Die Ergebnisse im Einzelnen: In technisch-handwerklicher Hinsicht hat der Meister eine breite Brust. Ihm macht keiner so schnell was vor: 93 Prozent der Befragten geben sich die Bestnote auf dem Gebiet „Technische Fähigkeiten und Fachkenntnisse“ (siehe Grafik).
Weniger fit fühlt sich dagegen jeder zweite Meister in der Betriebsführung und im Marketing. Langfristige Marketingstrategien zu entwickeln trauen sich nur 42 Prozent der Befragten zu. Auch das juristische Fachwissen (etwa bei Reklamationen) oder das Know-how bei Steuern und Abgaben ist begrenzt. „Bereiche wie Buchführung und Gehaltsabwicklung sowie steuerliche und vor allem rechtliche Belange müssen angesprochen werden“, so die Studie.
Ganz ähnlich sieht es im direkten Umgang mit Kunden aus. 94 Prozent nehmen für sich in Anspruch, eine fach- und bedarfsgerechte Beratung leisten zu können. Indes sind mehr als einem Drittel Verkaufs- und Argumentationstechniken unbekannt. „Ab und zu eine Verkaufsschulung wäre sinnvoll“, lautet ein Zwischenfazit der Studie.
Auch in der Zusammenarbeit mit dem Personal ginge noch mehr. Gespräche zur Beurteilung des Mitarbeiters und eine systematische Weiterbildung der Beschäftigten sind Themen, die die Chefs laut Studie vermehrt in Angriff nehmen sollten. Dort stecken womöglich ungeahnte Potenziale wie auch bei jedem Meister selbst: „Obwohl der Nutzen von Weiterbildungen eindeutig belegt ist, verzichten noch viele Handwerksmeister darauf“, heißt es.
Ob alt oder jung, männlich oder weiblich: Handwerksmeister lieben offenbar ihren Job. Mehr als 96 Prozent stimmen der Aussage zu, dass „mein Beruf immer sehr viel Spaß macht“.
Erfolgsfaktoren der Betriebe
Die zweite große Frage, die die Würth-Studie beantworten will, dreht sich um den Erfolg eines Betriebs: Worin liegt der Schlüssel zum Erfolg, was sind die Erfolgsfaktoren? Insgesamt 1.270 Entscheider nahmen an dieser Umfrage teil, die besten zehn Prozent wurden dabei als Messlatte indexiert („Top 10“).
Erfolgsfaktor Kunde: Bei der Kundenansprache zeigt sich, dass der Online-Bereich immer relevanter wird. Die eigene Homepage als Visitenkarte im Internet gehört mittlerweile zum Standard: 79 Prozent der Betriebe setzen darauf. Klassiker wie eine gute Fahrzeugbeschriftung und Anzeigen in Zeitungen bleiben gleichzeitig wichtig.
In der Außenwirkung gelten geeignete Geschäftsräume als attraktiv, um Kunden zu empfangen, sagt die Mehrheit der Befragten. Weniger wichtig ist den Entscheidern, dass das ganze Betriebsgelände eine ansprechende Außenwirkung besitzt.
Mitarbeiter gut laufender Firmen sind übrigens mit persönlichen Visitenkarten und Flyern versorgt, die sie an die Kunden weiterreichen können.
Beeindrucken durch Leistung
Erfolgsfaktor Handwerksleistung: Kundendienstleistungen und regelmäßige Wartungen gehören zu den wichtigen Leistungen starker Betriebe. 48 Prozent der Befragten machen das auch schon. 64 Prozent vermitteln bei Bedarf Leistungen anderer Betriebe. „Alles aus einer Hand“ integrierte Konzepte scheinen gefragt (siehe Kasten unten).
Dagegen ist die Idee, auch spezielle Angebote für ältere Kundensegmente („60 plus“) parat zu haben, noch kaum verbreitet. Zudem kümmern sich noch zu wenige um rein ökologische Lösungen. Auch fällt es Mitarbeitern schwer, bei der Ausführung der Handwerksleistung Zusatzaufträge zu bekommen. Externe Zertifizierungen werden von fast drei Vierteln zudem stiefmütterlich behandelt.
Erfolgsfaktor Geschäftsleitung: Die Zeiten scheinen vorbei, als man noch so vor sich hinwerkeln konnte. Trend der Stunde sind konkrete Businesspläne. Von der Gruppe der erfolgreichen Betriebe den „Top 10“ geht schon jeder zweite danach vor. Auch haben Top-10-Betriebe Leitbilder, nach denen sie ihre Ziele festlegen. Die Gruppe der Nicht-Top-10-Firmen lässt davon die Finger. Rund 80 Prozent haben weder Businesspläne noch Leitbilder.
Erfolgsfaktor Mitarbeiter: In Zeiten des Fachkräftemangels wird das Thema immer entscheidender. Um geeignete Mitarbeiter zu finden, setzen Top-10-Betriebe häufiger auf eigene Stellenausschreibungen im Internet. Dass neben der fachlichen Kompetenz die soziale Komponente eine ebenso große Rolle spielt, ist für die meisten Betriebe schon selbstverständlich.
Die Studie schließt mit dem Fazit: Dem Handwerk geht es hervorragend, aber gerade bei guter Konjunktur wären Investitionen in die Zukunft sinnvoll.