Vor zehn Jahren wurde der Strommarkt liberalisiert, doch Gewerbekunden zögern, den Anbieter zu wechseln
Das gefallene Monopol
Vor zehn Jahren wurde in Deutschland der Strommarkt liberalisiert. Doch obwohl sich enorme Einsparpotenziale bei den Energiekosten ergeben können, wechseln gewerbliche Stromkunden bisher sehr selten den Anbieter. Das ergab eine Umfrage, die TNS Infratest im Auftrag der Meistro Strom GmbH durchgeführt hat.
Befragt wurden die Entscheider in kleinen und mittleren Unternehmen, deren Stromverbrauch über 100.000 kWh im Jahr liegt. 91 Prozent der befragten Unternehmer gaben an, dass sie sich generell vorstellen können, den Stromanbieter zu wechseln. Tatsächlich gewechselt sind dagegen nur rund 30 Prozent. „Die geringe Wechselquote verwundert, da sich gewerbliche Stromkosten durch einen Anbieterwechsel in vielen Fällen um mehrere tausend Euro pro Jahr reduzieren lassen“, kommentierte Meistro-Geschäftsführer Mike Frank die Studie. In vielen Betrieben machen die Stromkosten je nach Branche bis zu acht Prozent vom Umsatz aus. Unter jenen befragten Unternehmen, die den Anbieter schon gewechselt haben, berichteten 68 Prozent von jährlichen Einsparungen von mehr als 2.000 Euro, rund ein Viertel sogar von mehr als 10.000 Euro.
In Handwerksbetrieben fehle nicht selten das Bewusstsein oder das Wissen, wie einfach und sicher ein Anbieterwechsel sei, glaubt man bei der Meistro Strom GmbH, die sich auf die Belieferung von Unternehmen spezialisiert hat und bei der Stromerzeugung ausschließlich auf Wasserkraft setzt. Insbesondere beim Thema Versorgungssicherheit sei in Regionen, in denen bisher kaum Wettbewerb stattfindet, noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. „In Gebieten, in denen der Wettbewerb schon weiter fortgeschritten ist, wie etwa in Baden-Württemberg, ist dies im Kundengespräch meist kein Thema mehr. Die Kunden wissen, dass die Versorgungssicherheit gesetzlich geregelt ist“, sagt Mike Frank.
Die wichtigsten Kriterien bei der Wahl des Stromanbieters sind die Versorgungssicherheit, der Preis und die Weitergabe sinkender Kosten des Netzentgeltes an den Kunden. Die Versorgungssicherheit sehen 89 Prozent der Befragten als „sehr wichtig“ oder „äußerst wichtig“ an, beim Preis sind es 87 Prozent und bei der Weitergabe sinkender Kosten an den Kunden 78 Prozent. Unterschiede gibt es hier allerdings zwischen Unternehmen, die den Anbieter schon einmal gewechselt haben und Unternehmen, die den Anbieter noch nicht gewechselt haben. So hat bei den Wechslern der Preis den größten Stellenwert und bei den Nichtwechslern die Versorgungssicherheit.
Auch die Verständlichkeit der Rechnung und der Service sind wichtige Kriterien bei der Wahl des Stromanbieters. So sehen 94 Prozent der Befragten die Verständlichkeit der Rechnung als wichtig an und 80 Prozent den Service. Für 58 Prozent ist eine umweltfreundliche Stromgewinnung relevant. Die Dauer der Vertragslaufzeit sowie die Bekanntheit des Stromanbieters werden hingegen als weniger wichtig erachtet.dhz