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Von Wisconsin nach Thüringen US-Ami tourt als Praktikant durch Thüringen - für seinen großen Traum

Der 37-jährige US-Amerikaner Mark Komiskey lebt und arbeitet seit zwei Jahren in Thüringen. Hier lernt er verschiedene Handwerksberufe und Betriebe kennen. Die Erfahrungen sollen dem ehemaligen Versicherungsmathematiker helfen, seinen eigenen Traum zu verwirklichen.

DHZ: Herr Komiskey, Sie sind ehemaliger Versicherungsmathematiker. Was hat Sie 2017 dazu bewegt, nach Thüringen zu kommen?

M ark Komiskey: Der Beruf gefiel mir gut. Doch als unser CEO bei einer Weihnachtsfeier sagte, dass wir immer näher daran sind, seinen Traum zu erfüllen, wusste ich, dass ich einen neuen Weg finden muss. Ich wollte meinen eigenen Traum erfüllen. In den folgenden zwei Jahren entwickelte ich meine Geschäftsidee, eine Hobbyschule im Midwest. Ich hatte zu Hause schon lange Bier gebraut, Käse hergestellt und Brot gebacken. Aber ich musste mehr als ein Bastler sein und Erfahrungen sammeln. Weil ich an der Uni Deutsch studierte und meine Lehrerin aus der Highschool aus Tambach-Dietharz stammte, zog ich 2017 von San Francisco dorthin.

Welche Stationen sind Sie bereits durchlaufen?

Komiskey: Meine Hobbyschule wird sich auf fermentierte Lebensmittel konzentrieren. Daher begann meine Reise durch Thüringen als Bäckerpraktikant in Tambach-Dietharz. Durch die Kontakte dort hatte ich die Möglichkeit, in Mechterstädt und Waltershausen ein Fleischerpraktikum zu machen. So ging es immer weiter. Bis jetzt habe ich sechs Bäckereien, zwei Fleischereien, zwei Käsereien und eine Brauerei besucht. Ich wurde dieses Jahr Bäckermeister und suchte jetzt ganz spezifische Erfahrungen, wie etwa die Arbeit mit dem Holzback­ofen. Interessanterweise bekam ich auch Angebote aus anderen Gewerken. Obwohl sie nicht genau zu meinen Zielen passen, möchte ich diese Chance nicht verpassen. Ich freue mich auf meine kurzen Praktika als Tischler, Mälzer und Schmied.

Was gefällt Ihnen gut im Thüringer Handwerk?

Komiskey: Die Offenheit, mir Tipps und Tricks mitzuteilen. Ich habe tausende von Fragen und die Handwerker nehmen sich immer die Zeit, um sie zu beantworten. Durch die Bereitschaft zum Austausch gibt es nun Cheddar vom Ziegenhof Peter in Greußen, Peanutbutter-Buttercremetorten von der Konditorei am Rathaus Trautmann in Artern und in Zukunft auch Milk Stout vom Heimathafen in Erfurt.

Was war Ihr bisheriges Highlight im Thüringer Handwerk?

Komiskey: Das Highlight war, "Wisconsin Cheddar" herzustellen. Der US-Bundesstaat ist bekannt für Käse und Bier. Wie die "Thüringer Bratwurst" ist "Wisconsin Cheese" eine geschützte Marke. Ich hatte die Möglichkeit, auf dem Ziegenhof Peter in Greußen "Wisconsin Cheddar" aus Thüringer Waldziegenmilch herzustellen. Das ist ein Kulturaustausch!

An welche Besonderheiten mussten Sie sich erst gewöhnen?

Komiskey: Die Sprache. Der Wechsel vom redseligen Geschäftsleiter zu jemandem mit beschränktem Wortschatz war eine riesige Herausforderung. Und Thüringisch ist kein Hochdeutsch. Nach drei Monaten verstand ich endlich, was "freilich" bedeutet. Danach lernte ich, wie man in einem "Schaffen" brät und was "Gelumba" ist.

Wie lang werden Sie noch in Deutschland bleiben?

Komiskey: Mein ursprünglicher Plan war es, vier Jahre Erfahrungen zu sammeln. Nun habe ich schon Praktika bis Februar 2020 vor. Als Bäckermeister habe ich zudem die Möglichkeit, mich selbstständig zu machen. Ich ziehe die Eröffnung einer Craft Bakery in Erfurt in Erwägung. Damit könnte ich Thüringen etwas zurückgeben und den Handwerksbetrieben, bei denen ich viel gelernt habe, eine Ehre erweisen. Meine Abenteuer sind noch nicht zu Ende.

Und welche Erfahrungen Ihrer Reise nehmen Sie mit nach Hause?

Komiskey: Im Gegensatz zu einem Urlaub konnte ich die Menschen auf dieser Reise sehr gut kennenlernen. Sie sind unverwüstlich und einfallsreich. Einige von ihnen haben ganz andere Weltanschauungen, Geschichten und Ziele als ich. Diese individuellen Geschichten nehme ich mit nach Hause.

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