Noch sind die Länder Litauen, Lettland und Estland weitgehend unentdeckt. Eine achttägige Rundreise verschafft einen ersten Eindruck von ihren Schätzen
Von Christine Heilmannseder
Das Baltikum im Schnelldurchgang
Obwohl das Baltikum von deutschen Flughäfen aus nur etwa zwei Stunden entfernt ist, gilt es nicht unbedingt als beliebte Urlaubsdestination. Das ist schade, denn seit ihrer Unabhängigkeit erstrahlen nicht nur die drei Hauptstädte in neuem Glanz. Grund: Im Sommer 1989 bildeten zwei Millionen Menschen eine 600 km lange Kette, die von Vilnius bis nach Tallinn reichte und sich gegen die sowjetischen Besatzer richtete. Seit 1940 waren die baltischen Staaten Sowjetrepubliken – unterdrückt und unabhängig.
Als erster baltischer Staat erklärte Litauen 1990 seine Unabhängigkeit, Estland und Lettland folgten 1991 und die Anerkennung der drei Republiken durch die Sowjetunion folgte am 17. September des gleichen Jahres. Seit 2004 sind alle drei Länder Mitglieder der EU und die Aufbruchstimmung von damals hält bis heute an. Doch auch wenn die drei baltischen Staaten weder eine gemeinsame Geschichte noch eine gemeinsame Sprache und auch keine einheitliche Währung haben (es dauert noch ein wenig bis zur Einführung des Euro), so hören sie es nicht gerne, wenn man sie als Balten bezeichnet. Es sind die Litauer, die Letten und die Esten!
Um nun dieses weitgehend unbekannte Stück Europa erst einmal ein bisschen kennen zu lernen, könnte man vielleicht erst einmal eine Rundreise machen und schwerpunktmäßig die drei Hauptstädte besuchen. Eine achttägige Rundreise „Höhepunkte des Baltikums“ bei TUI führt vom barocken Vilnius mit seinen vielen Kirchen über die Jugendstilmetropole Riga bis nach Tallinn mit seiner faszinierenden Altstadt.
Nicht umsonst wird Vilnius 2009 europäische Kulturhauptstadt. Mehr als 1.200 Barockbauten und 48 Kirchen hat die litauische Hauptstadt, die 1323 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Obwohl man für die kopfsteingepflasterten Straßen gutes Schuhwerk haben sollte, ist eine Erkundung zu Fuß einer Stadtrundfahrt vorzuziehen. In der 1597 gegründeten Universität studieren heute 25.000 Studenten, was natürlich viel dazu beiträgt, dass die Stadt trotz ihrer altehrwürdigen Gebäude ein jugendliches Flair hat. In den noch preiswerten Cafés und Restaurants herrscht eine fröhliche Atmosphäre. Wer allerdings die wärmstens angebotene Nationalspeise „Kartoffelklöße“ probieren möchte, sollte doch wissen, dass diese – egal ob mit Fleisch oder Quark gefüllt – äußerst sättigend, fett, schwer verdaulich und gewöhnungsbedürftig sind.
30 km südwestlich von Vilnius liegt der Ort Trakai mit seiner gotischen Inselburg im Galvé-See. Die Wasserburg ist nicht nur das Wahrzeichen Litauens, sondern auch eines der attraktivsten Ausflugsziele. Die in den 50er Jahren aufwändig restaurierte Burg ist über eine lange Holzbrücke zu erreichen und beherbergt heute ein historisches Museum.
Nach zwei Übernachtungen in Vilnius geht die Rundreise weiter Richtung Riga. Einen kurzen Stopp gibt es am Berg der Kreuze, dem Symbol des katholischen Widerstands. Inzwischen sollen die Gläubigen etwa 45.000 Kreuze aufgestellt haben, obwohl die Sowjets immer wieder versucht hatten, diese zu zerstören.
Nach Überqueren der Grenze nach Lettland kann man in der Sommerresidenz der Herzöge zu Kurland – Schloss Rundale – derzeit 50 Räume sowie den „französischen Garten“ besichtigen. Das Schloss ist eines der bedeutendsten Architekturdenkmäler des Barock und Rokoko in Lettland.
In Riga angekommen gibt es – bevor man Riga überhaupt kennen lernt – die Möglichkeit, das mittelalterliche Lettland zu entdecken: Ein vierstündiger Ausflug führt in den Gauja-Nationalpark, die Stadt Sigulda, zur geheimnisvollen (aber unspektakulären) Gutmannshöhle und zu den Ruinen der Bischofsburg.
Glücklicherweise sind bei dieser Reise drei Übernachtungen in Riga vorgesehen, so dass man zusätzlich zur Stadtführung, wo das Rigaer Schloss, die Domkathedrale und Petrikirche, das Schwedentor, die Drei Brüder sowie die Große und die Kleine Gilde besichtigt werden, die Stadt noch im Alleingang erkunden kann. Auch Rigas Zentrum zählt zum Unesco-Weltkulturerbe – und das nicht nur wegen seiner vielen wunderschönen Jugendstilhäuser und der weitläufigen Parks, wo man sich während der Besichtigungen immer wieder entspannen kann.
Am besten setzt man sich im Freien in ein Café oder Restaurant und beobachtet das Leben auf den Straßen und Plätzen, wo bis spät in die Nacht kein Mensch ans Schlafengehen denkt. Bei der Abreise aus Riga wird wohl jeder Gast feststellen, dass wieder einmal zu wenig Zeit gewesen ist für alle Schönheiten. Aber man kann ja jederzeit wiederkommen, um sich dann extra viel Zeit für das Versäumte zu nehmen.
Ein kleiner Strandspaziergang im estnischen Badeort Pärnu ist gedacht als Unterbrechung der stundenlangen Anreise nach Tallinn. Glanzstück der Hauptstadt Estlands – dem früheren Reval – ist der mittelalterliche Stadtkern. Dieses Ensemble aus verschlungenen Kopfsteingassen und alten Gebäuden aus dem 11. bis 15. Jahrhundert hat die Zeiten nahezu unbeschadet überstanden, nicht nur wegen der weitgehend erhaltenen Befestigungsmauer, sondern auch wegen des Verbots brennbarer Baumaterialien. Dieser vorausschauenden Maßnahme ist es zu verdanken, dass man auch im 21. Jahrhundert den selben Kirchen, Plätzen und Türmen begegnet wie im Mittelalter. Keine Überraschung also, dass auch Tallinn seit 1997 von der Unesco auf die Liste des Weltkulturerbes gesetzt wurde.
Geschichte ist greifbar im gesamten Baltikum. Und wer sich einmal mit diesen bisher so „unpopulären“ Urlaubsländern befasst hat, kommt bestimmt wieder.
Infos zur Reise „Höhepunkte des Baltikums“ unter www.tui.de oder in allen guten Reisebüros