Im Handwerk denken viele die Frage, kaum jemand spricht sie offen aus: Verträgt sich ein teures Auto des Inhabers mit der Stimmung im Team? Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erklärt in ihrer DHZ-Kolumne, warum sichtbarer Erfolg legitim ist – und wie Betriebsinhaber Unruhe vermeiden, ohne sich kleiner zu machen.

In einem Podcast hat mir jemand eine Frage gestellt, die viele im Handwerk denken, aber kaum jemand offen ausspricht: Darf ein Betriebsinhaber ein teures Auto fahren oder sollte er lieber bewusst bescheiden auftreten, damit im Team kein Neid entsteht?
Meine Antwort im Podcast war klar: "Fahr das Auto, das du fahren willst."
Und genau dabei bleibe ich. In Ihrer Rolle als Unternehmerin oder Unternehmer tragen Sie eine Verantwortung, die sich nicht mit der einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters vergleichen lässt. Mitarbeiter erfüllen ihren Arbeitsvertrag und gehen danach nach Hause. Sie hingegen entscheiden über Investitionen, stehen für Fehler gerade, tragen wirtschaftliche Risiken und sorgen dafür, dass am Monatsende alle ihr Geld bekommen.
Darum ist es legitim, unternehmerischen Erfolg nach außen zu tragen
Diese Verantwortung endet nicht am Werkstor, und sie lässt sich auch nicht auf eine Stundenanzahl begrenzen. Viele von Ihnen arbeiten deutlich mehr als 40 Stunden und haben trotzdem das Gefühl, dass es nie ganz reicht – weil immer noch eine Entscheidung offen ist oder die nächste Herausforderung bereits wartet.

Während andere ihren Feierabend planen oder den nächsten Urlaub buchen, bleibt bei Ihnen oft genau das auf der Strecke. Sie verschieben Zeit mit der Familie, verkürzen Urlaube oder nehmen sie gar nicht erst, weil der Betrieb weiterlaufen muss und jemand die Verantwortung tragen muss.
Deshalb ist es legitim, unternehmerischen Erfolg auch sichtbar zu machen. Nicht als Demonstration, sondern als Ergebnis von Verantwortung, Einsatz und oft auch persönlichem Verzicht.
Sprechen Sie darüber, was Sie leisten
Und trotzdem entsteht in manchen Teams genau an dieser Stelle Unruhe. Nicht weil das Auto das Problem ist, sondern weil das Verständnis dafür fehlt.
Wenn Mitarbeiter nicht wissen, was im Hintergrund geschieht, entsteht schnell ein schiefes Bild. Dann wirkt ein sichtbarer Erfolg wie ein Luxus, der auf ihre Kosten geht, obwohl er in Wirklichkeit das Ergebnis von Entscheidungen ist, die jeden Tag für die Stabilität des Betriebs und damit auch für die Sicherheit der Arbeitsplätze sorgen.
Genau hier liegt Ihre Aufgabe. Nicht, indem Sie sich kleiner machen, sondern indem Sie klarer werden. Sprechen Sie darüber, wo Sie Verantwortung tragen, welche Entscheidungen Sie treffen müssen und was es bedeutet, einen Betrieb durch gute und durch schwierige Zeiten zu führen. Nicht als Rechtfertigung, sondern als Einordnung.
Denn Sicherheit für Mitarbeiter entsteht nicht von selbst. Sie entsteht, weil jemand bereit ist, mehr zu tragen als die eigene Aufgabe. Und genau darauf dürfen Sie stolz sein. Auch dann, wenn dieser Stolz auf vier Rädern vorfährt.
Die Kolumne "Aus dem Handwerk, für das Handwerk" von Steinmetzmeisterin Kathrin Post-Isenberg erscheint jeden Donnerstag exklusiv in der Deutschen Handwerks Zeitung (DHZ). Melden Sie sich für den kostenlosen DHZ-Newsletter an, um keine Ausgabe zu verpassen.