Bäcker startet Hilfsaktion Dank Bäckermeister: Ukrainische Großfamilie findet neues Zuhause

Hilflosigkeit. Dieses Gefühl machte sich bei Bäckermeister Ingmar Krimmer breit, als er von dem Angriff Russlands auf die Ukraine hörte. Die Meldungen, die Bilder, sie beschäftigten ihn. Er überlegte nicht lange und startete eine Hilfsaktion für eine zehnköpfige Familie aus Odessa.

Gemeinsames Essen
Bis die Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren, lebte die geflüchtete Familie gemeinsam mit Krimmers unter einem Dach. Da ging es auch mal laut und chaotisch zu. Aber auch sehr fröhlich. - © privat

Als der Bäckermeister aus Untermünkheim im Mitteilungsblatt der Gemeinde las, dass Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine gesucht wird, war für ihn klar, was zu tun ist. Er hatte schon vor einiger Zeit ein Haus neben seinem Betrieb erworben, um die Möglichkeit zu haben, sich zu vergrößern. Aktuell stand es jedoch leer. Er bot das Haus der Gemeinde an. Sie verwies ihn an eine private Initiative, da es zu diesem Zeitpunkt noch keinen Bedarf in Untermünkheim gab. Und dann ging alles ganz schnell.

Platz für Großfamilie

Eine zehnköpfige Familie aus Odessa, die in Freiburg in einer Flüchtlingsunterkunft untergebracht war, suchte dringend ein neues Zuhause. Die Eltern und ihre acht Kinder, eines davon erst wenige Wochen alt, waren über Polen nach Deutschland geflohen. Sie hatten Ende Februar innerhalb von zehn Minuten entschieden, ihre Heimat zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Wenn man die Geschichte der Familie hört, relativieren sich einige Probleme, die man meint zu haben.

Ingmar Krimmer, Bäckermeister

Als die Familie von Krimmers Angebot erfuhr, machte sie sich schon einen Tag später auf den Weg nach Untermünkheim, um sich vorzustellen und das Haus zu begutachten. "Es musste aber erstmal renoviert werden, bevor da jemand einziehen konnte. Der Familie noch weitere Wochen die Unterkunft in Freiburg zuzumuten, ohne jede Privatsphäre, das wollte ich aber nicht", so Krimmer. Also verzichteten er, seine Frau und seine drei Kinder auf Privatsphäre und luden Familie Perepech ein, bei ihnen im Haus zu wohnen, bis das andere Haus bewohnbar war. "Wir haben die Zimmer der Kinder freigeräumt. Sie sind noch klein. Sie verbringen eh wenig Zeit darin", erzählt Krimmer. Um das Haus herzurichten, benötigte Krimmer nun dringend Hilfe.

Enorme Hilfsbereitschaft

"Ich startete einen Aufruf auf meinem Instagram-Kanal. Innerhalb kürzester Zeit hatten wir die Zusagen für eine kostenlose Küche, Möbel, Tapeten und Bodenbeläge. Und zig Leute boten an, beim Renovieren zu helfen. Mit so einer Resonanz hatte ich nicht gerechnet, es war wirklich überwältigend", berichtet Krimmer. Gleichzeitig musste seine Bäckerei weiterlaufen und seine Frau hatte zuhause alle Hände voll zu tun. "Es gab viel zu organisieren. Auch mit Ämtern. Das war schon eine Herausforderung", gibt Krimmer zu. "Aber am Ende hat sich alles toll gefügt. An einem Samstag, als besonders viele Helfer eingeplant waren, hat uns sogar jemand Pulled Pork vorbeigebracht."

Neustart in Deutschland

Nach sechs Wochen war es so weit. Familie Perepech konnte einziehen. "Einerseits waren wir natürlich froh, dass wieder etwas Ruhe zuhause einkehrte. Andererseits war es auch schön, mit vielen Menschen an einem Tisch zu sitzen und gemeinsam zu essen. Vor allem unsere Kinder haben das sehr genossen", erzählt Krimmer. Er hat auch noch nach dem Auszug Kontakt zur Familie. Er weiß, dass seine neuen Nachbarn gut angekommen sind in Deutschland: "Die Kinder besuchen Schulen, Kindergärten und gehen auch zum Fußball. Der Vater der Familie, der gelernter Klempner ist, arbeitet bei einem Sanitär-Betrieb in Schwäbisch Hall."