Infrastruktur Initiative kämpft für mehr Investitionen

Um die marode Infrastruktur in Deutschland wiederzubeleben, müssten mehr als sieben Milliarden Euro jährlich in die Verkehrsnetze und rund 20 Milliarden in neue Stromleitungen fließen. Mit einer Allianz aus Firmen, Verbänden und Gewerkschaften wirbt die neugegründete "Initiative für eine zukunftsfähige Infrastruktur" (INFRA) nun dafür, den Standort Deutschland nicht zu vernachlässigen.

Rocco Thiede

Von einer funktionierenden Infrastruktur ist jeder Handwerker unmittelbar betroffen, ob als Nutzer von Straßen oder potenzieller Auftragnehmer. Doch die Straßen bröckeln und die Stromnetze sind marode. - © Foto: line-of-sight/Fotolia

"Deutschlands Straßen zerbröseln", schrieb kürzlich Professor Hans-Werner Sinn, Präsident des Münchner ifo-Instituts in der "Wirtschaftswoche". In dieses Bild passt auch die gigantische Zahl von zusätzlichen 7,2 Mrd. Euro, die jährlich dazu benötigt werden um Deutschlands Straßen, Schienenwege und Wasserstraßen wieder in Schuss zu bringen.

Dieser immense finanzielle Aufwand wurde von einem Kenner der Materie ermittelt: Karl-Heinz Daehre, ehemaliger Minister für Landesentwicklung, Bau, Verkehr, Raumordnung, und Städtebau des Landes Sachsen-Anhalt und Berater der Bundesregierung.

Und wer dann auch noch die Berechnungen der Bundesnetzagentur im Hinterkopf hat, dass der deutsche Steuerzahler rund 20 Milliarden Euro aufbringen muss, um bis zum Jahr 2020 die rund 2.900 Kilometer bestehenden Stromleitungen zu verstärken und 2.800 Kilometer neu zu bauen, weiß, dass die Politik und öffentliche Hand in der Pflicht stehen mehr für unsere Infrastruktur in Deutschland zu unternehmen. Jeder Handwerker und seine Zunft ist von einer funktionierenden Infrastruktur unmittelbar betroffen, ob als Nutzer von Straßen, Strom und Schiene und natürlich als potenzieller Auftragnehmer und Dienstleister.

Entscheidungsfaktor für den Standort Deutschland

Vor diesem Hintergrund lud der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) sowie die neugegründete "Initiative für eine zukunftsfähige Infrastruktur" (INFRA) am Mittwochabend zu einem Hintergrundgespräch in Berlin über den Zustand der Verkehrs- und Energieinfrastruktur in Deutschland ein. "Eine funktionierende Infrastruktur ist das Rückrat unserer Sozialsysteme und damit ein Entscheidungsfaktor für den Standort Deutschland", sagt Oliver Wolff, VDV-Hauptgeschäftsführer und Initiator der neuen Initiative, der sich bisher gut 50 Unternehmen angeschlossen haben.

Mit einer Allianz aus Firmen, Verbänden und Gewerkschaften "möchten wir das Bewusstsein in der Bevölkerung verändern und werden mit Werbung an eine breite Öffentlichkeit treten", verkündete Wolff. Im ersten Jahr sind für die auf sieben Jahre angelegte Kampagne 3 bis 3,5 Millionen Euro geplant. Dabei wird das ganze Spektrum der Infrastruktur in den Fokus genommen: vom Ausbau des Schienennetzes über Debatten um den Schallschutz bis zum öffentlichen Personennahverkehr.

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"Für uns geht es dabei auch um die Sicherung von Arbeitsplätzen und einen bezahlbaren Nahverkehr", sagte Christine Behle, Mitglied des ver.di-Bundesvorstands und Partnerin der neuen Initiative, die mit dem Motto wirbt: "Damit Deutschland vorne bleibt."

Den Initiatoren von INFRA ist dabei bewusst, "dass wir die Haushalts- und Finanzpolitiker für unsere Interessen ins Boot holen müssen", stellte Jürgen Fenske, Vorstandsvorsitzender der Kölner Verkehrsbetriebe AG und VDV-Präsident heraus. Infrastruktur sei für viele Menschen "ein sperriges Thema und uns fehlen nicht Daten und Fakten, sondern Umsetzungen", sagte Fenske.

Eigenes Internetportal gestartet

Um den Bürgern und interessierten Unternehmen die Fakten und Hintergründe näher zu bringen wurde "ein eigenes Internetportal gestartet und der virtuelle Kollege Max Mobilisator engagiert, der erklärt, wie wichtig die Infrastruktur auch mit Blick auf demographische Veränderungen ist", stellte Fenske heraus, der bei diesem Thema einen parteiübergreifenden Konsens sieht.

Letztendlich möchte man auch "den negativen Meldungen der vergangenen Monate um die Großprojekte des Bahnhofs Stuttgart 21, die Elbphilharmonie in Hamburg oder dem Hauptstadtflughafen BER positive Nachrichten entgegensetzen", sagte Heiko Stiepelmann, stellvertretender Geschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie e.V. und er ergänzte: "Wir müssen den Bürger mitnehmen sonst nützen das beste Lobbying und die beste Kampagne nichts".

Weitere Informationen gibt es unter damit-deutschland-vorne-bleibt.de .