Zetsche und Kretschmann wollen auf nachhaltige Technik setzen Daimler weiht neue Klimakanäle ein

So nah kamen sich führende Vertreter von Daimler und der baden-württembergischen Landesregierung nach der Landtagswahl wohl noch nicht: Drei Hände liegen übereinander und drücken zusammen einen roten Knopf. Es sind die Hände von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche und von Forschungsvorstand Thomas Weber.

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Daimler weiht neue Klimakanäle ein

Sindelfingen (dapd). So nah kamen sich führende Vertreter von Daimler und der baden-württembergischen Landesregierung nach der Landtagswahl wohl noch nicht: Drei Hände liegen übereinander und drücken zusammen einen roten Knopf. Es sind die Hände von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne), von Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche und von Forschungsvorstand Thomas Weber. Sie geben damit am Montag das Signal für die Einweihung der neuen 150 Millionen Euro teuren Klimakanäle des Konzerns am Standort Sindelfingen.

Kretschmann lobt den Autobauer für sein Engagement in Sindelfingen: "Hier wird am Automobil des 21. Jahrhunderts getüftelt". Zetsche bedankt sich mit einem klaren Bekenntnis zum Standort Baden-Württemberg: In der Heimat des Automobils wolle der Konzern auch dessen Zukunft gestalten, sagt der Vorstandsvorsitzende. Der Autobauer Daimler und die grün-rote Landesregierung proben demonstrativ den Schulterschluss.

Ein deutliches Signal nach einem holprigen Start. Kretschmann hatte kurz nach der Wahl für Irritationen bei der heimischen Autoindustrie gesorgt. Er sagte im April, dass weniger Autos besser seien als mehr - ausgerechnet in einem Bundesland, in dem die Automobilindustrie die zweitstärkste Branche nach dem Maschinenbau ist und für sich in Anspruch nimmt, das Automobil erfunden zu haben.

Bei diesem gemeinsamen Termin in der Öffentlichkeit zeigen Kretschmann und Zetsche, dass sie an einem Strang ziehen wollen. "Wir haben uns darauf verständigt, dass wir beide mehr davon haben, wenn wir einen gemeinsamen Weg gehen", versichert Zetsche. "Wir werden unsere Autos so grün machen, dass die Konkurrenz gelb wird vor Neid", fügt er hinzu. Auch die neuen Klimakanäle trügen ihren Teil dazu bei.

Wie das geht, führt der Leiter Gesamtfahrzeug, Ulrich Wellinghoff, in einer Videoschaltung vor den geladenen Gästen vor. Zunächst geht er in den Kältekanal, der auf bis zu minus 40 Grad Celsius gekühlt werden kann. Dort lässt er eine mit Wasserstoff betriebene B-Klasse bei minus zwölf Grad anspringen.

Im Wärmekanal nur wenige Meter weiter ist es sengend heiß. Hier führt Wellinghoff ein intelligentes Dachsystem vor, dass sich bei erhöhter Sonneneinstrahlung abdunkelt. Für die Überprüfung eines Fahrzeugs unter extremen Klimabedingungen habe Mercedes-Benz bisher 14 Tage gebraucht. "Jetzt schaffen wir das in 14 Stunden", sagt Wellinghoff. So werde auch CO2 eingespart, weil für die Tests nicht mehr so viel gereist werden müsse.

Das gefällt auch dem Grünen-Politiker Kretschmann. "Wenn Daimler bessere Autos baut, habe ich nichts dagegen, wenn sie mehr verkaufen", sagt er. An seinem kritisierten Satz habe er nichts zurückzunehmen, stellt er allerdings klar. Es brauche weniger Autos. "Sonst können wir die Staus nicht bewältigen."

Für die Mobilität von Morgen wolle er in einer Plattform "Nachhaltige Mobilität" Land, Kommunen, Autoindustrie, Zulieferer und Wissenschaft zusammenbringen. Das Land könne den Unternehmen helfen, indem es in "Bildung, Bildung, Bildung" investiere.

Dass so der Ingenieurnachwuchs gesichert werden soll, freut Zetsche. Trotz demonstrativer Nähe zeigt sich aber: Es bleibt noch viel Gesprächsstoff für Politik und Autobauer. Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel, bis 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren zu haben, werde unter den jetzigen Rahmenbedingungen nicht erreicht, kritisiert Zetsche. Konkrete Forderungen nennt er allerdings nicht.

dapd