Tankstellennetz soll verdreifacht werden - Autobauer steigt ab 2014 in Serienproduktion ein Daimler und Linde wollen Brennstoffzellentechnologie ausbauen

Mit der Rückkehr von drei Brennstoffzellenfahrzeugen nach einer Weltumrundung sehen der Automobilbauer Daimler und der Industriegase-Hersteller Linde die Zeit für den Ausbau der Technologie in Deutschland gekommen.

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Daimler und Linde wollen Brennstoffzellentechnologie ausbauen

Stuttgart (dapd). Mit der Rückkehr von drei Brennstoffzellenfahrzeugen nach einer Weltumrundung sehen der Automobilbauer Daimler und der Industriegase-Hersteller Linde die Zeit für den Ausbau der Technologie in Deutschland gekommen. Die beiden Unternehmen wollen in den kommenden drei Jahren 20 neue Wasserstofftankstellen zur Befüllung der Fahrzeuge errichten und damit das bestehende Netz verdreifachen, wie beide Unternehmen am Mittwoch auf einer Veranstaltung in Stuttgart ankündigten.

Ab 2014 will Daimler dann früher als bisher geplant in die Serienproduktion von Brennstoffzellenfahrzeugen einsteigen. Über die genaue Stückzahl sowie Kosten der Autos wollte der Konzern keine näheren Angaben machen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, Deutschland könne bei der Technologie weltweit zum Vorreiter werden. "Das ist ein Meilenstein im weltweiten Wettlauf um Elektromobilität", sagte er. Dafür nimmt das Unternehmen viel Geld in die Hand. Alleine der Aufbau des Tankstellennetzes kostet den Angaben nach etwa 20 Millionen Euro. In die Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie investierte Daimler bisher etwa eine Milliarde Euro.

Drei mit Brennstoffzellen angetriebene Mercedes-Fahrzeuge waren am Mittwoch nach einer Weltumrundung in Stuttgart eingetroffen und haben damit nach den Worten Zetsches die Reife der Technologie bewiesen. Die B-Klasse-Wagen waren im Januar in Stuttgart gestartet, um die Qualitäten der Brennstoffzellentechnik zu demonstrieren. Seitdem haben sie laut Daimler mehr als 30.000 Kilometer zurückgelegt und dabei 14 Länder auf vier Kontinenten durchquert.

Die Branche schätzt den Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes als Schlüssel für den Markterfolg von Brennstoffzellenfahrzeugen ein. Laut Daimler gibt es bisher lediglich 200 Tankstellen weltweit. In Deutschland sei ein Netz von 1.000 Tankstellen ausreichend.

Wegen des fehlenden Tankstellennetzes versorgte eine mobile Betankungsanlage des Industriegase-Herstellers Linde die Testfahrzeuge bei ihrer Tour mit Wasserstoff.

Linde-Vorstandsmitglied Andreas Opfermann sagte, damit gäben die Unternehmen den Startschuss für etwas, das den gordischen Knoten platzen lassen werde. Auch Zetsche hatte betont, es müsse endlich Schluss sein mit unproduktiven Debatten, ob erst die Fahrzeuge oder erst die Infrastruktur hergestellt werden müssten.

Daimler-Forschungsvorstand Thomas Weber sagte, das sei ein deutliches Zeichen der Industrie. Er gehe davon aus, dass die Politik über entsprechende flankierende Rahmenbedingungen und Kostenbeiträge ihren Anteil bei der Einführung von Brennstoffzellenautos leisten werde.

Laut Weber sind die Autos "sauber, robust und alltagstauglich". Kälte und Hitze seien kein Problem. Die Betankung erfolge innerhalb von drei Minuten, ein Vorteil gegenüber dem Elektroauto, ebenso wie die größere Reichweite von 400 Kilometern mit einer Tankfüllung.

Bei Brennstoffzellenfahrzeugen wird Wasserstoff in Strom umgewandelt. Dieser treibt den Elektromotor des Autos an. Aus dem Auspuff kommt Wasserdampf.

dapd