In kurzen Abständen rollen Dänen mit ihren Einkaufswagen über den Parkplatz eines großen Einkaufszentrums im schleswig-holsteinischen Handewitt. Nicht selten stapeln sich darauf ein Dutzend oder mehr Paletten mit Dosenbier. "Das Bier in Kopenhagen ist etwa doppelt so teuer - wenn man eine billige Sorte nimmt", sagt Alexander Bengtsen.
Dänische Kaufkraft in Flensburg beliebt
Flensburg (dapd). In kurzen Abständen rollen Dänen mit ihren Einkaufswagen über den Parkplatz eines großen Einkaufszentrums im schleswig-holsteinischen Handewitt. Nicht selten stapeln sich darauf ein Dutzend oder mehr Paletten mit Dosenbier. "Das Bier in Kopenhagen ist etwa doppelt so teuer - wenn man eine billige Sorte nimmt", sagt Alexander Bengtsen. Palette für Palette wird in seinem dänischen Kleinwagen verstaut. Auf ihrem Weg in die Heimat steuern viele Dänen das nahe der Autobahn 7 bei Flensburg gelegene Einkaufszentrum an.
Noch brauchen sie an der wenige Kilometer nördlich gelegenen Grenze keine Kontrollen und Wartezeiten zu fürchten. Das soll sich nach dem Willen der dänischen Regierung jedoch bald ändern. In wenigen Wochen sollen trotz Schengen-Abkommen wieder Zollkontrollen an der deutsch-dänischen Grenze eingeführt werden.
Täglich kaufen Tausende Dänen in Deutschland ein. Auf ihrem Einkaufszettel stehen dabei aber schon lange nicht mehr nur Bier und Spirituosen, sondern auch Dienstleistungen. "Die anderen Warenbereiche nehmen deutlich zu", sagt Flensburgs Oberbürgermeister Simon Faber (SSW). Dänen kämen in zunehmendem Maße auch zum Zahnarztbesuch in die Fördestadt oder ließen ihren Wagen in einer hiesigen Werkstatt inspizieren.
Gut 500 Millionen Euro setzen allein die 21 in der Interessengemeinschaft der Grenzhändler (IGG) organisierten Unternehmen im nördlichen Schleswig-Holstein nach Verbandsangaben jährlich um. Er kaufe regelmäßig im wenige Kilometer hinter der Grenze gelegenen Süderlügum ein, sagt Lian Petersen aus dem dänischen Odense. "Alles was billig ist, auch viele Haushaltsartikel." Die von der Kopenhagener Regierung geplanten Kontrollen nennt er schlicht "Wahnsinn".
Auch Kim Telefsen lehnt den Schritt ab. "Das ist nicht richtig, wir sind in der EU", sagt der Däne. Er glaubt, dass die Ankündigung mit den bevorstehenden Wahlen in seinem Heimatland zu tun hat. Verständnis für die geplanten Kontrollen hat dagegen Jan Breum. "Das ist ok", sagt der 59-Jährige. Der Silkeborger selbst kauft nach eigenen Angaben alle paar Monate in Deutschland ein.
Flensburgs Oberbürgermeister Faber begrüßt die dänischen Planungen zu Zoll-Kontrollen zwar nicht, sieht den möglichen Auswirkungen aber gelassen entgegen. "Ich denke, das wird dem Handel keinen nennenswerten Abbruch tun", sagt er. In den Flensburger Geschäften sind die nordischen Nachbarn gern gesehene Gäste. "Sie bringen im Schnitt 30 Prozent mehr Kaufkraft mit zum Innenstadt-Bummel als vergleichbare deutsche Kunden", sagt Faber.
Nach Ansicht Fabers wird die gegenwärtige Diskussion auf dänischer Seite wesentlich gelassener als in Deutschland betrachtet. In Dänemark gebe es in dieser Frage "einen sehr breiten Konsens", sagt der Verwaltungschef. Der Chef der Grenzhändler-Vertretung IGG, Erik Holm Jensen, gibt sich in dieser Frage diplomatisch. "Unser Grenzhandel mit frei nach Dänemark einführbaren Waren und die daraus erwirtschafteten Umsätze dürfen und dürften durch eine derartige Grenzkontrolle nicht beeinträchtigt werden", sagt er.
dapd
