Energiewende Dachdecker: Studie zu Klima-Jobs verfehlt Realität

Auch Kompetenzlücken bei Handwerkern gefährden die Energiewende. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung. Der Dachdeckerverband weist diese nun entschieden zurück: Dachdecker seien bestens auf die Herausforderungen der Energiewende vorbereitet.

Dachdecker beim Aufbau einer Photovoltaikanlage auf einem neu gedeckten Ziegeldach: Das Schienensystem ist montiert und die Paneele werden an den Verlegeort getragen.
Nicht jeder Dachdecker ist für die Installation einer PV-Anlage qualifiziert. Diese Aussage einer neuen Studie weist der Dachdeckerverband zurück. - © Hermann - stock.adobe.com

Nicht nur der Handwerkermangel, sondern auch Kompetenzlücken bei den Fachkräften gefährden die Energiewende. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie der Bertelsmann-Stiftung (die Deutsche Handwerks Zeitung berichtete). Der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH) weist die Studienergebnisse nun entschieden zurück. Der Grund: Die darin geäußerte Behauptung, dass Dachdecker und Dachdeckerinnen nicht automatisch für die Installation von Photovoltaik (PV)-Anlagen qualifiziert seien und zusätzliche Kompetenzen erwerben müssten, entspreche nicht der Realität im Dachdeckerhandwerk.

Nicht jeder Dachdecker könne automatisch PV-Anlagen installieren

In der Studie heißt es unter anderem: Wer gekonnt Einfamilienhäuser mit Dachpfannen bestückt, kann nicht automatisch auch PV-Anlagen auf dem Dach installieren. Dabei werde jeder vierte Dachdecker von Solarunternehmen gesucht, wie eine Auswertung der Stiftung von 2,7 Millionen Online-Stellenanzeigen ergeben hat. 

"Die Studie verkennt die Realität in unserem Handwerk. Die Kompetenz zur Installation von PV-Anlagen ist bereits seit Jahren fester Bestandteil unserer Ausbildung und wird kontinuierlich weiterentwickelt," betont Jan Voges, Vizepräsident des ZVDH. Die Ausbildungsordnung des Dachdeckerhandwerks beinhaltete die Vermittlung von Kenntnissen und Fähigkeiten zur Montage von PV-Anlagen für jeden Auszubildenden im Dachdeckerhandwerk. Überdies eröffne die Ausbildungsverordnung seit 2016 die Möglichkeit, sich im Rahmen der Auswahl eines Schwerpunktes auf das Thema Energietechnik zu konzentrieren. Mit dem speziell dafür entwickelten Modul "Energietechnik an Dach und Wand" würden Auszubildende umfassend auf die Herausforderungen der Energiewende vorbereitet. Diese Qualifikation werde darüber hinaus in der Meisterausbildung vertieft.

Zudem gibt es das Weiterbildungsangebot zum ZVDH-zertifizierten PV-Manager, bei dem laut Verbandsangaben bereits über 3.500 Dachdeckerbetriebe geschult wurden – dies entspreche etwa der Hälfte aller Innungsbetriebe. "Unsere Photovoltaik-Manager sind bestens für die wachsenden Anforderungen der Branche qualifiziert. Die Aussage, dass es keine eigenständige Ausbildung zur Montage von PV-Modulen gibt, ist schlichtweg falsch," so Voges weiter.

Fragwürdige Methodik

Der ZVDH kritisiert zudem die Methodik der Forscher. Die Studie der Bertelsmann-Stiftung basiere auf einer computerlinguistischen Analyse von Online-Stellenanzeigen, um auf Kompetenzbedarfe zu schließen. "Aus unserer Sicht sind die Ergebnisse unzutreffend, was auch an der fragwürdigen Methodik der Studie liegen könnte. Dass der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks nicht in den Expertenrat einbezogen wurde, ist zudem mehr als bedauerlich," kritisiert Voges. ew