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Finanzierungsmöglichkeiten für Betriebsinhaber Crowdfunding: Wie es funktioniert und welche Anbieter es gibt

Für viele Handwerksbetriebe ist es momentan schwierig einen Kredit bei ihrer Hausbank zu bekommen. Crowdfunding kann eine Lösung sein – auch in der aktuellen Krise. Ein Überblick über Anbieter und Finanzierungsformen.

Bei Gründern ist Crowdfunding, zu Deutsch: Schwarmfinanzierung, schon lange eine beliebte Alternative zum klassischen Kredit. Und nach und nach interessieren sich auch immer mehr etablierte Unternehmen für das Konzept, bei dem Privatinvestoren über Online-Plattformen Geld für Unternehmen bereitstellen – auch im Handwerk. Die Kreditalternative aus dem Netz entwickelt sich damit zunehmend zur Konkurrenz zur Bankenwelt. Allerdings: Die Branche ist auch noch immer stark in Bewegung.

Bekannte Anbieter der ersten Stunde wie Smava oder Lendico haben sich mittlerweile ganz von dem Konzept der Schwarmfinanzierung verabschiedet und Anfang des Jahres zog sich auch funding circle zurück. Durchaus ein Rückschlag, wie Michel Harms, Betreiber der Informationsseite crowdfunding.de und Kenner der Szene einräumt. Erst 2015 hatte das britische Unternehmen ein großes Büro in Berlin eröffnet und viel Geld in den deutschen Crowdfunding-Markt investiert. Künftig fungiert man nur noch als Kreditvermittler und bringt jetzt Unternehmen mit Finanzierungsbedarf mit spezialisierten Anbietern zusammen.

Der Markt wächst kontinuierlich

Trotzdem aber, betont Harms, wächst der Markt weiterhin und in den letzten Jahren sind auch einige neue Anbieter hinzugekommen – auch mit ganz neuen Konzepten. So zum Beispiel das Frankfurter Unternehmen CrowdDesk, das nicht mehr mit einer eigenen Plattform arbeitet, sondern Kreditsuchenden eine Software zur Verfügung stellt, mit der sie selbst Kapital einsammeln können. Eine Idee, die laut Unternehmenssprecher Christoph Daniel, gerade für das Handwerk interessant ist, denn so können lokale Betriebe rechtssicher ihr eigenes Netzwerk, also beispielsweise Kunden oder Lieferanten, zur Kapitalbeschaffung nutzen.

Allerdings: Nicht alle Portale sind uneingeschränkt für das Handwerk geeignet, beispielsweise weil sie nur einzelne Branchen oder Gruppen, wie Gründer, ansprechen, erst bei sehr hohen Beträgen einsteigen – oder nur bestimmte Finanzierungsarten abdecken. Hier den Überblick zu behalten, ist nicht immer ganz einfach.

Crowdfunding: Diese 4 Formen gibt es 

Die Fachwelt unterscheidet im Wesentlichen vier Formen des Crowdfunding:

1. Crowd Donation

Die erste Form des Crowdfunding ist das sogenannte Spenden-Crowdfunding, ursprünglich als Crowd Donation bezeichnet. Hier erhalten die Geldgeber allenfalls eine ideelle Gegenleistung. Genutzt wird diese Form hauptsächlich im sozialen Bereich und ist für das Handwerk dementsprechend uninteressant.

2. Reward Based Crowdfunding

Die zweite Form ist Reward Based Crowdfunding, oder auch das klassische Crowdfunding. Hier erhalten die Unterstützer ebenfalls keine finanzielle Gegenleistung, werden aber in Form von Waren/Gutscheinen entschädigt. Im weitesten Sinne handelt es sich also um eine Art Vorverkauf. Experten halten dieses Finanzierungsmodell daher gerade fürs produzierende Handwerk für gut geeignet und es gibt auch durchaus erfolgreiche Beispiele. Allerdings ist diese Form der Geldbeschaffung bei weitem nicht so bekannt wie die anderen Ansätze.

3. Crowdlending

Anfangs den größten Anteil am Schwarmgeschäft hatte die dritte Form der Schwarmfinanzierung, das klassische Kreditgeschäft. Bekannt ist es unter der Bezeichnung Crowdlending, wird aber auch als P2P-Kredit (Peer to Peer) bezeichnet. Ein Konzept, das ebenfalls gut für das Handwerk geeignet ist, wie Experte Harms betont. Hier stellt die Crowd die benötigte Summe über eine feste Laufzeit und zu einem vereinbarten Zins zur Verfügung.

4. Crowdinvesting

Inzwischen findet hier jedoch eine Verschiebung des Marktes statt und die vierte Form des Crowdfunding gewinnt immer mehr an Bedeutung.   Crowdinvesting. Dabei wird die Crowd finanziell am Projekterfolg beteiligt. Die Mikro-Investitionen haben eigenkapitalähnlichen Charakter. „Aktuell“, erläutert Harms, „laufen Crowdinvestments in Deutschland meist über nachrangige Darlehen. Ganze 1,1 Milliarden Euro, so weist der aktuelle Crowdinvest-Marktreport aus, wurden von 2011 bis Ende 2019 in deutsche Projekte investiert, davon allein 422 Millionen Euro im letzten Jahr.

Auch diese Form kann für das Handwerk sehr interessant sein, wie nicht nur Susanne Stock von Innovestment betont. Der Grund: „Unsere Anlegerinnen und Anleger sind interessiert an guten Geschichten hinter den Unternehmen. Gerade die Inhaberinnen und Inhaber von Handwerksbetrieben haben häufig sehr spannende Beweggründe für ihr Vorhaben und verfolgen ihre Projekte mit großer Leidenschaft.“  Wie auch bei anderen Anbietern sieht man gerade im Handwerk noch großes Potential.

Mit Crowdfunding einfacherer an Kredite

Auch und gerade weil für alle Crowdfunding-Formen gilt, dass die Vergabekriterien andere sind als beim klassischen Bankgeschäft. Zwar betonen alle Crowdfinanzierer, dass auch sie ihre Kreditnehmer durchleuchten und strengen Bonitätsprüfungen unterziehen. Dennoch sorgen Kreditmarktplätze dafür, dass deutlich mehr Menschen Zugang zu Krediten bekommen als dies über die Banken der Fall wäre, so das Ergebnis einer Studie der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse.

Und dafür gibt es gleich zwei Gründe. Zum einen ist es einfacher, unter Gleichgesinnten auf Verständnis (und damit Geld) zu stoßen als bei anonymen Banken. Im Klartext: Wer selbst einen Handwerksbetrieb führt und die Abläufe kennt, kann auch die Risiken realistisch einschätzen, warum die Schufaauskunft nicht so gut ist – und investiert trotzdem.

Crowdfunding-Anbieter wissen oft mehr als Banken 

Zum anderen haben die technisch hochgerüsteten und automatisierten Onlineportale auch deutlich erweiterte Möglichkeiten, die Bonität von Kreditnehmern zu ermitteln. auxmoney hat sogar ein spezielles Verfahren entwickelt, das die Schufa ergänzt und das herkömmliche Rating ausweitet. Der Vorteil für die Kunden: Standardisierte Kreditausschlüsse von Selbständigen oder Gründern gibt es bei auxmoney nicht. Das bedeutet, anfangs fallen deutlich weniger Interessenten raus. Die Verbliebenen werden dann aber genauer angeguckt.

Crowdfunding beliebt bei Selbstständigen

Anfangs gab auxmoney seine Kredite nur an Privatpersonen aus. Die internen Auswertungen zeigen jedoch, dass etwa ein Drittel aller Anträge von Selbständigen kommen und etwa 40 Prozent des Kreditvolumens für gewerbliche Zwecke genutzt werden. Das ist auch weiterhin möglich, bis 50.000 Euro gibt können Privatpersonen über die Crowd ausleihen.

Inzwischen wendet sich auxmoney jedoch auch direkt an Unternehmen und zählt hier gerade auch Handwerksbetriebe zur Zielgruppe, die Maschinen, Werkzeuge oder Rohmaterial finanzieren möchten. Das Geld hierfür sammelt allerdings man allerdings nicht mehr mehr nur durch Privatpersonen ein. Finanzierungspartner sind auch Banken und Fintechs. Insgesamt zahlte auxmoney 2018 Kredite mit einem Gesamtvolumen von 551 Millionen Euro aus, die Höhe der Privatkredite belief sich dabei im Schnitt auf rund 8.000 Euro.

Insgesamt ist die Bankenkonkurrenz aus dem Netz gerade für kleine und mittelständische Unternehmen nur von Vorteil, darin sind sich eigentlich alle Experten einig. Sie haben einen schnelleren Zugang, können vergleichen und kommen in sehr vielen Fällen auch günstiger an Geld als früher. Wer bei den Banken durchfiel, konnte früher allenfalls den Dispo überziehen oder die Kreditkarte belasten, jetzt gibt es deutlich zinsgünstigere Alternativen.

Fast alle Anbieter stellen sich derzeit zudem auch auf Corona-Anfragen ein, entweder durch spezielle Informationen zu den Fördermöglichkeiten oder sogar durch Sonderkonditionen. Bei CrowdDesk beispielweise gibt es das kleines Paket derzeit sogar kostenlos.

Crowdfunding-Anbieter im Überblick

Plattform Zielgruppe Nettokreditsumme Nominalzins / Laufzeiten Voraussetzungen Gebühren
auxmoney private Kreditnehmer (auch Selbstständige, Freiberufler, Studenten)   Kleine und mittlere Unternehmen Privatpersonen: 1.000 bis 50.000 Euro  
Firmen: bis 750.000 Euro
Privat: ab 2,8 Prozent
Firmen: ab 1,5 Prozent  
Privat: 12 bis 84 Monate
Firmen: 12 bis 120 Monate
Privat: Alter zwischen 18 und 69 Jahre, Wohnsitz in Deutschland, Konto bei einer deutschen Bank, regelmäßiges Einkommen   Firmen: Sitz in Deutschland Privat: kostenlose Anfrage; durchschnittlich 3,5 Prozent des Nettokreditbetrages bei erfolgreicher Finanzierung   Firmen: Kostenlose Anfrage; ggf. einmalige Gebühr von 1-2 Prozent bei erfolgreicher Finanzierung
Crowd Desk Start-ups und KMU Es gibt verschiedene Pakete. In der ersten bis 400.000 Euro, in der letzten unlimitiert variabel Eingetragene Kapitalgesellschaft, Firmensitz in Deutschland, Businessplan, Jahresabschluss aus dem Vorvorjahr 40 bis 925 Euro monatlich
Finnest etablierte mittelständische Unternehmen Über Finnest werden nicht Kredite, sondern längerfristige nachrangige Darlehen vermittelt = bilanzstärkendes Mezzaninkapital. Durchschnittsemission: im hohen sechsstelligen Bereich Es gibt zwei Alternativen: Auktionszinssatz: Das Unternehmen legt eine Bandbreite an Zinsen fest (z.B. 3 bis 5 Prozent). Innerhalb dieser geben Investoren Angebote ab. Am Ende der Bieterphase nimmt das Unternehmen nur die günstigsten Angebote an (z.B. nur alles bis 3,5 Prozent) Fixzinsatz: Im Vorhinein festgelegter Fixzinssatz Unternehmen länger als 10 Jahre am Markt, mehr als 10 Millionen Euro Jahresumsatz, profitabel wachsend Einmalig 2,75 Prozent des aufgenommenen Betrags
innovestment Startups und etablierte Unternehmen Investiert wird in Nachhaltigkeit, Wachstum und Innovation Über innovestment.eu werden nicht Kredite, sondern längerfristige nachrangige Darlehen vermittelt = bilanzstärkendes Mezzaninkapital. Nettokreditsumme: 250.000 bis 6.000.000 variabel
(Derzeit liegen die Laufzeiten zwischen 3 und 10 Jahren, die Zinsen zwischen 4,15 und 9,5 Prozent. Das ist aber nicht fix)
Bereits bestehende Gesellschaftsform als GmbH, UG, AG oder GmbH & Co. KG; Auftrittsbereitschaft vor größerem Publikum – online und offline; Darstellung der nachhaltigen Produktqualität in der Kreislaufgesellschaft anhand von Sustainable Development Goals (SDG) Phase 1. Finanzierungsanfrage und -vorbereitung: Plausibilitätsprüfung 500 Euro; Vorbereitung 5000 Euro netto = Basiskosten

Phase 2. Finanzierung: 5 Prozent auf insgesamt vermitteltes Kapital (variable Kosten#1)

Phase 3. Nachbereitung und Anlegerverwaltung: 0,5 Prozent/Jahr auf insgesamt vermitteltes Kapital (variable Kosten#2)
kapilendo Etablierte Unternehmen/KMU ab 50.000 bis 8.000.000 Euro 2,5 bis 8 Prozent/ 1 bis 5 Jahre selbstschuldnerische Bürgschaft zur Kreditbesicherung Gebühr von durchschnittlich 2,00 Prozent pro Jahr auf den finanzierten Betrag
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