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Finanzierungsmöglichkeiten für Betriebsinhaber Crowdfunding als Alternative zur Bank

Banken tun sich zuweilen schwer mit der Kreditvergabe. Wie Handwerker trotzdem an das benötigte Kapital kommen können, zeigen verschiedene Arten des Crowdfunding.

Bei Gründern ist das Konzept des Crowdfundings eine beliebte Alternative zum klassischen Kredit. Inzwischen hat sich der Trend aus dem Netz zunehmend zur Konkurrenz zur Bankenwelt entwickelt. Und immer noch entstehen neue Portale, die allerdings oft spezialisiert und nicht alle fürs Handwerk interessant sind. Entweder sprechen sie nur einzelne Branchen oder Gruppen, beispielsweise Gründer, an. Oder sie decken nur bestimmte Finanzierungsarten ab.

Crowdfunding: Diese vier Formen gibt es

Die Fachwelt unterscheidet im Wesentlichen vier Formen des Crowdfunding:

Die erste Form des Crowdfunding ist das sogenannte Spenden-Crowdfunding, ursprünglich als Crowd Donation bezeichnet. Hier erhalten die Geldgeber allenfalls eine ideelle Gegenleistung. Genutzt wird diese Form hauptsächlich im sozialen Bereich und ist für das Handwerk dementsprechend uninteressant.

Die zweite Form ist Reward Based Crowdfunding, oder auch das klassische Crowdfunding. Hier erhalten die Unterstützer ebenfalls keine finanzielle Gegenleistung, werden aber in Form von Waren entschädigt. Im weitesten Sinne handelt es sich also um eine Art Vorverkauf. Experten halten dieses Finanzierungsmodell daher gerade fürs produzierende Handwerk für gut geeignet. Allerdings wird es faktisch noch nicht oft angewendet.

Den weitaus größten Anteil am Schwarmgeschäft hat die dritte Form der Schwarmfinanzierung, das klassische Kreditgeschäft. Bekannt ist es unter der Bezeichnung Crowdlending oder aber auch als P2P-Kredit (Peer to Peer) bezeichnet. Eine Form die auch für das Handwerk geeignet ist, wie Michel Harms, Betreiber der Informationsseite crowdfunding.de, sagt. Die Crowd stellt die benötigte Summe über eine feste Laufzeit und zu einem vereinbarten Zins zur Verfügung. Allein 2015 wurden nach diesem Konstrukt 136 Millionen Euro von privat an privat verliehen. 48,7 Millionen gingen von privaten Investoren an Unternehmen, so die Zahlen, die die University of Cambridge gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfergesellschaft KPMG ermittelte.

Und auch die vierte Form des Crowdfunding kann für das Handwerk interessant sein, jedenfalls für größere Betriebe: Crowdinvesting. Dabei wird die Crowd finanziell am Projekterfolg beteiligt. Die Mikro-Investitionen haben eigenkapitalähnlichen Charakter. „Aktuell“, erläutert Harms, „laufen Crowdinvestments in Deutschland meist über nachrangige Darlehen.“

Mit Crowdfunding einfacherer an Kredite

Allen Crowdfunding-Formen ist dabei gemeinsam, dass die Vergabekriterien andere sind als beim klassischen Bankgeschäft. Zwar betonen alle Crowdfinzierer, dass auch sie ihre Kreditnehmer durchleuchten und strengen Bonitätsprüfungen unterziehen. Dennoch sorgen Kreditmarktplätze dafür, dass deutlich mehr Menschen Zugang zu Krediten bekommen als dies über die Banken der Fall wäre, so das Ergebnis einer Studie der Wirtschafts- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse.

Crowdfunding-Anbieter wissen oft mehr als Banken

Und dafür gibt es gleich zwei Gründe. Zum einen ist es einfacher, unter Gleichgesinnten auf Verständnis (und damit Geld) zu stoßen als bei anonymen Banken. Im Klartext: Wer selbst einen Handwerksbetrieb führt und die Abläufe kennt, kann auch die Risiken realistisch einschätzen, weiß dann auch, warum die Schufaauskunft nicht so gut ist – und investiert trotzdem.

Zum anderen haben die technisch hochgerüsteten und automatisierten Onlineportale auch deutlich erweiterte Möglichkeiten, die Bonität von Kreditnehmern zu ermitteln, wie Andreas Barthelmess, ehemals Vorstand und jetzt Berater bei aux­money, betont. Sie sehen beispielsweise, wie sich jemand auf der Website bewegt und können weit mehr Daten miteinander verknüpfen als klassische Banken.

auxmoney hat sogar ein spezielles Verfahren entwickelt, das die Schufa ergänzt und das herkömmliche Rating ausweitet. Der Vorteil für die Kunden: Standardisierte Kreditausschlüsse von Selbständigen oder Gründern gibt es bei auxmoney nicht. Das bedeutet, anfangs fallen deutlich weniger Interessenten raus. Die Verbliebenen werden dann aber genauer angeguckt. Das Ergebnis: „Über 4 Millionen mehr Menschen bekommen Zugang zu Krediten“ kommentiert Felix Hasse, bei PwC die Studienergebnisse.

Und das genaue Scoring hat noch einen weiteren Vorteil, wie Barthelmess betont: „Dadurch, dass wir unsere Zielgruppen besser verstehen, können wir immer günstigere Konditionen anbieten.“ Die Zeiten, in denen die Crowdportale fast ausschließlich mit sehr hohen Zinssätzen arbeiteten, sind somit vorbei.

Crowdfunding beliebt bei Selbstständigen

auxmoney gibt seine Kredite nur an Privatpersonen aus. Barthelmess stellt jedoch klar, dass etwa ein Drittel aller Anträge von Selbständigen kommen und etwa 40 Prozent des Kreditvolumens für gewerbliche Zwecke genutzt wird. Bis zu 25.000 Euro lässt sich bei auxmoney über die Crowd ausleihen. Andere Plattformen vermitteln höhere Beträge aus und/oder wenden sich direkt an Unternehmen (siehe Tabelle).

Insgesamt ist die Bankenkonkurrenz aus dem Netz gerade für kleine und mittelständische Unternehmen nur von Vorteil, findet auch Crowdfunding-Experte Harms. Sie haben einen schnelleren Zugang, können vergleichen und kommen in sehr vielen Fällen auch günstiger an Geld als früher. Wer bei den Banken durchfiel, konnte allenfalls den Dispo überziehen oder die Kreditkarte belasten – mit horrenden Zinsen, selbst in der jetzigen Niedrigzinsphase. Beim Peer-to-Peer-Lending ist es günstiger und – so hoffen auch andere Experten: langfristig wird es damit auch den Banken schwerer fallen, hohe Zinsen am Markt zu halten.

Vergleich Crowdplattformen

Plattform Zielgruppe Nettokreditsumme Nominalzins / Laufzeiten Voraussetzungen Einmalige Gebühr
auxmoney private Kreditnehmer (auch Selbstständige, Freiberufler, Studenten und Kreditsuchende, die von ihrer Bank keinen Kredit erhalten 1.000 bis 25.000 Euro maximaler effektiver Jahreszins 19,5 Prozent / 1 bis 5 Jahre Alter zwischen 18 und 70 Jahre, Wohnsitz in Deutschland, Konto bei einer deutschen Bank, regelmäßiges Einkommen 2,95 Prozent des Nettokreditbetrags
Finnest etablierte mittelständische Unternehmen Über Finnest werden nicht Kredite, sondern längerfristige nachrangige Darlehen vermittelt = bilanzstärkendes Mezzaninkapital. Durchschnittsemission: im hohen sechsstelligen Bereich Unternehmen legt eine Bandbreite an Zinsen fest (z.B. 3 bis 5 Prozent). Innerhalb dieser geben Investoren Angebote ab. Am Ende der Bieterphase nimmt das Unternehmen nur die günstigsten Angebote an (z.B. nur alles bis 3,5 Prozent) Unternehmen länger als 10 Jahre am Markt, mehr als 10 Millionen Euro Jahresumsatz, profitabel wachsend 2,75 Prozent des aufgenommenen Betrags
funding circle Unternehmen 5.000 bis 100.000 Euro von 3,79 bis 16,61 Prozent / 6 Monate bis 3 Jahre Personen-/Kapitalgesellschaft, Unternehmen besteht seit mindestens 2 Jahren, stabile oder positive Umsatzentwicklung, positive Eigenkaptalquote, Rechnungslegung nach Handelsgesetzbuch (HGB) 1 bis 4 Prozent
kapilendo Start-ups und Unternehmen ab 30.000 bis 2.500.000 Euro 2,49 bis 11,99 Prozent / 1 bis 5 Jahre selbstschuldnerische Bürgschaft zur Kreditbesicherung 1,9 bis 4,9 Prozent
lendico Privatpersonen / Geschäftskredite für Unternehmen und Selbstständige Privatpersonen: maximal 30.000 Euro; Unternehmen: 10.000 bis 250.000 Euro; Selbstständige: 1.000 bis 30.000 Euro Privat: 4,46 bis 17,95 Prozent / 1 bis 5 Jahre; Unternehmen: ab 3,99 Prozent / 6 Monate bis 5 Jahre Privat: Volljährigkeit, deutscher Wohnsitz, Konto bei einer deutschen Bank, reguläres Einkommen; Unternehmen und Selbstständige: Bilanzen nach HGB, Jahresumsatz mindestens 50.000 Euro, seit 2 Jahren unternehmerisch tätig Privat: 0,25 bis 4,50 Prozent; Unternehmen: 2 bis 4,50 Prozent
PrestaCap kleine und mittlere Unternehmen 10.000 bis 250.000 Euro 5 bis 15 Prozent / 3 Monate bis 5 Jahre Geschäftsbetrieb seit 2 Jahren, Umsatz mindestens 50.000 Euro 1 bis 4 Prozent
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