Während spektakuläre Großpleiten für Aufsehen sorgen, kämpfen in Deutschland viele Kleinfirmen im Verborgenen ums Überleben. Besonders hoch ist das Insolvenzrisiko bei Baufirmen für Abbrucharbeiten. Allerdings stehen sie nicht stellvertretend für die gesamte Baubranche.

Im Baugewerbe ist die Zahl der Insolvenzen im ersten Halbjahr 2013 mit 2.130 Betrieben nahezu unverändert. Dennoch führen Unternehmen für Abbrucharbeiten die Pleiteliste an. Die dominierenden Bereiche im Handwerk (Bauhauptgewerbe und Ausbauhandwerk) sind laut Creditreform in großen Teilen für das Bild eines eher eigenkapitalschwachen Wirtschaftssektors verantwortlich.
Nach Recherchen der Wirtschaftsauskunftei ist jeder dritte Betrieb im Baubereich zu schwach mit Eigenkapital ausgestattet. Im Bauhauptgewerbe sind es 39,5 Prozent, im Ausbauhandwerk 39,4 Prozent.
Mit Blick auf die Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr hat das Bauhandwerk Rückgänge zu verzeichnen. Anders als in anderen Branchen ist die Umsatzlage am Bau stark von Witterungseinflüssen abhängig. Das lang anhaltende Winterwetter hat sich negativ auf die Geschäfte der Baubetriebe ausgewirkt.
Vor allem für die Beschäftigten von kleinen und mittelständischen Unternehmen endet eine Insolvenz meist bitter. Anders als in größeren Betrieben, gelinge es dort oft nicht, die Arbeitsplätze zu erhalten, erläutert Michael Bretz, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung.
Ausbauhandwerk sticht hervor
Innerhalb der Baubranche sticht das Ausbauhandwerk mit Blick auf die Personalsituation hervor. Nach Angaben von Creditreform haben nur wenige Betriebe im Ausbauhandwerk die Mitarbeiterzahl reduziert.
Jeder Zehnte beschäftigt derzeit weniger Personal als im vergangenen Frühjahr. Die Auftragslage und damit auch der Personalbedarf der Betriebe aus dem Ausbauhandwerk sind auf einem hohen Niveau. So hat jeder vierte Betrieb (24,9 Prozent) neue Stellen geschaffen.
Spürbare Konjunkturdelle in anderen Handwerksbetrieben
Deutlicher eingetrübt hat sich dagegen die Geschäftslage im Kfz-Gewerbe, aber auch in den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, zu dem das Metallhandwerk zählt. Beide Bereiche innerhalb des Handwerks spüren deutlicher und schneller den Abschwung. Während die Handwerke für den gewerblichen Bedarf als Zulieferer stärker als andere
Handwerksbereiche auch von Industrie und Export abhängen und einen Nachfragerückgang zu verzeichnen haben, macht sich die fortwährende Absatzschwäche im Pkw-Markt bei Händlern und Werkstätten negativ bemerkbar. Lediglich noch gut ein Drittel der befragten Kfz-Betriebe (35,7 Prozent) äußerte sich positiv.
Das höchste Insolvenzrisiko haben immer noch Unternehmensgründer kurz nach dem Start. Von 10.000 Jungunternehmen werfen statistisch gesehen 101 bereits in den ersten beiden Jahren wirtschaftlich das Handtuch. In den Jahren drei und vier nach der Gründung steigt diese Quote sogar auf 115 an. dhz/dpa