Bier-Fans unter sich: Bei der Messe "Braukunst-Live" zeigte die Craft-Bier-Szene wohin die Trends gehen. Indian Pale Ale ist inzwischen Standard – einige andere Kreationen könnten dabei für manche zur Herausforderung für die Geschmacksnerven werden.
Mirabell Schmidt
Sie sind schwarz, braun, gold und manchmal auch fast rot, glasklar oder naturtrüb: Craft-Biere . Sie schmecken nach Zitrone, Schokolade oder Kirsche. Nicht jedem muss alles schmecken, doch jeder der ein wahrer Bier-Fan sein möchte, muss zumindest alles probieren. Und der neueste Trend unter den Trends bei Craft-Bieren, das zeigte sich auf dem Festival "Braukunst Live", das vom 6. bis zum 8. März in München stattfand: In alten Whiskey- oder Sherry-Fässern gereifte Biere.
Die Vorgeschichte der alten Fässer ist überraschend deutlich zu schmecken und zu riechen. Auch die ungeschulte Nase erkennt die oft süßliche Whiskey-Note heraus. Nicht nur der Geschmack, auch die Darbietung ist besonders. Die Flaschen könnten Weinflaschen sein: 0,7 Liter mit Korken. Auch die Preise sind "wein-verdächtig": Neun Euro pro Flasche sind keine Ausnahme.
Hochwertige Rohstoffe
Doch nicht jedes Craft-Bier ist so teuer. Wer wollte, konnte auf der Messe hunderte von Sorten testen. Immer mehr kleine Craft-Brauereien schießen aus dem Boden, wie beispielweise "Tilmans" aus München. Wichtig für die meisten ist dabei Verwendung hochwertiger Zutaten. "Ich achte darauf, dass ich –soweit es eben geht – Rohstoffe aus der Region verwende", sagt beispielsweise Braumeister Tilman Ludwig, der sich im April 2014 mit seinem Bier selbstständig gemacht hat. Das Rezept stammt von ihm, gebraut wird in einer Brauerei bei München.
Häufig sind es in der Craft-Bier-Szene aber auch Quereinsteiger, die sich aus Liebe zum Gerstensaft an eigene Rezepturen wagen. So hat beispielsweise Grafikdesigner Marc Gallo nach einem Kurs zum Biersommelier kürzlich sein Unternehmen "Hopfmeister" gegründet. Gemeinsam mit einem Brauer entwickelte er die Rezeptur für sein Bier, das stylische Namen wie Gipfelglück oder Roadtrip trägt. Gerade noch rechtzeitig wurde das Bier zur Messe fertig.
Chance für kleine Brauereien
Für kleinere Familienbrauereien wie Schönauer aus Franken oder Zwönitz aus dem Erzgebirge ist der Craft-Bier Trend eine Möglichkeit ihr ganzes Können zu beweisen. Die geringeren Mengen, die diese Brauereien produzieren sind dabei ein Vorteil. Denn Craft-Biere sind oft weniger lange haltbar als konventionelle Biere. Das liegt jedoch nicht unbedingt an der Konservierung. Bei den außergewöhnlichen Bieren ist es wichtig, dass der Trinker den Geschmack genauso erfährt, wie ihn der Braumeister gemeint hat. Lange Lagerzeiten wären daher schlecht.
Inzwischen haben jedoch auch fast alle Großbrauereien die Begeisterungsfähigkeit für die außergewöhnlichen Sude unter Biertrinkern erkannt und sind auf den Craft-Bier-Zug aufgesprungen. Die meisten von ihnen gründeten in den vergangenen Jahren Ableger, in denen sie kleinere Mengen produzieren und dadurch mit Rezepturen experimentieren können. So ist die "Brauerei im Eiswerk" beispielsweise eine Mikrobrauerei von Paulaner, "Braufactum" von Radeberger und auch Schneiderweiße und Pilsner Urquell produzieren in kleineren Mengen Craft-Biere.
Geröstetes Malz, vergorene Kirschen
Indian Pale Ale findet sich inzwischen fast bei allen Craft-Brauern im Portfolio. Das etwas nach zitrus schmeckende Bier ist mit dem an Helles und Pils gewöhnten Biergaumen in Deutschland gut in Einklang zu bringen. Bei dunklen Bieren, die extrem nach geröstetem Malz oder Fruchtbiere, in die bereits bei der Hauptgärung beispielsweise Kirschen hineingegeben werden, ist für viele Biertrinker hierzulande noch eher gewöhnungsbedürftig. Zu viele Biere sollte man aber auch in den kleinen Degustationsgläsern auf der Messe nicht austesten – denn irgendwann versagen nicht nur die Geschmacksnerven.
