Weihnachtsfeier in der Pandemie Corona: Wie riskant sind betriebliche Weihnachtsfeiern?

Die Corona-Zahlen steigen und steigen. Für Handwerksunternehmer und ihre Mitarbeiter stellt sich jetzt die Frage, ob gefeiert werden kann. Was arbeitsrechtlich bei einer Weihnachtsfeier während einer Pandemie gilt.

Nicht nur im Betrieb, sondern auch bei Events wie einer Weihnachtsfeier muss der Arbeitgeber den Arbeits- und ­Infektionsschutz beachten. - © bilderstoeckchen – stock.adobe.com

Nach den Erfahrungen des ersten Corona-Winters hatten viele auf eine Rückkehr zur Normalität in diesem Jahr gehofft. Nun werden die nächsten Wochen zeigen, in welchen Regionen oder Bundesländern betriebliche Weihnachtsfeiern möglich sein könnten. Ein klassisches Zusammenkommen mit Buffet und Smalltalk scheint derzeit schwer vorstellbar.

"Ich bin skeptisch, dass Weihnachtsfeiern stattfinden können", sagt Regina Glaser, Fachanwältin für Arbeitsrecht. Es sei schwierig für Arbeitgeber, eine physische Weihnachtsfeier zu veranstalten. Zwar sei es sicherlich im Einzelfall zu entscheiden, ob ein Zusammensein arbeitsrechtlich zulässig ist. Es bleibt das Risiko, dass Mitarbeiter nach einer Weihnachtsfeier erkranken. Dieses Risiko muss der Arbeitgeber mit seiner Fürsorgepflicht gegenüber seinen Mitarbeitern in Einklang bringen, um deren Gesundheit zu schützen.

Zusätzlich hat der Unternehmer natürlich auch ein Interesse daran, krankheitsbedingte Ausfälle im Betrieb zu vermeiden. Man stelle sich nur vor, eine Weihnachtsfeier würde zu einem Superspreader-Event werden und den kompletten Geschäftsbetrieb lahmlegen.

Gesundheitsschutz geht vor

Also nicht nur bezüglich der Arbeitsleistung im Betrieb, "sondern auch bei sozialen Events wie einer Weihnachtsfeier muss der Arbeitgeber den Arbeitsschutz und den Schutz vor Infektionen beachten", sagt Rechtsanwältin Regina Glaser. Sind Weihnachtsfeiern behördlich erlaubt, gelten das Arbeitsschutzgesetz sowie die Corona-Verordnungen der Länder. "Wahrscheinlich muss für jede Feier ein eigenes Hygienekonzept entwickelt werden."

Für eine Weihnachtsfeier in den eigenen betrieblichen Räumlichkeiten darf der Arbeitgeber wie gehabt den Impfstatus der Arbeitnehmer nicht abfragen. Das bedeutet, die Schutz- und Hygienemaßnahmen müssen so geregelt sein, dass sie dem höchsten Sicherheitsstandard entsprechen, da der Arbeitgeber davon ausgehen muss, dass sich ein Ungeimpfter unter seinen Mitarbeitern befindet und ihm das Gegenteil nicht bekannt ist.

Impfstatus bei Feier abfragen

Für eine freiwillige Weihnachtsfeier kann der Arbeitgeber die 3G-Regel einführen. Jeder Mitarbeiter, der teilnehmen möchte, muss dann nachweisen, dass er geimpft, genesen oder getestet ist.

Rechtlich möglich ist es auch, die Weihnachtsfeier als freiwillige Veranstaltung zu planen und dafür die 2G-Regel einzuführen. "Der Arbeitgeber könnte festlegen: Wer teilnehmen möchte, muss nachweisen, dass er geimpft oder genesen ist", sagt die Fachanwältin für Arbeitsrecht. Jeder Mitarbeiter könne dann selbst entscheiden, ob er kommen wolle oder nicht. Gleiches gilt für eine freiwillige Weihnachtsfeier in einem 2G-Restaurant.

Eine Ungleichbehandlung von Mitarbeitern sieht Regina Glaser nicht, wenn sich das Unternehmen für einen Veranstaltungsort entscheidet, zu dem nur Geimpfte und Genesene Zutritt haben. "Wenn in einem Restaurant gefeiert werden soll, dann gelten nun mal dessen Regeln." Darauf habe der Arbeitgeber keinen Einfluss. Trotzdem müsse er als Veranstalter des Events den Hygiene- und Infektionsschutz seiner Mitarbeiter beachten und durchsetzen.

Gilt bei der Weihnachtsfeier die 3G-Regel – egal ob im Betrieb oder in einem Restaurant – sollte der Arbeitgeber, der zum Event einlädt, die Kosten für die Tests übernehmen. "Das wird er wahrscheinlich von selbst anbieten, weil er mit der Weihnachtsfeier ja einen Zweck verfolgt", sagt Regina Glaser.

Wer übernimmt Entschädigung?

Wie so oft während der Pandemie lassen sich viele Fragen aber auch noch nicht beantworten. Beispielsweise: Wer zahlt für langwierige Gesundheitskosten, wenn sich ein Mitarbeiter auf einer betrieblichen Weihnachtsfeier mit dem Virus infiziert, schwer an Corona erkrankt und möglicherweise mit Long Covid zu kämpfen hat? "Wenn jemand so stark erkrankt, dass er im schlimmsten Fall berufsunfähig wird, stellt sich in der Tat die Frage, ob die Berufsgenossenschaft zahlt", so die Einschätzung der Rechtsanwältin.

Umstritten und ebenfalls noch nicht zu beantworten ist die Frage, ob ein ungeimpfter Mitarbeiter für seinen Lohnausfall entschädigt werden muss, wenn er sich nach einer betrieblichen Weihnachtsfeier in behördlicher Quarantäne befindet.