Betriebsführung -

Berufsbildungsbericht Corona-Virus bedroht den Ausbildungsmarkt

Schon 2019 hat die Ausbildungsleistung nachgelassen. Durch die Corona-Krise könnte sich der Trend verschärfen. Gegenmaßnahmen werden umso wichtiger. Was einzelne Vertreter jetzt fordern.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Aus Sorge vor dem Einbruch auf dem Ausbildungsmarkt wollen Bund und Länder und die Sozialpartner in den kommenden Wochen konkrete Maßnahmen für die Absicherung des Ausbildungsmarktes beschließen. "Wir werden alles dafür tun, um die richtigen Module zu finden, um genügend Ausbildungsplätze in Deutschland sicherzustellen", sagte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) nach der Beratung des Berufsbildungsberichts im Kabinett. Noch sei die Datenlage aber zu dünn, um konkrete Maßnahmen zu nennen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte derweil, dass es Ende Mai in Abstimmung mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und der Bildungsministerin ein Treffen der Allianz für Aus- und Weiterbildung geben werde.

Wollseifer: Ausbildungsmarkt muss stabilisiert werden

Unterdessen fordert auch Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer schnelles Handeln. "Unser gemeinsames Ziel muss es sein, rasch den Ausbildungsmarkt zu stabilisieren." Im Interesse der Gesamtwirtschaft für die Fachkräftesicherung müsse jetzt auf allen Ebenen zielgerichtet gehandelt werden. Alle Akteure der Berufsbildung seien dazu aufgerufen, die negativen wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise so umfassend wie möglich abzumildern und Ausbildungsbetriebe am Markt zu halten, fügte er hinzu. Dies gelte um so mehr, da im Handwerk laut einer ZDH-Umfrage zwar noch immer 45 Prozent der Betriebe ihre Ausbildungsleistung halten beziehungsweise erhöhen wollten, ein Viertel der Betriebe aber weniger auszubilden wollten. Von der Politik fordert Wollseifer mehr finanzielle Anerkennung für die Ausbildungsleistung, etwa durch einen Ausbildungszuschuss.

Esser: Verstärkt digitale Medien zur Berufsorientierung nutzen

Der Präsident des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), Friedrich Hubert Esser, fürchtet ebenfalls Auswirkungen der Corona-Krise auf den Ausbildungsmarkt. "Aktuell brauchen wir aufgrund des Kontaktverbots dringend praxistaugliche Alternativen zu Ausbildungsmessen und Betriebserkundungen, um Ausbildungsbetriebe und Ausbildungsinteressierte zusammenzuführen", sagte er. Hier böten sich vor allem digitale Formate an. Die Betriebe müssten stärker trommeln, dass es weiter geht. Lehrer sollten die Schüler auffordern, sich zu bewerben und Jugendliche und ihre Eltern sollten bei der Suche eines Ausbildungsplatzes alle Wirtschaftszweige in den Blick nehmen, sagte er der Deutschen Handwerkszeitung. So sei etwa das Bau- und Ausbaugewerbe weit weniger von der Corona-Krise betroffen als etwa personenbezogene Dienstleistungen im Hotel- und Gaststättenbereich.

Im Handwerk hat die Ausbildungsdynamik 2019 ebenfalls nachgelassen

Der Handlungsdruck ist umso höher, da schon im vergangenen Jahr die Dynamik am Ausbildungsmarkt nachgelassen hat. So ging die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 6.300 beziehungsweise um 1,2 Prozent auf 525.100 zurück, wie das BIBB mitteilte. Im Handwerk haben im vergangenen Jahr rund 143.000 junge Menschen einen Ausbildungsvertrag abgeschlossen. Genau genommen waren es 142.875 zum 30. September. Rund 1,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, als 143.308 abgeschlossene Lehrverträge gezählt wurden. Damit ist nach Angaben des ZDH der positive Trend, den das Handwerk seit 2015 verzeichnete, vorerst zum Erliegen gekommen.

DGB warnt vor Corona-Crash am Ausbildungsmarkt

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist angesichts der Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt alarmiert. "Ein Corona-Crash auf dem Ausbildungsmarkt muss verhindert werden, sonst droht sich die soziale Spaltung zu vertiefen", sagte DGB-Vize Elke Hannack. Um ein Wegbrechen der Ausbildungsbetriebe zu verhindern, plädiert der DGB deshalb für einen Bonus für Unternehmen, die Lehrlinge aus insolventen Betrieben übernehmen. Auch müsse die Bundesregierung ein Sonderprogramm für außerbetriebliche Ausbildungsplätze auflegen. Um dies zu finanzieren, sei ein Zukunftsfonds zur Fachkräftesicherung notwendig, der sich aus Beiträgen der Arbeitgeber und des Bundes speise.

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