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Steuerliche Neuerungen Corona-Steuererleichterungen: Pauschalierter Verlustrücktrag & Co.

Um Handwerksbetriebe vor der Zahlungsunfähigkeit zu schützen, verabschiedet die Bundesregierung in Rekordzeit neue Steuererstattungsmöglichkeiten. Neu: Ein pauschalierter Verlustrücktrag zur Erstattung von Vorauszahlungen 2019 und nur sieben Prozent Umsatzsteuer beim Verkauf von Speisen in Gaststätten.

Brechen Ihnen wegen der Corona-Krise nach und nach Aufträge weg oder mussten Sie Ihr Geschäft während des Lockdowns schließen und die Ausgaben laufen weiter? Dann sollten Sie das Jahr 2020 aus steuerlicher Sicht bewerten. Erwarten Sie für 2020 unter dem Strich rote Zahlen, also einen Verlust, profitieren Sie möglicherweise von einer am 24. April 2020 verabschiedeten steuerlichen Neuregelung. Die Rede ist vom pauschalierten Verlustrücktrag, der für mehr finanzielle Liquidität in Betrieben und Haushalten sorgen soll.

Prinzip des pauschalierten Verlustrücktrags

Vom pauschalierten Verlustrücktrag bei voraussichtlichen Verlusten im Jahr 2020 profitieren Sie nur, wenn Sie bis jetzt noch keinen Steuerbescheid für 2019 in den Händen halten und im Jahr 2019 Vorauszahlungen zur Einkommensteuer oder zur Körperschaftsteuer geleistet haben. Das Prinzip des pauschalierten Verlustrücktrags ist einfach. Sie schauen nach, wie hoch der voraussichtliche Gewinn 2019 war, den das Finanzamt für die Ermittlung der Vorauszahlungen 2019 berücksichtigt hat. 15 Prozent dieses Gewinns können Sie auf Antrag nun von 2020 auf 2019 zurücktragen.

Mit anderen Worten: Das Finanzamt mindert auf Antrag den voraussichtlichen Gewinn 2019 für die Festsetzung der Vorauszahlungen 2019 um pauschal 15 Prozent, was wiederum nachträglich zur Herabsetzung der Vorauszahlungen 2019 und zu einer Rückerstattung führt.

Beispiel: Sie erwarten wegen der Corona-Krise für das Jahr 2020 einen steuerlichen Verlust. Im Jahr 2019 hat das Finanzamt Vorauszahlungen von 24.000 Euro festgesetzt. Dabei ist es von einem Gewinn 2019 aus Ihrem Handwerksbetrieb von 80.000 Euro ausgegangen.

Folge: Aufgrund des neuen pauschalierten Verlustrücktrags können Sie einen Verlustrücktrag von 2020 auf die Vorauszahlungen 2019 in Höhe von 12.000 Euro beantragen (80.000 Euro x 15%). Dadurch mindern sich die Vorauszahlungen 2019 um 6.000 Euro, die Ihnen das Finanzamt sofort überweist.

Diese Voraussetzungen sind zu erfüllen

Das Wichtigste ist, dass Sie einen Antrag auf pauschalierten Verlustrücktrag stellen und dem Finanzamt klar machen, dass Sie von der Corona-Krise unmittelbar und nicht unerheblich negativ betroffen sind. Sie müssen dem Finanzamt den Verlust übrigens nicht durch eine voraussichtliche Gewinnermittlung für 2020 nachweisen. Es genügt, wenn Sie begründen, warum Sie einen Verlust erwarten. Typische Gründe sind: Umsatzeinbußen wegen Auftragsrückgang oder wegen vorübergehender Geschäftsschließung, laufende Ausgaben ohne Einnahmen). Von einer negativen Betroffenheit aufgrund der Corona-Krise muss der Sachbearbeiter auch ausgehen, wenn wegen der Corona-Krise bereits die laufenden Einkommen- bzw. Körperschaftsteuervorauszahlungen 2020 auf null Euro herabgesetzt wurden.

DHZ-Tipp: Ausführliche Informationen zum neuen pauschalierten Verlustrücktrag finden Sie in dem BMF-Schreiben vom 24. April 2020 (Az. IV C 8 – S 2225/20/10003).

Neuregelung gilt auch für GmbH und AG

Betreibt ein Handwerker seinen Handwerksbetrieb in der Rechtsform einer GmbH oder einer AG, profitiert auch diese Gesellschaft vom neuen pauschalierten Verlustrücktrag. Maßgeblich ist hier nicht der Gewinn, sondern das zu versteuernde Einkommen der GmbH oder AG. Ist das für 2020 voraussichtlich negativ, kann ein Antrag auf pauschalierten Verlustrücktrag gestellt werden.

Beispiel: Die XY-GmbH musste ihre Friseursalons wegen Corona über Wochen hinweg schließen. Für das Jahr 2020 wird deshalb unter dem Strich mit einem kleinen Verlust gerechnet. Das Jahr 2019 war das beste Jahr in der Firmengeschichte. Deshalb wurden die Vorauszahlungen zur Körperschaftsteuer 2019 und zum Soli 2019 bei einem voraussichtlichen zu versteuernden Einkommen 2019 der GmbH von 200.000 Euro auf 30.000 Euro zzgl. 1.650 Euro Solidaritätszuschlag festgesetzt.

Folge: Beantragt der Geschäftsführer nun den neuen pauschalierten Verlustrücktrag in Höhe von 30.000 Euro (200.000 Euro x 15 Prozent), beträgt das zu versteuernde Einkommen für die Festsetzung der Vorauszahlungen 2019 nur noch 170.000 Euro (zu versteuerndes Einkommen 2019 bisher 200.000 Euro abzgl. pauschalierter Verlustrücktrag aus 2020 30.000 Euro). Folge: Es winkt eine Herabsetzung und Erstattung der Körperschaftsteuervorauszahlungen 2019 in Höhe von 4.500 Euro. Soli 2019 erstattet das Finanzamt zusätzlich in Höhe von 247,50 Euro.

Kein Verlustrücktrag bei Gewerbesteuer

So sehr Sie das BMF-Schreiben vom 24. April 2020 zum pauschalierten Verlustrücktrag auch studieren mögen, sie werden kein Wort zur Gewerbesteuervorauszahlung finden. Das ist auch nicht verwunderlich. Denn das Steuergesetz sieht für die Gewerbesteuer keinen Verlustrücktrag vor. Der Antrag auf pauschalierten Verlustrücktrag kann also niemals zur Erstattung von im Jahr 2019 geleisteten Gewerbesteuervorauszahlungen führen.

Beschränkung des Verlustrücktrags

Der pauschalierte Verlustrücktrag ist übrigens nicht unbegrenzt möglich. Der Verlustrücktrag darf maximal 1 Million Euro betragen, bei Zusammenveranlagung maximal 2 Millionen Euro (§ 10d Abs. 1 Satz 1 EStG).

Tatsächlichen Verlust erklären

Fallen die steuerlichen Verluste wegen der Corona-Krise und wegen Investitionen im Jahr 2020 sehr hoch aus und liegen damit voraussichtlich über den 15 Prozent, haben Sie auch die Möglichkeit, dem Finanzamt den tatsächlichen Verlust nachzuweisen und in Höhe dieses Verlusts einen Verlustrücktrag von 2020 auf die Vorauszahlungen 2019 beantragen. Diese Sonderregelung, die eher unbekannt sein dürfte, finden Sie im BMF-Schreiben vom 24. April 2020 auf Seite 2 im obersten Absatz.

DHZ-Tipp: In diesem Fall hilft es Ihnen aber nicht, nur anzugeben, dass Sie für 2020 einen Verlust erwarten. Das Finanzamt erwartet hier detaillierte Zahlen und Daten, die die Höhe des beantragten Verlustrücktrags plausibel erscheinen lassen.

Beispiel: Aufgrund der staatlich angeordneten Betriebsschließung haben Sie sich dafür entschlossen, Ihren Betrieb altersbedingt Ende Mai 2020 aufzugeben oder zu verkaufen. Bis Ende Mai haben Sie einen Verlust von 20.000 Euro erzielt. In den Vorauszahlungen 2019 war der Gewinn aus Ihrem Handwerksbetrieb in Höhe von 40.000 Euro enthalten.

Folge: Beantragen Sie einen pauschalierten Verlustrücktrag, mindert sich die Bemessungsgrundlage für die Vorauszahlungen 2019 um 6.000 Euro (40.000 Euro x 15 Prozent). Beantragen Sie den Rücktrag des tatsächlichen Verlusts 2020, mindert sich die Bemessungsgrundlage für die Vorauszahlungen 2019 um 20.000 Euro.

Steuernachzahlungen vorprogrammiert

Beantragen Sie den pauschalierten Verlustrücktrag von 2020 auf die Vorauszahlungen 2019, müssen Sie eine Besonderheit beachten. Denn reichen Sie irgendwann eine Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuererklärung 2019 beim Finanzamt, weist der Steuerbescheid eine Steuernachzahlung aus. Hintergrund: Die geleisteten Vorauszahlungen sind zu niedrig, weil im Steuerbescheid 2019 noch kein Verlustrücktrag aus dem Jahr 2020 berücksichtigt ist. Der Verlustrücktrag von 2020 auf den Steuerbescheid 2019 ist frühestens möglich, wenn die Steuererklärungen 2020 beim Finanzamt eingereicht wurden und das Finanzamt den Steuerbescheid 2020 verschickt.

DHZ-Tipp: Doch keine Angst. Auch an diese Besonderheit hat das Bundesfinanzministerium gedacht. Das BMF-Schreiben vom 24. April 2020 sieht für diesen Fall vor, dass aufgrund des nicht berücksichtigten Verlustrücktrags aus 2020 auf Antrag die Steuernachzahlung 2019 zunächst zinslos gestundet wird.

Beispiel: Bei der XY-GmbH wurde für 2019 ein zu versteuerndes Einkommen von 200.000 Euro erwartet. Dementsprechend wurden die Vorauszahlungen 2019 festgesetzt. Aufgrund des pauschalierten Verlustrücktrags erstattete das Finanzamt der GmbH im Mai 2020 einen Teil der Vorauszahlungen 2019 in Höhe von 4.747,50 Euro.

Folge: Werden für die GmbH Ende Februar 2021 dann Steuererklärungen 2019 mit einem zu versteuernden Einkommen von 200.000 Euro eingereicht, kommt es zu einer Steuernachzahlung in Höhe dieser 4.747,50 Euro. Über diesen Betrag kann eine zinslose Stundung beantragt werden.

Verlustrücktrag auch für Vermieter

Ein Verlustrücktrag kommt übrigens auch in Betracht, wenn ein Vermieter wegen der Corona-Krise im Jahr 2020 vorübergehend keine Mietzahlungen erhält und deshalb voraussichtlich einen Vermietungsverlust 2020 einfährt.

Fazit: Die Finanzämter bieten übrigens wegen der Corona-Krise eine ganze Palette an Steuererleichterungen an. Davon profitieren Steuerzahler allerdings nur, wenn sie diese aktiv beantragen. Um keine Steuererleichterungen zu verschenken, lohnt sich regelmäßig ein Blick in die FAQ "Corona" (Steuern), die unter www.bundesfinanzninisterium.de zu finden sind. Die FAQs werden regelmäßig angepasst und um Antworten auf Praxisfragen ergänzt.

Steuerliche Hilfen für die Gastronomie

Betreiben Sie neben Ihrer Bäckerei noch ein Cafe oder neben Ihrer Metzgerei noch eine Gaststätte, dürften Sie den Tag herbeisehnen, an dem Sie endlich wieder öffnen und Gäste bewirten können. Doch es wird sich viel ändern. Neben der einschränkenden Abstandsregelung gibt es wenigstens steuerlich Grund zur Freude. Denn die Gewinnspanne für vor Ort verzehrte Speise klettert durch eine am 1. Juli 2020 in Kraft tretende Steueränderung um satte 12 Prozent.

Ermäßigte Umsatzsteuersatz für Speisen

Ab 1. Juli 2020 bis zunächst 30. Juni 2021 gilt umsatzsteuerlich auch für die vor Ort im Cafe oder im Gastraum verzehrten Speisen nicht mehr der 19-prozentige Umsatzsteuersatz, sondern nur noch der ermäßigte Umsatzsteuersatz von sieben Prozent. Diese Info hat das Bundesfinanzministerium in seinem Online-Portal veröffentlicht. Ein ausführliches BMF-Schreiben soll zeitnah folgen. Die Frage "Zum Hieressen oder Mitnehmen?" gehört dann zumindest für ein Jahr der Vergangenheit an und soll die Gewinne für Speisen steigern.

DHZ-Tipp: Bäckereien und Metzgereien mit Gastraum müssen also nicht nur den Neustart hinbekommen, sie müssen sich parallel dazu darum kümmern, dass das elektronische Kassensystem angepasst wird. Es empfiehlt sich, frühzeitig das Gespräch mit dem Steuerberater und dem Kassenhersteller zu suchen, um ab 1. Juli 2020 zum Start dieser unternehmerfreundlichen Regelung steuerlich auf der sicheren Seite zu stehen.

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