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Einfallsreichtum in Krisenzeiten Corona: So kreativ gehen Bäcker mit der Krise um

Wegen der Corona-Pandemie haben Kunden oft Bedenken, einkaufen zu gehen. Handwerksbetriebe wie Bäcker müssen sich dann Gedanken machen, wie sie die Kunden trotzdem halten können. Zwei kreative Beispiele, wie das gelingen kann.

In der Corona-Krise müssen viele Handwerkerbetriebe umdenken. Denn Geschäfte mussten wochenlang zumachen oder Kunden haben Bedenken, wie gewohnt einkaufen zu gehen. Wäre es da nicht praktisch, seinen Einkauf möglichst kontaktlos zu erledigen? Das dachte sich auch Bäckermeister Axel Schmitt aus Frankenwinheim. "Bei uns in der Ortschaft gibt es keine Bäckerei, die Leute müssen alle in umliegende Orte, wenn sie zum Bäcker wollen. Vor allem ältere Menschen haben derzeit aber Bedenken, zum Einkaufen zu gehen", sagt der Bäcker. Die Lösung des Problems: Eine Pop-Up-Drive-In Bäckereifiliale. Gleichzeitig sah er darin auch die Möglichkeit, einigen Mitarbeitern zu helfen, die er in Kurzarbeit schicken musste.

Pop-Up-Store in Tankstelle

In einer alten, leerstehenden Tankstelle hat Schmitt gemeinsam mit seinem Team den Pop-Up-Store hochgezogen. Der perfekte Standort in den Augen des Bäckermeisters. "In der Ortschaft gibt es viel Durchgangsverkehr und somit ist das ein sehr guter Standort für uns", so Schmitt.

Das Konzept des Pop-Up-Stores ist ganz einfach: Die Kunden fahren an die Tankstelle und bekommen eine "Speisekarte". Eine Mitarbeiterin nimmt am Auto - mit dem entsprechenden Sicherheitsabstand - die Bestellung auf und gibt sie in einem Touchpad ein. So wird die Bestellung sofort erfasst und kann in der Filiale hergerichtet, eingepackt und dem Kunden mitgegeben werden. "Niemand muss sich in einer Schlange anstellen und es gibt so wenig Kontakt wie nötig", sagt Schmitt. Das Angebot wird bisher gut angekommen, für eine Notlösung laufe es überraschend gut. Drei Mitarbeiter konnte Schmitt dank des Pop-up Stores sogar schon aus der Kurzarbeit zurückholen.

Pop-Up-Store Bäcker

Wer in den Zeiten von Social-Distancing seine eigene Backkunst verbessern möchte, für den bietet Axel Schmitt auf seinem YouTube-Kanal auch Online-Backkurse an. "Für all die Hefebunkerer zuhause", sagt er mit einem Augenzwinkern. Doch da hören Schmitt´s kreative Ideen nicht auf.

Wertschätzung regionaler Betriebe

Seit Kurzem hat der Bäcker ein "Fck Corona"-Brot im Sortiment. Mit dem Brot möchte er signalisieren, dass er sich nicht unterkriegen lässt und weiterhin Gas gibt. Außerdem wirbt er mit dem Brot dafür, regional zu kaufen – und das nicht nur in der Corona-Krise. Die Produkte für das Corona-Brot stammen zu 100 Prozent von lokalen Milch- und Eierproduzenten. Gerade jetzt ist es wichtig, regional zu kaufen und nicht im Supermarkt. "Auch dafür steht das "Fck Corona"-Brot."

Diese Botschaft wollen auch Nico Scheller und Manuel Grundei weitergeben. "Denn wenn man nicht jetzt darauf aufmerksam macht, wann dann", so Scheller, einer der Inhaber der Lokalbäckerei Brotzeit mit Filialen in Grünwald oder Pullach. Die beiden Geschäftsführer würden zwar noch nicht merken, dass Kunden in der Corona-Krise lieber in einem großen Supermarkt einkaufen gehen, doch gerade in der jetzigen Zeit wollen sie darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, regionale Geschäfte zu unterstützen.

16-Jähriger programmiert Lieferdienst-App

Dennoch sei seitens mancher Kunden eine gewisse Angst und Unsicherheit im Zuge der Corona-Krise zu spüren. Ein paar Kunden hätten in den vergangenen Wochen Bedenken geäußert, dass sie sich nicht wohl fühlen, wenn sie im Moment zum Einkaufen müssen. Das hat auch der 16-jährige Schüler Quentin Leopold, der seit 2018 neben der Schule in der Bäckerei im Verkauf arbeitet, bemerkt und hatte eine Idee: Eine Lieferdienst-App. Innerhalb von ein paar Wochen und langen Nachtschichten, war die von Leopold ins Leben gerufene App "Beliefer" programmiert und startklar. Erster Kunde: Natürlich die Lokalbäckerei Brotzeit.

Die App funktioniert wie bekannte Liefer-Apps und ist sowohl für iOS als auch Android verfügbar. Regionale Verkäufer können ihren Lieferservice schnell und einfach in der App aufsetzen. Kunden können dann ihre Bestellung abgeben und bekommen sie – auch außerhalb der Öffnungszeiten – direkt vor ihr Haus geliefert. Wer möchte, kann die Bestellung aber auch selber in der Filiale der Lokalbäckerei Brotzeit in Grünwald oder Pullach abholen.

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