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Ergebnisse einer aktuellen ZDH-Befragung Corona-Krise verschlechtert Eigenkapitalbasis vieler Betriebe

Mehr als die Hälfte der Handwerksunternehmen spüren die Folgen der Pandemie. Das macht sich auch beim Eigenkapital bemerkbar. Weitere Hilfen sind nötig.

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Die Gewinnsituation vieler Handwerksbetriebe hat sich seit Beginn der Corona-Pandemie verschlechtert. Bei fast gleichbleibenden Fixkosten schlägt sich dies auf das Eigenkapital nieder, wie die jüngste Befragung des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) unter rund 2.500 Handwerksbetrieben zeigt. "Die seit Pandemiebeginn bei fast der Hälfte der Betriebe deutlich verschlechterte Eigenkapitalsituation ist ein Warnzeichen", äußerte sich Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer zu den Ergebnissen. So hat sich der Umfrage zufolge bei 42 Prozent der Unternehmen das Eigenkapital verringert. Eine Gefahr einer Überschuldung sehen 80 Prozent der Unternehmen bisher nicht. Allerdings rechnen rund 40 Prozent damit, dass sich "ihre finanziellen Engpässe vergrößern werden", heißt es. Dies gilt insbesondere für Soloselbstständige und Kleinunternehmen.

Gewerke ganz unterschiedlich betroffen

Wie die Umfrage weiter deutlich macht, sind insgesamt rund 56 Prozent der befragten Unternehmen von wirtschaftlichen Folgen durch die Corona-Epidemie betroffen. Dies gilt insbesondere für die Gewerke des gewerblichen Bedarfs und des Kfz-Handwerks sowie für Lebensmittel- und Gesundheitshandwerke. Auch Friseure und andere Anbieter persönlicher Dienstleistungen sind besonders tangiert. Unter den Betrieben, die bisher keine Auswirkungen spüren sind vor allem Betriebe des Bau- und Ausbauhandwerks. Nur drei Prozent der befragten Betriebe rechnen bisher damit, Konkurs beantragen zu müssen.

Weniger als ein Drittel der Betriebe nutzt staatliche Hilfen

Insgesamt nutzen der Umfrage zufolge weniger als ein Drittel der Betriebe die von Bund und Ländern zur Verfügung gestellten Corona-Hilfen, wie Sofort- und Überbrückungshilfen, Corona-Darlehen oder Stundungen. Gleichwohl sehen knapp 30 Prozent der befragten Unternehmen die Notwendigkeit für weitere staatliche Hilfen. Dabei sollten bei der angekündigten Fortführung der Überbrückungshilfen die Zugangsvoraussetzungen erleichtert und die Eingangsschwellen gesenkt und zeitlich flexibler ausgestaltet werden. 

Bisher wenig Überbrückungshilfen nachgefragt

Bisher muss ein Betrieb nachweisen, dass er in den Monaten April und Mai diesen Jahres 60 Prozent weniger Umsatz als in den entsprechenden Vorjahresmonaten erwirtschaftet hat, um die Hilfe beantragen zu können. Wünschenswert wäre nach Ansicht des ZDH auch eine Möglichkeit für Handwerksunternehmen vorab über ein "Online-Tool" ihre Zugangsberechtigung und die Höhe möglicher Hilfen abschätzen zu können, bevor sie die vorgeschriebene Unterstützung von Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern bei der Antragstellung in Anspruch nehmen. Kosten und hohe Hürden hätten bisher dazu geführt, dass nur sehr wenige Handwerksbetriebe Überbrückungshilfen beantragt hätten.

Anders sieht es dagegen bei den Soforthilfen aus. Sie wurden deutlich häufiger beantragt. Für Kritik sorgten bei Betrieben und Betriebsberatern allerdings Unklarheiten bei den Förderbedingungen und damit einhergehenden Rückzahlungsmodalitäten.

ZDH fordert Schnellkredite auch für Kleinbetriebe bis zehn Mitarbeiter

Verbesserungsbedarf sieht das Handwerk auch bei den Schnellkrediten der KfW und der Landesförderinstitute. Die Kredite, bei denen die Förderbanken das volle Risiko übernehmen und die von einem Fünftel der befragten Unternehmen beantragt wurden, sollten künftig auch kleinen Unternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitern zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sollten nach Ansicht des Handwerksverbandes weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Eigenkapitalbasis der Unternehmen etwa über stille Beteiligungen zu stärken. So sollte beispielsweise das ERP-Kapital für Gründer auf alle Unternehmen erweitert werden.

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