Studie der Deutschen Telekom Corona-Krise beschleunigt Digitalisierung im Handwerk

Viele Handwerksbetriebe können im Lockdown nicht oder nur eingeschränkt arbeiten. Eine Studie zeigt, dass die unfreiwilllige Pause genutzt wird, um die Digitalisierung der Geschäftsmodelle voranzutreiben.

Steffen Guthardt

Die Handwerke für den privaten Bedarf kümmern sich aktuell vor allem um die Digitalisierung ihrer Kassensysteme. - © Monkey Business - stock.adobe.com

Das Handwerk entwickelt in der Corona-Krise viele kreative Geschäftskonzepte und beweist sein Improvisationsvermögen. Besonders die Digitalisierung rückt bei den Betrieben stärker in den Blick. So berichtet eine Brauerin, dass ihre virtuellen Bierverkostungen sehr gefragt sind und ein Fleischer wirbt in einem nicht ganz ernst gemeinten Instagram-Video mit einer fleisch­transportierenden Drohne für den eigenen Grill-Lieferservice.

Kommunikation an erster Stelle

Dass es sich dabei nicht nur um Einzelfälle handelt, zeigt der "Digi­talisierungs­index Handwerk 2020" der Deutschen Telekom. Die jährlich erscheinende Studie untersucht die Fortschritte des Handwerks bei der Digitalisierung. Aus der aktuellen Befragung geht hervor, dass etwa die Hälfte der Unternehmen ihre Ge­schäftsmodelle, Produkte und Serviceleistungen infolge der Corona- Krise kurzfristig angepasst hat. 39 Prozent geben zudem an, seit dem Ausbruch der Pandemie verstärkt wichtige Arbeitsprozesse zu digitalisieren.

Das hat konkrete Auswirkungen auf die Investitionsentscheidungen. An erster Stelle stehen Ausgaben für "mobile Endgeräte der Mitarbeiter" und "Video- und Webkonferenzen sowie weitere Kollaborationslösungen". Jeweils 26 Prozent der befragten Handwerksunternehmen haben in diesen Bereichen ihre Investitionen gegenüber 2019 erhöht. Es folgen "Fernzugriff-/VPN-Lösungen", damit Mitarbeiter auch von zuhause aus oder unterwegs auf das Firmen-Netzwerk zugreifen können. Das Handwerk hat in der Corona-Krise damit eine klare Priorität bei der Digitalisierung: Es gilt, die Geschäftsfähigkeit trotz Corona-­Beschränkungen wie Abstandsregeln und Homeoffice aufrecht zu erhalten.

Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz, Blockchain oder Robotik rücken derweil in den Hintergrund. In diesen Bereichen haben die Be­­triebe ihre Ausgaben im Vergleich zu 2019 reduziert.

Ende der Zettelwirtschaft

Zwischen den einzelnen Handwerksbranchen zeigen sich deutliche Unterschiede beim Digitalisierungsgrad und der Fokussierung auf be­stimmte Geschäftsbereiche.

Handwerksbetriebe für den ge­­werblichen Bedarf, wozu die Studienautoren etwa Metallbauer, Feinwerkmechaniker oder Elektromaschinenbauer zählen, sind demnach am meisten digitalisiert. Maschinen aus der Ferne steuern und kontrollieren zu können, um etwaige Ausfälle in der Produktion rechtzeitig zu erkennen bzw. zu vermeiden, ist ihnen besonders wichtig. 28 Prozent der befragten Handwerker nutzen solche Technologien bereits und weitere 33 Prozent planen deren Einsatz innerhalb der nächsten zwölf Monate. In den nächsten Jahren messen die Befragten zudem der robotergesteuerten Prozessautomatisierung und dem 3D-Druckverfahren zunehmende Bedeutung bei.

 In den Handwerken für den gewerblichen Bedarf, wozu die Deutsche Telekom u. a. Friseure, Textilreiniger oder Goldschmiede zählt, steht die Einführung des digitalen Kassenbuches an erster Stelle. 38 Prozent der Befragten haben hier bereits investiert und weitere 33 Prozent planen es in diesem Jahr. Dies dürfte im Zusammenhang mit den gesetzlichen Vor­gaben der Registrierkassenpflicht stehen. Zudem soll es mithilfe entsprechender Software künftig immer mehr Kunden möglich sein, online einen Termin zu vereinbaren.

Das Bauhandwerk hat laut der Studie noch großes Potenzial, seine Prozesse stärker zu digitalisieren. Die Betriebe wollen vor allem der Zettelwirtschaft ein Ende bereiten und in digitale Bautagebücher investieren, die die Abrechnung erleichtern. 35 Prozent der Unternehmen haben hierfür bereits Geld ausgegeben, weitere 28 Prozent planen es bis Ende 2021. Zudem haben sich viele Betriebe ­vorgenommen, künftig Aufträge über digitale Plattformen zu vergeben.

Die komplette Studie können Sie unter www.digitalisierungsindex.de herunterladen