Frühjahrsprojektion Corona-Krise: Altmaier sieht Trendwende noch in diesem Jahr

Altmaier rechnet für 2021 mit einem größeren Wirtschaftswachstum als noch zu Jahresbeginn. Handwerkspräsident Wollseifer mahnt zur Vorsicht. Die guten Prognosen dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Handwerksbetriebe weiterhin um ihre Existenz kämpfen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier bei der Vorstellung der Frühjahrsprojektion. - © picture alliance/dpa | Wolfgang Kumm

Von Karin Birk

Die Bundesregierung sieht trotz der angespannten Pandemielage Licht am Ende des Tunnels. „Dieses Jahr ist das Jahr, in dem wir die Trendwende endgültig schaffen“, zeigte sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) optimistisch. „Spätestens 2022 werden wir unsere alte Stärke wieder erreichen“, fügte er hinzu. Er gehe davon aus, dass es im Sommer „erste vorsichtige Lockerungsschritte“ geben könne.

Für 2021 rechnet er mit einem Wachstum der Wirtschaft von 3,5 Prozent. Anfang des Jahres war er noch von 3,0 Prozent ausgegangen. Für das kommende Jahr erwartet er einen Zuwachs von 3,6 Prozent. Getragen werde der Aufschwung vor allem von der Exportindustrie und der kräftigen Nachfrage aus Asien und den USA.

Wollseifer fordert weitere finanzielle Unterstützung für das Handwerk

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer warnte vor einer gespaltenen Konjunktur und der nach wie vor angespannten Situation vieler Handwerksbetriebe: „Auch wenn die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr leicht anhebt, so kann das nicht über die nach wie vor schwierige konjunkturelle Lage in Deutschland und auch für viele Handwerksbetriebe hinwegtäuschen“, sagte er. „Ohne weitere Unterstützung werden zahlreiche Betriebe kaum durchhalten können“, erklärte er. Sie blieben dringend auf weitere finanzielle Unterstützung angewiesen.

Altmaier stellt weitere Verlängerung der Überbrückungshilfe III in Aussicht

Eine Pleitewelle erwartet der Wirtschaftsminister indessen nicht: „Ich gehe davon aus, dass es auch in den nächsten Monaten nicht zu einer großen Insolvenzflut oder einer Insolvenzwelle kommt“, sagte Altmaier. Der Wirtschaftsminister bekräftigte sein Ziel, die Überbrückungshilfe III über den 30. Juni hinaus bis Jahresende verlängern zu wollen. Er sei dazu mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) im Gespräch.

Bei den Zugangsvoraussetzungen sehe er im Augenblick „keinen größeren Änderungsbedarf“, fügte er hinzu. Insgesamt seien bisher etwas mehr als 15 Milliarden Euro an November und Dezemberhilfe, Überbrückungshilfe III und Neustarthilfe ausbezahlt worden.

Neben derlei Zuschüssen wünscht sich Handwerkspräsident Wollseifer endlich „steuerliche Ad-hoc-Maßnahmen“ wie eine deutliche Verlängerung des Verlustrücktrags.

Deutliches Wachstum im 4. Quartal erwartet

Mit Blick auf mögliche - und auch vom Handwerk sehnlichst gewünschte - Öffnungsperspektiven zeigte sich Altmaier vorsichtig optimistisch. „Ich bin überzeugt, ab dem Sommer dann schrittweise zu öffnen“, sagt er. Voraussetzung sei allerdings, dass es bis dahin gelinge, die Infektionswelle zu brechen.

„Das wichtigste Instrument auf diesem Weg hin zu Öffnungen ist und bleibt das Impfen“, sagte Wollseifer und forderte hier deutlich mehr Dynamik. „Je schneller und umfassender wir impfen, umso schneller können unsere Betriebe wieder zu einer normalen Geschäftstätigkeit zurückkehren, desto zügiger können Wirtschaft und Konjunktur Fahrt aufnehmen“, betonte er.