Nie mehr an der roten Ampel stehen und in die kleinste Parklücke hineinkommen: Für viele ein Traum und vielleicht bald schon Realität. Bei der Consumer Electronics Show in Las Vegas zeigen die Autobauer, was bereits in wenigen Jahren möglich sein wird. Das Auto wird zum Supercomputer.

David Hasselhoff steuerte seinen Wunderwagen in der Serie "Knight Rider" per Sprache und war dabei häufig nicht einmal selbst an Bord. Damals in den Achtzigern erschien das vernetzte Auto ebenso unrealistisch wie autonomes Fahren. Bei der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas (noch bis 10. Januar) ist das nun alles zu sehen.
Auf der Elektronikmesse zeigen Autobauer und ihre Zulieferer, dass die Smart-Watch am Handgelenk längst Kilometerstand und Reichweite des Fahrzeugs kennt. Die Datenbrille von Google ist mit der Navigation verknüpft. Und auf dem Tablet-Computer kann man Routen planen und nachverfolgen.
Assistenzsysteme werden zum Autopiloten, die den Wagen auch ohne Zutun des Fahrers sicher ans Ziel bringen. Schon heute sei das Auto der ultimative mobile Computer, sagt Jen-Hsun Huang, Präsident des Chipherstellers Nvidia. "Und mit den neuen mobilen Superprozessoren werden futuristische Fahrzeugfunktionen aus unseren Träumen nicht länger Sciencefiction bleiben."
Dem Auto beim Parken zusehen
Jede Menge Zukunftstechnik ist in den Messehallen in Las Vegas zu sehen und wird auf der Straße in Prototypen ausprobiert. Audi zum Beispiel demonstriert das autonome Parken, bei dem der Fahrer neben dem Auto steht, und verspricht dafür schon in den nächsten zwei, drei Jahren die Serienreife. Außerdem zeigen die Ingolstädter einen völlig autarken Stauassistenten, der dem Fahrer durch Eingriffe in Lenkung, Gas und Bremse schon im A8 schon in zwei Jahren bis Tempo 60 längere Pausen ermöglichen soll.
Das onlinegestützte System kann Daten aus den Verkehrsleitzentralen verarbeiten, bestimmt per GPS die Fahrzeugposition und kann so Rot- und Grünphasen auf der Strecke vorhersehen, erläuterte Audi-Entwickler Michael Zweck. Die Einführung des Ampel-Assistenten hängt vor allem noch von der Verfügbarkeit der Ampelsteuerungsdaten ab, über deren Verfügbarkeit Audi unter anderem mit den Stadtverwaltungen verhandelt.
Der i3 von BMW rangiert von alleine in die Lücke, während der Fahrer nur noch einen Knopf festhalten muss. Mit einem autonom driftenden 2er will der Autobauer die Freude am (Mit-)Fahren demonstrieren. Mit diesen Übungen im Grenzbereich wappnen die Bayern ihre Modelle nach Angaben von Entwicklungsleiter Werner Huber für besonders kritische Situationen im pilotierten Betrieb und bereiten zugleich die Einführung neuer Hilfssysteme wie einem Ausweichassistenten vor.
Ein Winken genügt
Dritter Schwerpunkt neben der zunehmenden Automatisierung der Fahrfunktionen und der immer engeren Verknüpfung mit der digitalen Lebenswelt sind in Las Vegas neue Anzeige- und Bedienkonzepte: Kia zum Beispiel demonstriert, wie das Auto von Morgen Gesten erkennen kann. Allein mit dem Winken vor einem Kameraauge soll der Fahrer so zum Beispiel das Musikprogramm ändern können.
Audi zeigt ein digitales Kombiinstrument mit einer so aufwendigen Grafik, dass der zweite Monitor fürs Infotainment überflüssig wird. Daneben gibt es einen eigenen Tablet-Computer. Er dient im Fahrzeug als Infotainment-Bildschirm und Fernbedienung.
Auto stellt sich auf Wünsche des Fahrers ein
Mit immer weniger Bedienschritten will Mercedes auskommen und die Wünsche des Fahrers deshalb automatisch vorhersagen. Dafür lernen die Autos der Schwaben nach Angaben von Forschungschef Thomas Weber typische Routinen und Verhaltensmuster der Insassen und schließen daraus auf kommende Fahrziele, den aktuellen Musikgeschmack oder die bevorzugte Klimaeinstellung.
"Darauf müssen wir nicht mehr lange warten", sagt Weber. Er rechnet mit wenigen Jahren bis zur Serieneinführung. Das Audi-Cockpit kommt sogar schon in diesem Sommer im neuen TT und das eigene Tablet dann im nächsten Jahr mit dem Generationswechsel beim Q7, bestätigt ein Entwickler.
Zwar bewegt sich die Autoindustrie zwischen all den Hard- und Software-Spezialisten, Mobilfunk- und Internetanbietern in Las Veags noch auf ungewohntem Terrain. "Doch die elektronische Ausstattung im Fahrzeug und die digitalen Ansprüche der Kunden an ihr Auto sind so umfangreich, dass wir hier ganz richtig aufgehoben sind", sagt ein Audi-Sprecher. Die klassischen Kfz-Themen wie Leistung, Fahrverhalten oder Verbrauch sind angesichts der neuen Elektronik aber nicht vergessen. In der kommenden Woche ist Motorshow in Detroit – dann zählen nicht mehr Bits und Bytes, sondern die alten Werte. dhz/dpa