Bitkom-Präsident Scheer fordert Milliarden-Investitionen in intelligentes Stromnetz (weitgehend neu) Computerbranche im Stimmungshoch

Die Computerbranche ist dank des Aufschwungs in Jubelstimmung. Doch das Wachstum fällt sehr unterschiedlich aus, wie der Branchenverband Bitkom am Montag mitteilte. Der Umsatz des gesamten Marktes wird laut den Experten um zwei Prozent auf 145,5 Milliarden Euro steigen.

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Computerbranche im Stimmungshoch

Berlin (dapd). Die Computerbranche ist dank des Aufschwungs in Jubelstimmung. Doch das Wachstum fällt sehr unterschiedlich aus, wie der Branchenverband Bitkom am Montag mitteilte. Der Umsatz des gesamten Marktes wird laut den Experten um zwei Prozent auf 145,5 Milliarden Euro steigen. Während die IT-Branche ihren Umsatz um 4,3 Prozent erhöhen werde, sei für die Telekommunikationsbranche lediglich ein Wachstum von 0,3 Prozent zu erwarten. Der Markt für Unterhaltungselektronik schrumpfe sogar um 1,7 Prozent.

Steigende Umsätze verzeichneten demnach 78 Prozent der Anbieter von Informationstechnik, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik in den ersten drei Monaten dieses Jahres. Der Bitkom-Branchenindex sei auf 72 Punkte gestiegen, den höchsten Stand seit dem Start der vierteljährlichen Befragungen vor zehn Jahren. Damit habe er sich deutlich besser entwickelt als der Ifo-Konjunkturindex, der die Stimmung der gesamten Wirtschaft erfasst. Unter dem Strich würden dieses Jahr rund 10.000 neue Arbeitsplätze in der Computer- und Telekombranche entstehen.

"Die positive Stimmung zieht sich durch fast alle Marktsegmente der Hightech-Branche", sagte Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer. Die Schwäche des Unterhaltungselektronik-Marktes führte er darauf zurück, dass dieser im vergangenen Jahr wegen der Fußball-Weltmeisterschaft - und der damit einhergehenden hohen Nachfrage nach Flachbild-Fernsehern - ungewöhnlich stark gewachsen sei.

Fast jedes fünfte Unternehmen der Branche sei zwar wegen der Katastrophe in Japan von Lieferengpässen betroffen. Doch die Probleme hielten sich in Grenzen. So seien die Preise für Speicherchips um lediglich fünf Prozent gestiegen. "Wir glauben, dass die Verbraucher gelassen bleiben können", sagte Scheer. Es sei fraglich, ob die Unternehmen die gestiegenen Preise für manche Bauteile angesichts des scharfen Wettbewerbs überhaupt an die Kunden weitergeben könnten.

Den Unternehmen macht laut Scheer der Fachkräftemangel immer größere Sorgen. Selbst 2009, also mitten in der Krise, habe noch jeder vierte Betrieb angegeben, nicht genug Spezialisten zu finden. Mittlerweile klagten bereits 59 Prozent der Unternehmen über einen Mangel an Fachkräften.

Ein interessanter Wachstumsmarkt für die Branche ist der Aufbau eines sogenannten intelligenten Stromnetzes, in dem Elektrizität dezentral erzeugt wird. Produzenten und Abnehmer müssen sich darin ständig darüber austauschen, wer wann wie viel Strom herstellt und verbraucht. Bitkom forderte nun die Bundesregierungen zu einem Investitionsprogramm in das Stromnetz auf, ähnlich wie beim Ausbau des flächendeckenden Breitband-Internets.

"Geld für die Förderung und Erforschung zukunftsträchtiger erneuerbarer Energien und intelligenter Netze ist besser angelegt als für die Subventionierung fossiler Energieträger", sagte Scheer. Deutschland habe bisher rund 250 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern in das intelligente Stromnetz investiert, die Steinkohle werde aber noch immer mit zwei Milliarden Euro pro Jahr subventioniert. Länder wie die USA, China oder Südkorea steckten Milliardenbeträge in ihre Stromnetze.

dapd