Commerzbank-Chef Martin Blessing warnt davor, private Gläubiger an der Lösung der griechischen Schuldenkrise zu beteiligen. "Wenn man um Griechenland einen Zaun ziehen könnte, wäre das Problem recht leicht zu lösen: Man würde umschulden. Die Banken außerhalb Griechenlands könnten das verkraften", sagte der Vorstandschef der "Welt am Sonntag".
Commerzbank-Chef warnt vor Umschuldung Griechenlands
Berlin (dapd). Commerzbank-Chef Martin Blessing warnt davor, private Gläubiger an der Lösung der griechischen Schuldenkrise zu beteiligen. "Wenn man um Griechenland einen Zaun ziehen könnte, wäre das Problem recht leicht zu lösen: Man würde umschulden. Die Banken außerhalb Griechenlands könnten das verkraften", sagte der Vorstandschef der "Welt am Sonntag".
In der Realität gehe es jedoch um mehr: "Wir haben es auch mit einer Vertrauensfrage zu tun", sagte Blessing. Zuletzt habe es geheißen, bis 2013 werde kein Gläubiger zur Sanierung Griechenlands herangezogen. "Das soll nun nicht mehr gelten? Das trägt nicht gerade dazu bei, Vertrauen an den Märkten aufzubauen."
Die öffentlichen Defizite sind aus Sicht des Commerzbank-Chefs ein Anlass zu ernster Sorge: "Wir haben große Schwierigkeiten mit der überbordenden Staatsverschuldung. Die Annahme, dass Staaten besonders sichere Schuldner sind, ist offensichtlich ins Wanken geraten." Schließlich gebe es bei einem zahlungsunfähigen Staat anders als bei einem Unternehmen nicht einmal eine Konkursmasse, auf die die Gläubiger zurückgreifen könnten, erklärte Blessing.
"Staaten können sich daher nur verschulden, wenn genug Käufer das Vertrauen haben, dass das Geld zurückgezahlt wird." Dieses Vertrauen dürfe nicht verspielt werden. Schließlich müssten die EU-Staaten Tag für Tag drei Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen, größtenteils zur Ablösung alter Schulden. "Wer immer noch glaubt, unbegrenzt Schulden machen zu können, macht die Rechnung ohne die Gläubiger, die bereit sein müssen, diese zu kaufen", sagte der Vorstandschef dem Blatt.
dapd
