Nachhaltig bauen CO₂-Speicherung bietet dem Zement eine Zukunft

Heidelberg Materials will die Zementproduktion mittels CO₂-Speicherung klimafreundlicher machen. Kürzlich wurde in Norwegen die weltweit erste Anlage dafür in Betrieb genommen.

CO₂-Abscheideanlage von Heidelberg Materials in Brevik, Norwegen
Der Absorber der CO₂-Abscheideanlage im Werk von Heidelberg Materials in Brevik, Norwegen. - © Heidelberg Materials

Zement gilt als wichtigste Zu­­tat im Beton. Ein Kleber, der Wasser, Sand und Kies zum meistverwendeten Baustoff verbindet. Und ein Klimakiller, bei dessen Produktion rund acht Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entweichen. Ein zukunftsfähiges Baugewerbe braucht also dringend eine Lösung für das Umweltproblem beim Zement. Eine Möglichkeit ist das Ab­scheiden und dauerhafte Speichern von CO2 – genannt Carbon Capture and Storage, kurz CCS.

Wie das funktioniert, darüber in­formierte die Bauinnung München-­Ebersberg Mitte Juli bei ihrem Hoffest. Obermeisterin Laura Lammel hatte dafür eigens Robert Bachmann von Heidelberg Materials eingeladen. Das Unternehmen betreibt im norwegischen Brevik die weltweit erste CCS-Anlage in der Zementproduktion, die kürzlich in Betrieb gegangen ist.

Noch füllen sich die Pipelines mit dem abgeschiedenen und verflüssigten Kohlendioxid, im August soll dann erstmals CO₂ in 2,6 Kilometern Tiefe unter dem Boden der Nordsee verpresst werden. "Ab Herbst wollen wir mit unserem neuen Produkt ,evozero‘ CO₂-freien Beton an­bieten", erklärt Markenbotschafter Bachmann. Der Beton wird freilich nicht aus Norwegen geliefert, sondern aus einem deutschen Werk, auf den die CO₂-Einsparungen aus Brevik angerechnet werden. Die Mehrkosten für den klimaneutralen Beton schätzt Bachmann auf ein bis zwei Prozent, abhängig vom Einsatzzweck. "Dafür bekommt man die CO2-
Reduktion sofort und muss keine Bäume pflanzen", betont Bachmann.

"CO2-Speicherung ist kein Greenwashing"

Laura Lammel konnte sich vor Kurzem in Brevik südwestlich von Oslo persönlich ein Bild von der CCS-­Anlage machen. "Das ist kein Green­washing. Das ist Klimaschutz XXL", lobte die Obermeisterin das Engagement von Heidelberg Materials nach ihrem Besuch in Norwegen.

Wie gigantisch die Herausforderungen bei der CCS-Technologie sind, verdeutlichte Robert Bachmann vor den Bauhandwerkern in München. Seit dem Projektstart vor 20 Jahren seien rund 1,2 Millionen Ingenieursstunden in den Aufbau der CCS-Anlage geflossen. Wenn sie demnächst ihre volle Kapazität erreicht, können beim Brennen von Kalkstein pro Stunde 55 Tonnen CO2 abgeschieden werden. Das unter Druck verflüssigte CO2 transportieren Schiffe innerhalb von vier Tagen zu einem Empfangsterminal in der Nähe von Bergen. Anschließend wird es über eine
110 Kilometer lange Pipeline in die Nordsee geleitet und dort in ein ehemaliges Erdgasfeld tief unter dem Meeresboden verpresst.

Emissionen nicht zu verhindern

Um die Erderwärmung zu drosseln, muss der CO2-Ausstoß drastisch reduziert werden. Bei der Zementproduktion setzen chemische Prozesse den technologischen Bemühungen allerdings Grenzen. Pro Tonne klassischem Portlandzement entstehen 870 kg CO2. Zwar ist es Heidelberg Materials gelungen, durch den Einsatz alternativer Brennstoffe und einem geringeren Klinkeranteil diesen Wert auf bis zu 200 kg zu senken. Aber gänzlich verhindern lassen sich CO2-Emissionen nicht.

In der CCS-Anlage in Brevik will Heidelberg Materials 400.000 Tonnen CO₂ pro Jahr abscheiden. Den Schiffstransport und die Speicherung übernimmt ein Konsortium aus Energieunternehmen, beides großzügig gefördert und vertraglich geregelt vom norwegischen Staat.

Anders als in Norwegen tut man sich Deutschland schwer mit der Ge­nehmigung einer CO₂-Speicherung im industriellen Maßstab. Das Kohlendioxid-Speicherungsgesetz (KSpG) aus dem Jahr 2012 verbietet die kommerzielle Nutzung von CCS. Allerdings sieht ein Referentenentwurf zur Änderung des KSpG Lockerungen vor. Ein Beschluss dazu steht aber noch aus.